31.08.2011, 14:13 Uhr
Caster Semenya ist bereit für die Kraftprobe. (Quelle: imago)
Aus Südafrika kommt die nächste große Story der Leichtathletik-WM. Caster Semenya, die umstrittene Weltmeisterin über 800 Meter von Berlin, startet in Daegu ihr WM-Comeback. Nach "Blade Runner" Oscar Pistorius, der auf seinen Karbon-Prothesen mit rennen durfte, und dem kapitalen Fehlstart von Supersprinter Usain Bolt richten sich alle Augen auf die Rückkehr der flinken Läuferin.
Schon im Vorlauf schauen viele genau hin: Wie ist ihre Form? Ist sie nervös? Kann sie wieder Gold holen? Wohl kaum. Zuletzt machte der 20-Jährigen eine Rückenverletzung zu schaffen, sie zählt nicht zum Favoritenkreis.
Doch die sportliche Leistung ist nur Nebensache. Noch immer dominiert die Geschlechterfrage. "Sie war immer startberechtigt. Als Athletin ist sie uns genauso willkommen wie alle anderen", sagt Helmut Digel, deutsches Council-Mitglied des Weltverbandes IAAF. Die Weltmeisterin steht seit ihrem Berlin-Trauma, das sie wohl nie richtig verarbeiten wird, enorm unter Druck.
Bei der WM in Deutschland war von den Funktionären ein Geschlechtstest für die arglose Leichtathletin angeordnet worden, noch bevor die damals 18-Jährige im Finale in der Weltklassezeit von 1:55,45 Minuten die Goldmedaille holte. Ihre männliche Erscheinung hatte viele Blicke auf sie gelenkt - Fragen kamen auf. Gerüchte. Zweifel. Der Fall löste einen sportpolitischen, juristischen und ethischen Konflikt aus.
Semenya tauchte ab - und erst Mitte Juli 2010 in Finnlands Wäldern bei einem Meeting in Lappeenranta wieder auf. Nur sechs 800-Meter-Rennen bestritt sie im Vorjahr, in der WM-Saison schon wieder 13.
Vor dem Comeback in Südkorea hat sich Semenya abgeschottet und seit WM-Beginn keine Interviews mehr gegeben. Die Problematik sei "natürlich nicht aus der Welt. Ich vermute, dass es für Caster Semenya nicht ganz einfach sein wird. Sie ist weiterhin gut beraten, zu den Dingen nicht Stellung zu nehmen", empfiehlt Digel.
Den ersten Weltmeistertitel für die deutsche Mannschaft gewann Diskuswerfer Robert Harting. zum Video
Medien in Südafrika hatten kurz vor der WM Zweifel an der Form der Mittelstrecken-Läuferin aufkommen lassen, ihr Management sah sich zu einer Klarstellung genötigt: "Die jüngsten Medienberichte, dass Caster Semenya nicht bereit ist, ihren 800-Meter-Weltmeistertitel zu verteidigen, sind unwahr." Diese Gerüchte sollen sie nur entmutigen und von ihrer Gold-Mission ablenken.
Die IAAF musste nach dem Fall reagieren - und preschte dann sogar vor: Als erster internationaler Sportverband führte die IAAF eine Bestimmung für Athletinnen mit einer Überproduktion männlicher Hormone ein. Die Regel für den sogenannten Hyperandrogenismus ist seit dem 1. Mai für alle internationalen Wettkämpfe gültig.
Quelle: t-online.de , dpa
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