05.07.2009, 14:26 Uhr
Plötzlich Liebling der Massen: Lance Armstrong (Foto: Reuters)Lance Armstrong setzte sein Lächeln auf, doch das Rad der Zeit konnte der einstige Dominator nicht zurückdrehen. "Ich habe mir keine Illusionen gemacht. Mit einem Sieg durfte ich nicht rechnen. Schließlich war ich vier Jahre weg', beschrieb der siebenmalige Tour-Champion seine Gemütslage, nachdem sein großer Traum vom Gelben Trikot in den engen Gassen Monacos geplatzt war.
Den Auftakt der 96. Tour de France hatte sich der "Cowboy aus Texas" wohl etwas anders vorgestellt. "2005 hätte ich das Rennen zerstört", sagte der 37-Jährige mit einer Portion Wehmut. Wo Armstrong früher in seiner Spezialdisziplin Zeitfahren wie ein Roboter die Konkurrenz nach Belieben demütigte, kassierte er diesmal einen Rückstand von 40 Sekunden über 15,5 KIlometer auf den Schweizer Olympiasieger Fabian Cancellara - für den Erfolgsbesessenen eine halbe Ewigkeit. Doch es sollte noch schlimmer kommen.
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Aus dem Astana-Team waren gleich drei Kollegen schneller - Andreas Klöden, Levi Leipheimer und Tour-Topfavorit Alberto Contador, der mit einer starken Leistung auf den zweiten Platz fuhr. Dass damit die Hierarchie im Astana-Team geklärt sei, wollte Armstrong nicht akzeptieren. Man werde sehen, was die Zukunft bringt: "Ich konzentriere mich auf die nächsten Aufgaben und bin bereit für die kommenden drei Wochen."
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Ein Platz unter den ersten Drei oder Fünf ist Armstrongs Ziel. Nach den Eindrücken vom Auftakt dürfte das ein schweres Unterfangen werden. Die Verbissenheit war noch die alte, doch der einst so gefürchtete Stakkato-Tritt lief längst nicht mehr so rund wie in den sieben Jahren zwischen 1999 und 2005, als Armstrong die Tour-Geschichtsbücher umschrieb.
So konnte Armstrong die Radsport-Welt bei seiner Rückkehr nicht wieder erobern, wohl aber ein wenig die Herzen der Franzosen. "Armstrong, der Verführer", schrieb die französische Sporttageszeitung L'Equipe.
Wo früher Buhrufe und "Epo-Lance"-Schriftzüge auf der Straße an der Tagesordnung waren, gab es diesmal große Beifallsbekundungen. "Es hat Spaß gemacht. Das war wie ein Heimspiel", sagte Armstrong über eine völlig neue Erfahrung, die er zuvor bei elf Tour-Teilnahmen nicht gemacht hatte.
Die Charme-Offensive hat bei den Franzosen offensichtlich gefruchtet. Wo Armstrong war, bildete sich in diesen Tagen stets eine große Menschentraube. Am Astana-Teambus herrschte regelrecht der Ausnahmezustand. Ob der Amerikaner aber als Retter einer von Dopingskandalen gebeutelten Sportart taugt, wollte keiner mehr wissen. Auch Pat McQuaid als Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI nicht: "Alle jubeln ihm zu. Medien von der ganzen Welt sind hier. Sein Comeback ist eine gute Sache für den Radsport."
Sogar der langjähriger Rivale Jan Ullrich ist in das Armstrong-Lager übergelaufen. "Ich finde es super und mutig, dass einer der Größten, vielleicht sogar der Größte, nach so langer Pause das Comeback wagt. Das ist Weltklasse", sagte der Toursieger von 1997, der einer Einladung nach Monaco nicht gefolgt war, der Bild-Zeitung.
Quelle: sid
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