19.08.2009, 18:48 Uhr
Caster Semenya wirft Zweifel an ihrem Geschlecht auf. (Foto: AP)Die südafrikanische 800-Meter-Siegerin Caster Semenya muss sich auf Veranlassung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF einem Geschlechts-Test unterziehen. Zweifel, ob die 18-Jährige eine Frau ist, waren wegen ihrer männlichen Erscheinung aufgetreten.
Die Ergebnisse der genetischen Untersuchung sollen innerhalb einer Woche vorliegen. Caster Semenya war vor drei Wochen aus dem Nichts kommend mit einer Zeit von 1:56,72 Minuten Weltjahresbestzeit gelaufen und hat bei der WM in Berlin das 800-Meter-Finalemit Vorsprung gewonnen.
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"Wir haben keine Beweise, um ihr einen Start nicht zu erlauben", hatte IAAF-Sprecher Nick Davies vor dem Finallauf gesagt. "Wir warten auf das Ergebnis der Untersuchung. Es wäre falsch, sie nicht laufen zu lassen." Der südafrikanische Leichtathletik-Verband ließ mitteilen, dass es keinen Grund für den Verdacht gebe, dass Semenya ein Mann sei.
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"Wir haben den Aspekt der Diskriminierung zu beachten", sagte IAAF-Councilmitglied Helmut Digel. "Es stehen aber bei Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften Vermutungen im Raum, dass Manipulation in dieser Richtung staatlicherseits begünstigt werden." Dies passiere besonders in Entwicklungsländern. Digel betonte aber: "Wir müssen uns an die Regeln halten und auch den Athleten schützen."
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In der Vergangenheit gab es wiederholt Fälle, bei denen Tests zu Tage förderten, dass Männer unwissentlich als Frauen an den Start gingen. Die als Polin geborene Amerikanerin Stella Walsh etwa holte über 100 Meter 1932 in Los Angeles Olympiagold und vier Jahre später in Berlin Silber. Als sie 1980 bei einem Überfall erschossen wurde, stellte sich heraus, dass Walsh männliche Geschlechtsorgane hatte.
Bei den Asienspielen 2006 in Doha musste die indische Leichtathletin Santhi Soundarajan ihre 800-Meter-Silbermedaille wieder abgeben, nachdem bei einem Geschlechtstest herausgekommen war, dass sie von der Chromosomen-Konstellation her männlich ist. Anschließend versuchte Soundarajan, sich das Leben zu nehmen.
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Normalerweise weisen Frauen zwei X-Chromosomen (XX) in ihren Zellen auf, Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY). Manche mit einem Y-Chromosom geborenen Menschen entwickeln alle körperlich charakteristischen Merkmale einer Frau - ausgenommen der inneren Sexual-Organe. Sie leiden unter dem Androgen Insuffizienz Syndrom (AIS). Diese Frauen sind XY, allerdings kein Mann, weil ihr Körper nicht auf das produzierte Testosteron reagiert. Deshalb dürften sie auch bei den Frauen starten. Sieben der acht Frauen, die 1996 bei Olympia in Atlanta positiv auf Y-Chromosomen getestet wurden, hatten AIS und durften teilnehmen.
Das Internationale Olympische Komitee hatte 1968 eine umstrittene "Gender Verification" (Geschlechtstest) als verbindlich eingeführt, vor den Sommerspielen 2000 in Sydney jedoch wieder abgeschafft und sieht sie mittlerweile nur noch in strittigen Fällen vor. Auch die IAAF hat ihre Tests abgeschafft.
Quelle: dpa , sid
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