20.07.2009, 15:39 Uhr
Will nächstes Jahr wieder angreifen: Lance Armstrong (Foto: imago)Vom achten Tour-Triumph hat Lance Armstrong nach der Kapitulation in den Alpen zähneknirschend Abschied genommen, doch der erfolgsbesessene Altmeister will das Rad der Zeit wieder zurückdrehen. "Ich habe nicht die Rennhärte wie in den Jahren 2004 oder 2005, das ist die Realität. Aber wenn ich ein Jahr konstant fahre, kommt sie vielleicht wieder zurück", redete der siebenmalige Champion am zweiten Ruhetag bereits vom Gegenangriff auf den neuen Tour-Patron Alberto Contador im nächsten Jahr.
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Bis dahin muss sich der 37-Jährige wohl oder übel mit der Rolle des loyalen Teamkollegen abfinden. Nach der Demütigung in Verbier, als er 1:35 Minuten hinter seinem wie entfesselt fahrenden Astana-Rivalen ins Ziel kam, nahm der PR-Profi sogleich Abschied von seiner "Politik der kleinen Nadelstiche" gegen Contador. Stattdessen ging der Texaner zu einer kleinen Charme-Offensive über. "Alberto angreifen? Nein. Das wäre unfair und gegen die Regeln. Er ist der Stärkste. Ich hatte sieben Mal das Gelbe Trikot. Jetzt kämpfe ich für Alberto. Ich bin glücklich, sein Domestike zu sein", schlug Armstrong nach der Lehrstunde im Kampf der Generationen ganz neue Töne an.
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Als neues Ziel hat Armstrong nun den zweiten Platz in Paris ausgerufen. Dabei hasst der frühere Straßen-Weltmeister nichts mehr als die Rolle des ersten Verlierers. "Ich darf die Tatsache nicht leugnen, dass Contador der Stärkste ist", so der Texaner, der in der Gesamtwertung als Zweiter nur noch einen haudünnen Vorsprung von neun Sekunden auf den Briten Bradley Wiggins hat.
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Plötzlich hatten sich bei Astana alle wieder lieb, vorbei sind offenbar die einseitig geführten Grabenkämpfe. Der stille "Matador Contador" (L'Equipe) hat auf dem Rennrad eindrucksvoll die Frage nach der Kapitänsrolle beim kasachischen Rennstall beantwortet. "Jetzt arbeiten wir alle an dem gleichen Ziel. Armstrong war mein Idol. Es ist eine Ehre, dass Lance nun für mich fahren wird", sagte der Madrilene.
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In der spanischen Heimat wurde der Triumph des 26-Jährigen euphorisch gefeiert. "Contador begräbt Armstrong. Ohne ein Team hat er den amerikanischen Mythos in den Ruhestand geschickt", schrieb das konservative Blatt "ABC", und "El Pais" titelte: "Contador ist das Ende von Armstrong." Das will Armstrong freilich noch nicht wahr haben. Der Traum vom achten Triumph in Paris ist aufgeschoben, nicht aber aufgehoben. Im Hintergrund bastelt der 37-Jährige bereits an einem neuen Rennstall mit Teamchef Johan Bruyneel für das nächste Jahr. Gespräche mit zahlungskräftigen Sponsoren in der Heimat laufen auf Hochtouren, immer wieder fallen die Namen des Sportartikelherstellers Nike und Armstrongs Krebsstiftung Livestrong.
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Ob all dies ausreicht, um auf den Tour-Thron zurückzukehren, erscheint doch fraglich. Das ungewohnte Bild vom leidenden Armstrong ging am Sonntag jedenfalls um die Welt, Bjarne Riis nahm es vergnügt zur Kenntnis. "Wir haben Lance Armstrong einbrechen sehen. Das war ein guter Tag", sagte der Toursieger von 1996, der die Hoffnungen auf einen Erfolg seines Luxemburgers Andy Schleck noch nicht aufgegeben hat: "Contador war in Verbier der Stärkste. Es ist aber trotzdem möglich, ihn zu schlagen."
Wie das Riis-Team dies schaffen will, bleibt sein Geheimnis. Titelverteidiger Carlos Sastre hat jedenfalls die Waffen gestreckt. "Hier fährt ein Fahrer in einer eigenen Liga. Dahinter sind wir alle auf einem Level", sagte der Spanier, und auch der deutsche Youngster Tony Martin war von Contador beeindruckt: "Zur Zeit hat keiner eine Antwort auf Alberto. Was er macht, ist unglaublich und erinnert an die alten Zeiten von Lance Armstrong."
Quelle: sid
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