21.08.2008, 12:14 Uhr
Peking hat Maßstäbe gesetzt, die schwer zu übertreffen sein werden. (Foto: ddp)Chicago, Madrid, Rio de Janeiro und Tokio geben sich größte Mühe, in Peking Argumente zu finden, warum das Internationale Olympische Komitee (IOC) sie am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen zur Olympia-Stadt 2016 wählen soll. Brasiliens Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva ging bei seiner Stippvisite in Chinas Metropole so weit zu behaupten: "Als Gott die Welt erschuf, bereitete er Rio auf die Spiele vor."
Staunend verfolgt das Kandidaten-Quartett die chinesischen Super-Spiele - und zieht daraus die Konsequenz: "Da können wir nicht mithalten. Keiner sollte versuchen, Peking übertreffen zu wollen."
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Das sagt Chicagos Bürgermeister Richard Daley, er spricht dabei auch für seine Konkurrenten. Für sie ist Peking nicht nur eine Studienplatz für olympische Organisation, sondern die einzige Möglichkeiten vor dem Kopenhagen-Treff, bei den IOC-Mitgliedern auf Stimmenfang zu gehen. Das feine Beijing Hotel, wo sich die Olympier niedergelassen haben, wirkt dabei wie ein Marktplatz. "Du kannst gar nicht anders, als auf ein IOC-Mitglied zu treffen. Jeder ist ein potenzieller Wähler", sagt der Amerikaner Bob Ctvrtlik, selbst einer von 115 olympisch Auserwählten.
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Chicago wirbt indirekt mit Gegenspielen und möchte die Goldmedaille fürs Geldausgeben gern Peking überlassen. "Unser Konzept ist ganz anders. Unser Geld kommt vom privaten Sektor, nicht vom Steuerzahler", sagt Daley und meint damit besonders das mit 670 Millionen Euro veranschlagte olympische Dorf und die zwölf neuen, teilweise temporären Wettkampfstätten für 600 Millionen Euro. Zu Chicagos Trümpfen soll neben Basketball-Legende Michael Jordan vor allem Barack Obama werden. Der Demokrat hat bereits seine Bereitschaft bekundet, für den Fall seiner Präsidentenwahl für Chicago in Kopenhagen in den Ring zu steigen. Unter George W. Bush war der Anti-Amerikanismus im IOC so stark geworden, dass New York vor drei Jahren bei der Wahl um die Spiele 2012 nur einen blamablen vierten Platz belegt hatte.
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Madrid ist mit einem Video unter dem Titel "Hola Everyone" (Jeder ist Willkommen) angereist und versichert in Person des Sohns des ehemaligen Präsidenten Juan Antonio Samaranch jr. :"Das ist keine Reaktion auf Peking." Nach den "chinesischen Spielen und den angelsächsischen Spielen in London ist es zur Internationalisierung das Beste, wenn es Latino-Spiele gibt", behauptet Madrids Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardo. Rios Bewerbungschef Carlos Arthur Nuzman hätte auch nichts gegen Latino-Spiele, allerdings in Brasilien: "Südamerika hatte noch nie die Spiele, es benötigt sie und hat sie auch verdient."
Tokio hält sich beim Kampf, der hinter den olympischen Kulissen in Peking tobt, ziemlich bedeckt und versucht, den Vorsprung seiner Kompaktbewerbung am Wasser noch auszubauen. "Wir stehen voll unter Dampf, um unser Angebot an das IOC noch zu optimieren", sagt Bewerbungschef Ichiro Kono. Bei der Vorausscheidung im Juni hatten die IOC-Prüfer Japans Metropole auf Platz eins gesetzt vor Madrid und den gleichauf liegenden Chicago und Rio de Janeiro. Bis zum 12. Januar müssen die endgültigen Bewerbungsunterlagen beim IOC sein. Danach folgt die Prüfung vor Ort, ehe am 2. Oktober in Kopenhagen die Sunde der Wahrheit schlägt.
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Quelle: dpa
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