22.04.2011, 18:45 Uhr
Zwei, die sich nicht mögen: Christoph Daum (li.) und Uli Hoeneß. (Foto: imago, Kombo: t-online.de)
Die Bundesliga-Saison geht in die entscheidende Phase. In der Meisterschaft kann die Entscheidung fallen, im Kampf um die europäischen Plätze und den Abstieg zumindest richtungsweisende Ergebnisse erzielt werden. Und dann kommt es noch zu einem ganz besonderen Treffen zweier Streithähne: Christoph Daum trifft mit seiner Eintracht auf Uli Hoeneß und den FC Bayern München.
Der Trainer des abstiegsbedrohten Bundesligisten Eintracht Frankfurt sorgt weiter für Irritationen und will seinem Intimfeind Hoeneß vor dem Spiel gegen den Rekordmeister (ab 15.15 Uhr im t-online.de Live-Ticker) nun doch die Hand reichen. Dabei hatte der 57-Jährige erst zu Wochenbeginn erklärt, dass er mit dem Bayern-Präsidenten abgeschlossen habe und ihm aus dem Weg gehen will. "Ihn am Samstag zu begrüßen ist für mich eine Selbstverständlichkeit", sagte Daum.
Daum, der bis zum Hals im Abstiegskampf steckt, will trotz der prekären sportlichen Lage das Menschliche nicht vergessen. "Ich bin ein sehr toleranter und liebevoller Mensch und werde jeden mit dem entsprechenden Respekt begrüßen, auch ihn. Und wenn wir Werte wie Toleranz und Liebe wieder in den Mittelpunkt stellen, dann erfüllen wir einen wichtigen Beitrag und unsere Vorbildfunktion für die gesamte Gesellschaft", sagte Daum gewohnt pathetisch.
Wie es zu dem plötzlichen Sinneswandel kam, ließ der Zampano offen. Erst kürzlich hatte Daum erklärt, dass er Hoeneß weder die Hand geben noch mit ihm sprechen wolle. Schließlich hatte Hoeneß vor drei Wochen mit Blick auf die Kokain-Vergangenheit Daums gemutmaßt, Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen müsse bei der Verpflichtung des Star-Trainers "irgendein Pülverchen im Kaffee" gehabt haben.
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Ob Daums Nächstenliebe der Eintracht am Samstag gegen den Rekordmeister helfen wird, bleibt abzuwarten. Die Hessen brauchen unbedingt Punkte, um nicht noch weiter in den Abstiegsstrudel gerissen zu werden. "Wichtig ist, dass wir uns selbst Chancen herausspielen und uns nicht nur auf eine Abwehrschlacht einstellen. Ich habe unglaubliches Vertrauen in die Mannschaft", sagte Daum.
Doch auch die Bayern brauchen im Kampf um die Champions League dringend drei Zähler. Denn Hannover hat 96 hat durch den 3:1-Sieg beim SC Freiburg zumindest bis Samstag wieder den dritten Tabellenplatz geholt. "Jetzt haben die Bayern den Druck. Wir haben noch drei Spiele, da wollen wir das Maximale rausholen", sagte Trainer Mirko Slomka.
Die Himmelsstürmer aus Dortmund können im Idealfall am Samstag gegen 20.15 Uhr ihr Meisterstück feiern. Gewinnt der BVB bei Tabellenschlusslicht Mönchengladbach das Borussia-Duell und gewinnt Leverkusen vorher nicht gegen Hoffenheim, macht Trainer Jürgen Klopps Rasselbande den Triumph perfekt.
Doch Klopp warnte und reagierte mit Sondermaßnahmen auf die Situation. Die letzten Einheiten wurden zur Verschlusssache: "Geheimtraining" lautete das Zauberwort, mit dem der designierte Meistermacher die Euphorie im Umfeld in die richtigen Bahnen lenken wollte. Nicht nur Klopp, der auf Nuri Sahin verzichten muss, rechnet mit energischem Widerstand des potenziellen Absteigers. "Gladbach kämpft ums Überleben, da weiß man, was uns erwartet", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.
Doch Gänsehautstimmung wird nicht nur im Borussia-Park erzeugt: Schalke-Liebling Manuel Neuer muss sich im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern erstmals nach dem tränenreich verkündeten Abschied den Reaktionen seiner Fans stellen. "Ich hätte kein Verständnis für negative Kundgebungen. Dafür hat Manuel zu viel geleistet", sagte Trainer Ralf Rangnick.
Gefühlswallungen anderer Art sind garantiert, wenn der VfB Stuttgart zukunftssichernde Maßnahmen einleiten will - die Schwaben treffen mit Bruno Labbadia auf dessen früheren Arbeitgeber Hamburger SV. "Das habe ich abgehakt. Wir sind heiß - aber nicht, weil es gegen den HSV geht", sagte Labbadia, der vom HSV vor fast genau einem Jahr entlassen worden war. Die Stuttgarter könnten mit drei Punkten einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib machen.
Um nichts anderes als den Klassenerhalt geht es auch für den FC St. Pauli im Spiel gegen Werder Bremen. Die Statistik spricht aber gegen den Kiez-Verein: Werder hat siebenmal nicht verloren, die Gastgeber haben achtmal nicht gewonnen und warten seit über 33 Jahren auf das zweite Bundesliga-Erfolgserlebnis gegen Bremen. Trotzdem oder gerade deswegen will Holger Stanislawski noch nicht von einer entscheidenden Partie reden. "Das ist noch kein Endspiel", betonte der Bald-Hoffenheimer.
Quelle: t-online.de , dpa
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