12.07.2009, 14:27 Uhr
Astanas zwei Häuptlinge und frühere Tour-Gewinner: Lance Armstrong (li.) und Alberto Contador. (Foto: Reuters)Der teaminterne Zwist mit Alberto Contador ist Gesprächsthema Nummer eins bei der Tour de France. Für die Nachricht des Tages sorgte Lance Armstrong aber höchstpersönlich: Der Amerikaner will wahrscheinlich auch im kommenden Jahr an der Tour de France teilnehmen. Dies sagte der der 37-Jährige dem französischen TV-Sender France 2.
Auf die Frage, ob dies seine letzte Tour sei, antwortete der 37-Jährige: "Wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich nicht", und fügte hinzu: "Vielleicht noch eine Tour." Armstrong deutete an, dass er künftig mit Hilfe eines US-Sponsors ein eigenes Team unterhalten will.
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Contador wird in diesem Team nicht fahren, so viel ist sicher: Denn zwischen Armstrong und dem Spanier herrscht Eiszeit. Contadors Attacke in Andorra hat das Team Astana endgültig in zwei Lager gespalten, die Jagd auf das Gelbe Trikot wird zur Nebensache. "Wir sollten nicht herummotzen. Kein anderer der Favoriten hat eine Hand am Gelben Trikot. Das Rennen wird entscheiden, wer der Stärkste ist", sagt Teamchef Johann Bruyneel. Der Belgier versucht händeringend, den Konflikt zwischen Armstrong und Contador herunterzuspielen: "Beide haben denselben Status im Team." Auf der zweiten und dritten Pyrenäen-Etappe verzichteten Armstrong und Contador auf einen weiteren Schlagabtausch.
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Die Attacke von Andorra, als Contador dem Texaner 21 Sekunden abnahm und ihn in der Gesamtwertung überholte, hatte Armstrong noch nicht verdaut. Schweigend fuhren die Rivalen nebeneinander, würdigten sich selbst nach dem Rennen keines Blickes. Da war es Ironie des Schicksals, dass beide auch noch gemeinsam zur Dopingkontrolle antreten mussten.
Beide haben bei der Tour ihren eigenen kleinen Stab dabei, nur beim Abendessen im Teamhotel sitzen der siebenmalige Tour-Champion Armstrong und Contador an einem Tisch. Und schweigen sich an. Armstrongs Ego verbietet ihm regelrecht, einen anderen Kapitän als sich selbst zu akzeptieren. Contador hält sich für den besten Fahrer der Welt und denkt nicht daran, klein beizugeben.
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Ein Drittel der Mannschaft ist vorbehaltlos auf Armstrongs Seite, ein Drittel bei Contador. Der Rest ist außen vor, weil er in den Bergen nicht stark genug ist. Dabei sollte die Stimmung in der kasachischen Mannschaft eigentlich grandios sein. Neben Contador und Armstrong liegen in Levi Leipheimer und Andreas Klöden zwei weitere Fahrer unter den besten sechs der Gesamtwertung. Momentan ist es kaum denkbar, dass am Ende in Paris nicht drei Astana-Fahrer auf dem Podium stehen.
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Doch selbst Teamchef Johann Bruyneel steht zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite muss er anerkennen, dass Contador am Berg der stärkste Fahrer ist. Zudem möchte der Hauptsponsor den Spanier gerne als Toursieger sehen, weil er für die kommenden Jahre mit Contador plant.
Allerdings verbindet Bruyneel eine enge Freundschaft mit Armstrong. Bei allen sieben Toursiegen saß er im Begleitfahrzeug, in Europa ist er bei Armstrongs Training fast immer dabei. Bruyneel sagt, dass Astana noch vier Trümpfe in der Hand habe, lässt sich dann aber doch zu einem kleinen Sonderlob für Armstrong hinreißen: "Er ist auf dem richtigen Level. Das ist ein gutes Zeichen."
Benjamin Noval, ein enger Freund Contadors und von Bruyneel nicht für die Tour nominiert, attackiert den Teamchef offen. "Seitdem Armstrong bei uns ist, ist Bruyneel verantwortlich für die schlechte Stimmung", sagt der Spanier: "Sein Verhalten hat Lager geschaffen."
Mittlerweile steht fast außer Frage, dass Bruyneel und Armstrong Astana am Saisonende verlassen und ein eigenes Team gründen werden. Mit der Rückkehr von Alexander Winokurow verzichtet man bei Astana gern auf den Machtmenschen Armstrong und dessen Mentor. Ein Triumph des US-Amerikaners in Paris wäre auch ein Sieg für Bruyneel. Steht Contador auf dem obersten Treppchen, wird es sich wohl eher wie eine Niederlage anfühlen.
Quelle: dpa , sid
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