Wahl zum Weltfussballer

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Matthäus: "Früher waren wir individueller"

Erschienen am 13. Januar 2009
Matthäus mit Ehefrau bei der Wahl des Weltfußballers. (Foto: Reuters)
Matthäus mit Ehefrau bei der Wahl des Weltfußballers. (Foto: Reuters) Vergrößern
Nach dem mäßigen Abschneiden deutscher Spieler bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres kritisiert Lothar Matthäus die Bundesliga. "In Deutschland wird der Fokus heute eher auf das Kollektiv gelegt", sagte der Rekordnationalspieler.

"Früher war das noch anders. Wir sind auch mal angeeckt, waren dadurch eben auch individueller", sagte Matthäus, der 1991 als erster Profi zum Weltfußballer gekürt worden war und bislang der einzige Deutsche mit Weltfußballerwürden ist. Bei den 18 Auflagen der FIFA-Wahl schafften es bislang überhaupt erst vier deutsche Spieler auf den roten Teppich, also in die engere Auswahl der besten fünf Kicker: Nach Matthäus noch Thomas Häßler, Jürgen Klinsmann und zuletzt Oliver Kahn im Jahr 2002.

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Frauen retten die deutsche Fußball-Ehre

Immerhin die deutschen Frauen waren auch 2009 wieder vertreten. Nadine Angerer wurde bei ihrem Gala-Debüt Vierte, Birgit Prinz war mit Platz zwei hinter der Brasilianerin Marta zufrieden - und eine der ganz wenigen, die nicht in die Jubelarien für Cristiano Ronaldo einstimmen wollte, der sich bei den Männern klar durchsetzte. "Mein Typ ist der nicht", sagte die Titelträgerin der Jahre 2003 bis 2005. Rein auf die fußballerischen Fähigkeiten bezogen schwärmte Franz Beckenbauer vom Dribbelkünstler, der Manchester United zur englischen Meisterschaft und zum Erfolg in der Champions League geführt hatte: "Er ist ein kompletter Spieler, hat eine ungeheuere Dynamik. Er ist ein verdienter Sieger."

"Die Welt liegt Ronaldo zu Füßen"

Die Weltpresse verneigte sich ebenso vor dem Fußball-Beau, der mit 23 Jahren zweitjüngster Sieger nach seinem Namensvetter Ronaldo und der erste aus der englischen Premier League ist. "Immer wieder Ronaldo. Die Welt liegt ihm zu Füßen", schrieb die italienische "Gazetta dello Sport". In England titelte der "Daily Mirror": "Ronaldo der Große. Cristiano, die unbesiegbare Nummer Eins", und selbst die seriöse "Times" verkündete: "Welt-Herrschaft: Pelé krönt Ronaldo zum Top-Spieler des Planeten".

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Spanier sehen Messi vorne

Leise Kritik am Wahlergebnis wurde in Spanien laut. "Es gewann der Schönste, nicht der Beste. Bei der FIFA zählen das Marketing und das Geld mehr als die fußballerische Klasse eines Leo Messi", schrieb "Sport". Argentiniens größte Sportzeitung "Olé" tröstete den Dribbler vom FC Barcelona und machte ihm Mut für 2009: "Warte noch ein Jährchen".

"Alle Fünf hätten den Preis verdient"

Titelträger Ronaldo zeigte sich ungewohnt sentimental, als ihm der große Pélé die Trophäe für den besten Spieler der Welt überreichte. Keine Spur mehr vom Macho aus Madeira, der Fußball-Cowboy kämpfte mit den Tränen. "Das ist einer der wichtigsten Momente in meinem Leben. Ich habe selten so etwas Überwältigendes erlebt", sagte der von der FIFA zum Weltfußballer des Jahres 2008 gekürte Portugiese und widmete den Titel seiner Familie. Der größte Augenblick seiner Karriere machte den Mittelfeldflitzer von Manchester United ganz weich und ungewohnt kollegial. "Alle Fünf hätten diesen Preis verdient gehabt", sagte er zu seinen geschlagenen Final-Konkurrenten Lionel Messi, Fernando Torres, Kaká und Xavi.

Mongolei stimmt für Ballack

Brave Komplimente an deutsche Kollegen musste Cristiano Ronaldo nicht machen. Zum sechsten Mal in Serie hatte es kein Spieler aus dem Land des Vize-Europameisters zur festlichen Endausscheidung ins Zürcher Opernhaus geschafft. Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack - einziger DFB-Akteur im Kreis der nominierten 23 - kam wie im Vorjahr Miroslav Klose abgeschlagen auf Platz 14. Seine meisten Stimmen erhielt der Chelsea-Profi aus der Mongolei und aus Sri Lanka. Aserbaidschans deutscher Nationaltrainer Berti Vogts setzte Ballack auf Platz drei.

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Quelle: dpa
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