06.03.2009, 09:25 Uhr
Ein Kommentar von Jörg Hausmann
Demnächst auf "Premiere" kaum noch zu erkennen: Der Formel-1-Pulk nach dem Start. Hier 2008 in Hockenheim. (Foto: dpa)Liebe Freunde der Formel 1: schon wieder eine Regeländerung, für alle Abonnenten spürbar wie nie zuvor. "Premiere" führt mit der neuen Saison einen neuen Optionskanal ein, den Kanal SW. Nein, keine Angst, die Bilder bleiben farbig. S steht für die Suche nach dem Rennwagen. Und W für die Werbung, die demnächst so dominant sein wird, dass das Fahnden nach Lewis Hamilton und Co. die Augen verdirbt.
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Und das Beste daran: "Premiere" feiert sich auch noch eine Rille in den Reifen, künftig nicht besser zu sein als RTL. Die Kölner und ihre von Grand-Prix-Momenten durchsetzte Werbesendung waren seit Jahren der Grund, überhaupt Geld in den Münchner Pay-TV-Sender zu stecken: um ungestört Sport zu sehen.
Was halten Sie von der neuen Werbeoffensive auf einem Pay-TV-Sender? Oder standen Sie ohnehin nie auf der "Premiere"-Abonnentenliste? Am Ende des Artikels haben Sie Raum für Ihren Kommentar.
Doch beim Geld, dass die fernsehende Bevölkerung nicht in genügendem und gewünschtem Maße in "Premiere" gepumpt hat, hört eben die Freundschaft auf und verkümmern ehedem hehre Vorgaben zum gerne vergessenen "Geschwätz von gestern": "Nur bei Premiere sehen Sie das gesamte Rennwochenende live und ohne Werbeunterbrechung." War einmal. Mit der Bundesliga, die ja "Premiere" nach eigenem Selbstverständnis längst glaubt, erfunden zu haben, hat es ja auch geklappt: dem Abonnenten einfach mal Werbung reinzuhauen. In einem Maße, das "Premiere" auf das gleiche Niveau heruntergeholt hat wie jeden x-beliebigen Privatsender.
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Das Private, dieses exklusive Gefühl, zu zahlen, um sich vom "normalen" Konsumenten abzuheben und die nervende Werbung zu verhindern, ist Geschichte. Der "Premiere"-Kunde wird selbst zu entscheiden haben, ob er auch dieses neuerlich amerikanisierende Abrücken vom Gesamtkonzept stillschweigend schluckt. Da wird in der Unterföhringer Konzernzentrale wieder ordentlich an der Abonnentenzahl manipuliert werden müssen, um den "Erfolg" der Splitscreenmaßnahme zu verschleiern.
Als "Premiere" Anfang der 90er Jahre in den deutschen Wohnzimmern antrat, geschah das mit dem Anspruch, von heute zu sein. Fernsehen sei "gestern" gewesen. Heute ist "Premiere" von gestern. Und in seinen Versprechungen nicht verlässlicher als jeder Politiker.
Quelle: t-online.de
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