20.03.2011, 15:36 Uhr | t-online.de
Aus Köln berichtet Jens Bistritschan
Der vorletzte Schritt zum Erreichen des großen Traums der Klitschko-Brüder ist gemacht. Nach dem schnellen K.-o.-Sieg von Vitali Klitschko gegen Odlanier Solis ist Dr. Eisenfaust weiterhin der WBC-Weltmeister im Schwergewicht. Sein Bruder Wladimir hat nun im Sommer die Chance, gegen den WBA-Champion David Haye den letzen WM-Gürtel eines der vier großen Box-Verbände zu holen. Die Titel der IBF und der WBO nennt der jüngere Klitschko bereits sein eigen. Doch sein Bruder Vitali war trotz des Erfolges gegen Solis und der Chance nun "bald Geschichte schreiben zu können" nur bedingt zufrieden. (Video: die Höhepunkte des Kampfes Vitali Klitschko vs. Odlanier Solis)
Denn die Pfiffe der Fans schmerzten. "Viele Zuschauer waren nicht glücklich. Denn der Kampf war zu kurz", sagte Klitschko und hatte mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn für das viele Geld - die im Handel zu erhaltenen Karten kosteten zwischen 25 und 600 Euro - hatten diese sich sicherlich mehr als die 2:59 Minuten Kampfdauer versprochen. Und auch der K.o. war alles andere als spektakulär.
Dr. Eisenfaust schickt seinen kubanischen Herausforderer bereits in der ersten Runde auf die Bretter und verteidigt seinen WM-Titel. zum Video
Solis war gegen Ende der ersten Runde von Vitali mit einer Rechten an der Schläfe getroffen worden und dann bei der Rückwärtsbewegung von einer Linken Klitschkos zu Boden gestoßen worden. Dabei hatte sich der Herausforderer das rechte Knie verdreht und konnte sich nicht mehr aufrappeln. Ringrichter Jose Guadalupe Garcia zählte bis zehn und eine Sekunde vor Ende der ersten Runde war der Kampf zum Entsetzen der 19.000 Zuschauer in der Kölner Lanxess-Arena vorbei.
Viele von ihnen glaubten, Solis habe nur simuliert. Doch eine Untersuchung in der Kölner Uni-Klinik ergab, dass Solis bei seinem Sturz einen Riss des vorderen Kreuzbandes, des äußeren Meniskus' und einen Knorpelschaden erlitten hatte.
Nach Klitschkos Einschätzung war der entscheidende Treffer zwar "ein harter Schlag" gewesen, aber nicht unbedingt einer, von dem ein Gegner nicht wieder aufstehen kann. "Ich war schon enttäuscht, dass er nicht wieder auf die Füße gekommen ist", sagte Klitschko. "Ich wusste nicht, dass er eine Knieverletzung hatte. Mein erster Verdacht war, dass er simuliert." Deshalb habe er auch ihn erst einmal angeschrien.
Bruder Wladimir musste ihn dann auch erst einmal wegziehen und ein wenig beruhigen. "Gut, dass der Bruder aufgepasst hatte", meinte dieser dann auch. Der jüngere Klitschko-Bruder erklärte sich den Gefühlsausbruch von Vitali damit, dass dieser vor dem Kampf von der anderen Seite immer wieder provoziert worden war und natürlich direkt nach dem Ringduell immer noch „mit Adrenalin vollgepumpt war“.
Bis zum überraschend schnellen Kampfende hatte der Herausforderer gezeigt, dass er ein gut ausgebildeter Boxer ist. Mit schnellen Attacken traf er Klitschko das eine oder andere Mal, ohne den Champion allerdings ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. "Die erste Runde war offen, vielleicht sogar mit leichten Vorteilen für Solis", lobte Klitschko-Coach Fritz Sdunek dann auch den Herausforderer. Aber der Trainerveteran hatte mit seinem Schützling sich gut vorbereitet. Mit halben Aufwärtshaken sollte Klitschko seinen Gegner treffen. Der entscheidende Schlag sei dann laut Sdunek "eine erste Kostprobe" davon gewesen. "Und die hat dann schon gereicht." Ob Solis eine zweite Chance bekommt, sich gegen Klitschko zu beweisen, darf bezweifelt werden.
"Wenn Vitali ein echter Mann ist und er bis dahin noch nicht zurückgetreten ist, tritt er danach noch einmal gegen Solis an“, forderte zwar Solis‘ Promoter Ahmet Öner. Er könne sich "nicht vorstellen, dass Vitali stolz auf einen Sieg ist, der auf einem Unfall und einer Verletzung beruht." Doch nach dem Eklat bei der Pressekonferenz und dem kurzen, aber sehr hitzigen Wortduell zwischen Öner und Klitschko-Manager Bernd Bönte müsste Solis wohl entweder wieder in den Status eines Pflichtherausforderers kommen oder sich von seinem Promoter trennen. Denn ansonsten wird Team Klitschko nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen.
Quelle: t-online.de
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