30.04.2010, 08:55 Uhr | dpa, sid
Brian Minto (li.) und Marco Huck bei der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Kampf. (Foto: imago)
Weil der Herausforderer kein Top-Mann ist, muss ein martialischer Spruch her: "Ich will Axel Schulz rächen!", tönt Box-Weltmeister Marco Huck aus dem Berliner Sauerland-Stall. Sein Gegner am Samstag in der Oldenburger Weser-Ems-Halle heißt nämlich Brian Minto, und der hatte Schulz bei dessen Comeback vor knapp vier Jahren derart vermöbelt, dass der Deutsche spontan beschloss, nie wieder in einen Boxring zu klettern.
Quotenbringer Schulz, tituliert auch als "der weiche Riese", hat Wort gehalten. Geboxt hat der sympathische Brandenburger mit Berliner Schnauze seither nicht mehr, doch am Samstag will er nach Oldenburg reisen, um die qualvolle Vergangenheit in Gestalt eines Brian Minto wieder lebendig werden zu lassen. Wenn Minto schlägt, spürt Schulz den Schmerz.
WBO-Cruisergewichts-Champion Huck ("Ich war damals ein großer Fan von Axel") hat Glück, dass er Zugpferd Schulz vor den Karren spannen kann. Denn Minto ist nicht der Rivale, der die Box-Fans in Entzücken versetzt. "Minto ist eher ein Schlacht-Opfer für Huck", sagt Box-Experte Jean-Marcel Nartz, einst bei Sauerland und Universum als Technischer Leiter aktiv. "Unter normalen Umständen ist der Kampf bis zur fünften Runde beendet."
Der 35-jährige Amerikaner hat sich vom Schwergewicht ins Cruisergewicht (bis 90 Kilogramm) gehungert. Zumeist geht der Masseverlust mit Substanzverlust einher. Bei seinem Abschied vom Schwergewicht vor knapp fünf Monaten setzte es eine K.o.-Niederlage gegen Landsmann Chris Arreola. In der leichteren Gewichtsklasse hofft der Amerikaner auf bessere Tage. "Ich habe alles getan, um Weltmeister zu werden", behauptet er. Dass er schon bei seiner Premiere gleich um eine WM kämpfen darf, gehört zu den Rätseln des Boxgeschäfts.
Noch nie konnte der Amerikaner, der normalerweise bei unterklassigen Veranstaltungen in der Provinz kämpft, um eine WM boxen. "Brian ist nicht hier, um zu verlieren", kündigte dessen Manager Pat Nelson an, "das wird ein offener Schlagabtausch, der die Fans begeistern wird." Minto, der erst mit 23 Jahren mit dem Boxen begonnen hat, ist zäh, unangenehm und immer auf dem Weg nach vorne. "Marco muss auf der Hut sein und auf eine sichere Deckung achten. Minto hat einen harten Schlag. Er darf nicht durchkommen", warnt Trainer Uli Wegner.
Huck, der von 29 Profi-Kämpfen 28 gewann, hat dafür nur ein gequältes Lächeln übrig. Der gebürtige Serbe mit deutschem Pass, der eigentlich Muamer Hukic heißt, sieht seinen WM-Gürtel nicht in Gefahr. "Er weiß nicht, was es heißt, mit mir im Ring zu stehen", erwidert der frühere Kick-Boxer Huck. Sowohl er als auch Minto sind für ungestümes Draufgänger-Boxen bekannt. Doch der Schützling von Trainer Wegner gilt als der Stabilere, Wuchtigere, der nicht auf Technik setzt, sondern seiner Kraft vertraut.
Wegner attestiert seinem 25 Jahre alten Schützling Fortschritte. "Er hat taktisch und vom Kopf her dazugelernt", meint der Coach, der am Montag seinen 68. Geburtstag beging. Nun hofft er, dass Huck besagte taktische Reife auch unter Wettkampfbedingungen unter Beweis stellt. Schließlich will er seinen Schützling in den Rundenpausen nicht wieder anschreien müssen. Wegner: "Manchmal muss ich ihn wachrütteln, damit er das macht, was ich ihm vorher gesagt habe."
Quelle: sid , dpa
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