05.11.2011, 18:34 Uhr
Stefan Bradl ist der erste deutsche Motorrad-Champion seit 18 Jahren. (Quelle: dapd)
Es ist offiziell: Stefan Bradl wurde bereits einen Tag vor dem Saisonfinale in Valencia zum Motorrad-Weltmeister in der Moto2-Klasse gekürt. Nachdem sein einzig verbliebener Rivale Marc Marquez wie angekündigt nicht am Qualifying teilnahm, ist Bradl der Titel nicht mehr zu nehmen. Damit hat Deutschland 18 Jahre nach dem WM-Triumph von Dirk Raudies in der 125er-Klasse wieder einen Motorrad-Weltmeister.
"Es ist jetzt zwar etwas unglücklich gelaufen, dass Marc nicht starten konnte", sagte Bradl dem TV-Sender Sport1. Doch die Freude über seinen ersten WM-Titel konnte das nicht trüben, auch wenn der 21-Jährige immer noch etwas ungläubig dreinschaute: "Ich muss das auch erst mal ein bisschen verdauen, Weltmeister zu sein."
Vor allem, dass er nun seinen Vater Helmut überflügelt hat, bedeutet dem neuen Weltmeister sehr viel. "Ich kann mich erinnern, dass ich jedes Mal, wenn ich nach meinem Ziel gefragt wurde, geantwortet habe: 'Ich will einen Platz besser sein als mein Papa.' Jetzt habe ich es in derselben Klasse geschafft. Das ist irgendwie unfassbar", sagte der Filius. Bradl Senior hatte es 1991 "nur" zum Vize-Weltmeister geschafft.
"Das Ziel ist erreicht und das ist ganz einfach megageil", sagte der frühere Vizeweltmeister. Der 49-Jährige verspürte neben aller Freude auch große Erleichterung: "Am Herzen fallen gerade große Brocken runter."
Bradl stattete auch seinem geschlagenen Rivalen Marquez einen Besuch in der Box ab. Der Spanier gratulierte fair und zollte Bradls Leistung Respekt. Marquez war vor zwei Wochen im freien Training zum Malaysia-Grand-Prix schwer gestürzt. Er klagte über Gleichgewichtsstörungen und konnte auf einem Auge nicht richtig sehen. Sein Team erklärte nach tagelangem Rätselraten den Verzicht auf das Qualifying. Dadurch war Marquez automatisch nicht für das Rennen startberechtigt.
Die Ungewissheit machte auch Bradl zu schaffen. "Die Spekulationen - startet er, startet er nicht? - haben so ein bisschen das Flair und mein Adrenalin herausgenommen." So richtig begreifen konnte er seinen Triumph dennoch nicht: "Wenn mich die Leute als Weltmeister ansprechen, muss ich mich erst daran gewöhnen."
Auch wenn Marquez mehr Rennen als Bradl gewonnen hat und durch sein Sturz-Pech zur tragischen Figur wurde, so ist der junge Deutsche ein würdiger Weltmeister. "Ich glaube, es war eine spannende Saison bis zum Schluss. Derjenige, der am meisten Punkte am Schluss hat, ist verdient Weltmeister geworden", sagte Bradl.
Die große WM-Feier muss aber warten, schließlich steht noch ein Rennen auf dem Programm. "Jetzt können wir auf ein Gläschen anstoßen, aber dann geht es früh ins Bett", sagte Bradl, der im Finale noch mal einen guten Job abliefern will: "Wenn's geht, will ich gewinnen."
Jahr | Fahrer | Klasse |
1953 | Werner Haas | bis 125 ccm/bis 250 ccm |
1954 | Werner Haas | bis 250ccm |
1955 | Hermann-Paul Müller | bis 250ccm |
1962 | Ernst Degner | bis 50ccm |
1966 | Hans-Georg Anscheidt | bis 50ccm |
1968 | Hans-Georg Anscheidt | bis 50ccm |
1970 | Dieter Braun | bis 125ccm |
1973 | Dieter Braun | bis 250ccm |
1980 | Anton Mang | bis 250ccm |
1981 | Anton Mang | bis 250ccm/bis 350ccm |
1982 | Anton Mang | bis 350ccm |
1987 | Anton Mang | bis 250ccm |
1993 | Dirk Raudies | bis 125ccm |
2011 | Stefan Bradl | Moto2 (ehemals bis 250ccm) |
Quelle: dapd
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