17.03.2009, 10:35 Uhr
Uli Hoeneß spaltet mit seiner Idee wieder einmal die Nation. (Foto: imago)Der Vorschlag von Uli Hoeneß mit einer Art GEZ-Gebühr dem deutschen Fußball mehr TV-Einnahmen zu verschaffen, hat für mächtig Wirbel gesorgt. Es hagelte Proteste, aber es gab auch Zustimmung. Der erfahrene Manager des FC Bayern München des hat jedenfalls sein Ziel erreicht. Es wird in Deutschland wieder heftig diskutiert und über eine Alternative zum aktuellen Modell des Pay-TVs von Bezahlsender Premiere nachgedacht. Während die Fußballbranche Hoeneß unterstützt, hagelt es aus Nicht-Fußballer-Kreisen meist Kritik. Dabei störte Hoeneß insbesondere die Art und Weise der geäußerten Kritik.
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Hoeneß stellte in der "Wirtschaftswoche“ Überlegungen an, wie man den Vorsprung der internationalen Konkurrenz aus England oder Spanien aufholen könnte, und sagte: "Meine große Hoffnung ist, dass die Leute irgendwann bereit sind, zwei Euro im Monat für Fußball zu bezahlen." In der "Welt“ konkretisierte der 57-Jährige seine Idee. Für zwei Euro könne man alle Spiele live bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF übertragen. "Jeder, ich wiederhole, jeder könnte dann alle Spiele live, plus zeitversetzt, plus eventuell kostenfrei auf Abruf ansehen.“
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"Viele von uns Fans zahlen ja schon 30 Euro im Monat für das Premiere-Sportpaket. Wenn man es also schaffen würde, dass 35 Millionen Haushalte zwei Euro zahlen und dafür jeder Fußball satt sehen kann, fände ich das natürlich prima: Da spar’ ich 28 Euro pro Monat“, fand Hoeneß’ Vorschlag beim Präsidenten des Bayern-Fanclubs "13 Höslwanger“, Hansi Gehrlein, in der "Abendzeitung“ Zustimmung. Auch "Sponsor News“ Herausgeber Udo Kürbs kann der Idee etwas Positives abgewinnen. "Für die Sponsoren wäre es natürlich toll, wenn künftig alle Bundesligaspiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu empfangen wären. Die Sponsoren hätten so eine viel größere Plattform und könnten größere Reichweiten generieren.“
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Unterstützung erhielt Hoeneß auch von seinem Vorstandskollegen Karl-Heinz Rummenigge. "Ich finde den Ansatz grundsätzlich attraktiv. Denn man darf ja nicht vergessen, dass sich alle Welt immer darüber beklagt, der Fußball solle ja nicht zu sehr im Pay-TV landen“, sagte der Vereinsboss des FC Bayern in der "tz“. "Bei dieser Lösung von Uli Hoeneß wäre ja gewährleistet, dass er exklusiv im Free-TV landet.“
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Auf der Suche nach möglichen Maßnahmen, das Defizit bei den TV-Einnahmen im Vergleich zu den europäischen Nachbarn auszugleichen, sieht Rummenigge neben dem Hoeneß-Ansatz nur noch eine weitere Möglichkeit. "Die Alternative ist, dass wir das Pay-TV stark machen. Wenn diese Idee von Uli Hoeneß, die ja ganz klar pro Free-TV ist, politisch nicht machbar ist, geht es nur so. Denn eines ist doch völlig klar: Premiere hat jetzt 2,5 Millionen Abos. Wenn die irgendwann mal fünf oder sechs Millionen Abos haben, können sie der Bundesliga andere Beträge zahlen, als es im Moment möglich ist.“
Auch aus der Bundesliga erfährt Hoeneß grundsätzliche Zustimmung. BVB-Boss Joachim Watzke: „Es ist gut, dass Uli Hoeneß den Finger in die Wunde legt, denn wir haben eindeutig ein Fernsehgeld-Problem.“ Auch Heribert Bruchhagen sieht es ähnlich: „Als Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt stimme ich inhaltlich mit Uli Hoeneß überein. Ich verstehe aber auch die Gegenargumente.“ Dagegen sprechen sich Vertreter aus Nicht-Fußballer-Kreisen eindeutig gegen die Idee von Hoeneß aus.
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So ist der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Peter Danckert, gegen die Hoeneß-Idee. "Das ist ein völlig unrealistischer und irrwitziger Vorschlag, der so ganz sicher nicht verwirklicht wird. So sehr ich das Interview von Herrn Hoeneß in der "Wirtschaftswoche“ ansonsten für interessant und vernünftig halte, liegt er in diesem Punkt völlig neben der Spur. Man kann nicht jeden Gebührenzahler verpflichten, für den Fußball zu zahlen.“
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Martin Zeil, Bayerns Wirtschaftsminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat kann sich eine Gebührenerhöhung ebenfalls kaum vorstellen: "Mir war entgangen, dass der Fußball zu den notleidenden Branchen in Deutschland gehört. Ich meine, wir müssen in der jetzigen Situation alles zurückdrehen, was die Bürger belastet. Und außerdem mache ich mir um die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen und bayerischen Fußballs keine Sorgen. Wie heißt es immer: Geld schießt keine Tore.“
"Dieser Vorschlag ist völliger Quatsch. Der Fußball sollte insgesamt die Kosten drücken und nicht den einfachen Fan abzocken“, sagte SPD-Politiker Swen Schulz. Bei solchen Einwänden platzt Rummenigge der Kragen: "So etwas fordern aber immer wieder Leute, die das Geschäft nicht kennen. Wenn wir die Gehälter aber nach unten drehen, wandern die guten Spieler ins Ausland ab. Wer so etwas fordert, ist weit weg von der Wirklichkeit des Marktes." Auch für Hoeneß waren manche Statements nicht nachvollziehbar: "Ich habe mich wahnsinnig über viele Politiker geärgert, die ohne den leisesten Schimmer von einer Ahnung, um was es geht, erstmal dagegen sind...Das ist ja leicht in unserer Gesellschaft. Erstmal dagegen sein und alles besser wissen und nichts besser machen. Das ist unser Problem."
Quelle: t-online.de
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