15.02.2008, 11:59 Uhr | Norman Gosch
Doping-Fall im Wintersport? (Foto: imago)Die angebliche Doping-Affäre um die Wiener Blutbank Humanplasma, in die auch deutsche Wintersportler verstrickt sein sollen, bekommt neuen Wind. Beim österreichischen Bundeskriminalamt ist eine anonyme Anzeige eingegangen, die offenbar umfangreicheres Material und konkretere Anhaltspunkte für Dopingverstöße liefert als die in der ARD vor vier Wochen gemeldeten und wenig stichhaltigen Anschuldigungen. Ein Sprecher des Bundeskriminalamts bestätigte gegenüber T-Online, dass den Behörden eine Liste mit 30 Namen von betroffenen Wintersportlern und Radprofis vorliegt. Spekulationen, dass auch deutsche Athleten auf dieser Liste stehen sollen, wollte das österreichische BKA unter Berufung auf den Persönlichkeitsschutz nicht bestätigen.
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Der österreichischen Nachrichtenagentur APA liegt nach eigenen Angaben die anonyme Anzeige vor, in der Namen von insgesamt 16 österreichischen und 15 ausländischen Sportlern genannt würden. Darunter seien zehn Athleten aus Deutschland, berichtet die Agentur weiter. Unter den genannten Athleten befänden sich auch diverse Olympiasieger.
Die "Süddeutsche Zeitung" will von der Wiener Staatsanwaltschaft erfahren haben, dass sich die Anzeige gegen Paul Höcker richtet, bis 2007 Vorstand der Klinischen Abteilung für Transfusionsmedizin der Universitätsklinik Wien. Dem Hämatologen Höcker, der auch bei Humanplasma tätig war, wird Blutdoping und Versicherungsbetrug vorgeworfen. Angeblich trifft der Vorwurf in der Anzeige auch weitere Ärzte. "Ob und wen wir überhaupt einschalten, wird demnächst geprüft", hieß es laut "Tiroler Tageszeitung" aus dem Büro der Staatsanwaltschaft. Dort hält man sich bedeckt: "Ermittlungen laufen, nächste Woche wissen wir mehr."
Die deutschen Wintersportler haben bisher alle Verbindungen nach Wien bestritten und dem Deutschen Ski-Verband (DSV) eidesstattlich versichert, keine Blutauffrischungen in Wien in Anspruch genommen zu haben. Auch dem Bundeskriminalamt (BKA) lagen keine Hinweise auf eine mögliche Verwicklung deutscher Athleten in die Wiener Affäre vor. Der DSV war wegen der von ihm stark kritisierten Fernseh-Berichterstattung auch juristisch gegen seinen Partner ARD vorgegangen, der dann "journalistische Fehler" in seiner Dopingberichterstattung zugab.
Die österreichische Regierung hatte Mitte Januar auf die Anfragen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit der Erklärung reagiert, es lägen keine Beweise vor, dass Athleten "irgendeines Landes" in Wien Blutdoping vorgenommen oder gegen ein Gesetz verstoßen hätten.
Quelle: dpa , t-online.de , sid
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