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Biathlon - Ricco Groß: "Die Leistungsdichte ist so groß, das ist irre!"

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Groß: "Die Leistungsdichte ist so groß, das ist irre!"

21.12.2009, 12:24 Uhr | Arne Henkes

Die Leistungsdichte im Biathlon-Weltcup wird immer dichter. (Foto: imago) Die Leistungsdichte im Biathlon-Weltcup wird immer dichter. (Foto: imago)Keine zwei Monate sind es noch, bis für die deutschen Biathletinnen und Biathleten der Startschuss bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver erfolgt. Auch wenn den DSV-Athleten in dieser Weltcup-Saison der Sprung ganz oben aufs Treppchen noch nicht geglückt ist, muss man sich trotzdem noch keine Sorgen um die Goldhamster von Turin machen.

Dieser Meinung ist zumindest Ex-Biathlon-Star Ricco Groß. Im Interview mit t-online.de/sport erklärt der Vierfach-Olympiasieger, warum der Druck auf die Athleten zunimmt und warum es manchmal von Vorteil sein kann, mit schlechteren Ergebnissen in die Saison zu starten.

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Wie bewerten Sie die bisherigen Ergebnisse der deutschen Biathleten und Biathletinnen? Die ganz großen Erfolge blieben in diesem Winter bislang noch aus…

Ricco Groß: Das ist das eine, aber man muss gerade im Biathlon die Leistungen immer etwas differenzierter sehen. Die Leistung setzt sich ja bekanntlich aus Laufen und Schießen zusammen. Und gerade im Läuferischen konnten unsere Athleten ja weitestgehend überzeugen, da ist der Leistungsstand völlig normal. Ärgerlich sind diese Fehlerserien beim Schießen, die unerklärlicherweise dabei sind. Das ist das einzige Manko, das derzeit besteht.

 

Wie wichtig ist denn das Schießen im Verhältnis zum Laufen? Lässt sich das in Prozentzahlen ausdrücken?

Nein, das kann man nur schwer machen. Aber man hat in der letzten Zeit gesehen, dass die Schießleistung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Maßstäbe sind da mittlerweile sehr hoch gesetzt, da kann man sich kaum noch Fehler erlauben, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Die Leistungsdichte ist mittlerweile so groß, das ist irre! Bei den Männern haben 84 Athleten Weltcup-Punkte gesammelt, bei den Frauen 82. Es ist wirklich brutal eng.

 

Aktuell Biathlon-Ergebnisse der Herren
Zeitplan Biathlon-Weltcup 2009/2010 - alle Termine

Also kann man das Ausbleiben der ganz großen Ergebnisse aus deutscher Sicht auch damit erklären, dass die Konkurrenz stark aufgeholt hat und insgesamt größer geworden ist?

Genau so kann man es sagen. Die anderen Nationen haben aufgeholt, es mischen mehr im Konzert der Großen mit und damit wird es immer schwieriger. Ein gutes Beispiel ist der Amerikaner Tim Burke. Der war früher schon in der Lage unter die ersten 15 zu laufen, jetzt stand er schon zweimal auf dem Podium und trägt zum Jahreswechsel das gelbe Trikot…

 

Ricco Groß (38) gehört zu den erfolgreichsten Biathleten weltweit. Der Skijäger aus dem sächsischen Schlema gewann in seiner Karriere vier olympische Goldmedaillen und errang neun Weltmeistertitel. Im März 2007 beendete Ricco Groß seine sportliche Karriere und begann mit einer Trainerausbildung an der Kölner Sporthochschule. Zudem ist der dreifache Familienvater als TV-Biathlon-Experte im Einsatz. (Foto: imago) Ricco Groß (38) gehört zu den erfolgreichsten Biathleten weltweit. Der Skijäger aus dem sächsischen Schlema gewann in seiner Karriere vier olympische Goldmedaillen und errang neun Weltmeistertitel. Im März 2007 beendete Ricco Groß seine sportliche Karriere und begann mit einer Trainerausbildung an der Kölner Sporthochschule. Zudem ist der dreifache Familienvater als TV-Biathlon-Experte im Einsatz. (Foto: imago)Bei der Laufleistung müssen die Grundlagen schon im Sommer gelegt werden, ein Nacharbeiten im Winter ist da kaum noch möglich. Wie verhält es sich beim Schießen? Kann man in dieser Disziplin auch nach einem etwas schlechteren Saisonstart noch nachjustieren?

Also erstmal vorab: Mit relativ ungünstigen bzw. schlechten Saisonstarts kenne ich mich aus. Da war ich wirklich ganz stark drin (lacht). Aber es ist ganz einfach so, dass es schwer ist, wenn es am Anfang nicht läuft, weil man sich immer mehr unter Druck setzt. Man sieht, dass man mitlaufen kann, merkt aber auch, dass da einfach noch ein Schießfehler zuviel dabei ist. Sei es Unkonzentriertheit oder einfach ein Schießfehler. Natürlich hat man noch Zeit, das ein Stück weit auszubessern. Und da werden auch alle die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ausnutzen. Zu den Weltcups im Januar schaut das Ganze dann etwas anders aus.

 

Die Saison steht ganz im Zeichen der Olympischen Spiele in Vancouver. Inwieweit hat dieser späte Höhepunkt im Jahr einen Einfluss auf die Vorbereitung? Gerät da der ein oder andere Athlet aufgrund eines durchwachsenen Saisonstarts schon in Panik?

Nein, eher weniger. Alle wissen um die Bedeutung dieser olympischen Saison, jeder versucht da das Optimum rauszuholen. Es ist manchmal gar nicht schlecht, etwas holpriger in die Saison zu starten, wenn man um seine Form und die Ergebnisse ringen muss. Und das tun die deutschen Athleten derzeit alle. Man muss aber nicht alles schlecht reden, es sind viele, viele Lichtblicke mit dabei. Wenn man dann im Januar so langsam in Fahrt kommt, dann hat das natürlich auch psychologische Auswirkungen. Wenn die Konkurrenz merkt, "oh je, jetzt ist bald Olympia und die laufen uns wieder davon…"

 

Video: Michael Greis über Olympia und klassische Musik

Michael Rösch hat sich für diese Saison enorm viel vorgenommen. Bisher läuft bei ihm aber noch fast gar nichts zusammen. Haben Sie einen Rat für ihn?

Michael schlägt sich im Moment selber, aber das sind Sachen, die muss jeder Biathlet alleine durchleben. Man kann ihm nur sagen, dass er das, was er im Training macht, auch im Wettkampf zeigen soll. Nicht mehr und auch nicht weniger.

 

Wie haben Sie in vergleichbaren Situationen während ihrer Karriere reagiert?

Mein Vorteil war, dass ich relativ lange dabei war. Für mich war es fast normal, bescheiden in den Dezember zu starten. Ich hab genau gewusst, irgendwann im Januar wird meine Form kommen, denn ich habe hart trainiert. Teilweise muss man einfach geduldig sein, dass sich das Blatt zu den eigenen Gunsten dreht.

 

Wie schätzen Sie die Form von Ole Einar Björndalen ein?

Er ist schon wieder sehr stark unterwegs, aber er hat auch Druck in seiner eigenen Mannschaft. Das mit den schnellsten Laufleistungen übernimmt ja mittlerweile ein Herr Hafsas. Die anderen haben auch gesehen, dass man auch einen Ole Einar Björndalen in der Loipe attackieren kann, ein Simon Eder hat das in Hochfilzen gezeigt. Nichtsdestotrotz ist Ole Einar für mich immer noch einer der komplettesten Biathleten überhaupt.

 

Herr Groß, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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Quelle: t-online.de

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