01.12.2009, 12:27 Uhr
Sieht sich vom CAS benachteiligt: Claudia Pechstein (Foto: dpa)Der Darmstädter Anti-Doping-Experte Klaus Pöttgen hat aus medizinischer Sicht erhebliche Zweifel am CAS-Urteil zum Fall der Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein geäußert. "Ich denke, in der Entscheidung gegen die Athletin ist in der ursprünglichen Begründung der Sperre der wissenschaftlichen Basis die Grundlage entzogen worden", erklärte Pöttgen in einem Interview der "Frankfurter Rundschau".
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Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS gehe laut Pöttgen im Grunde nur auf den mangelnden Nachweis einer Normvariante oder einer Erkrankung ein und habe zudem die Gutachten von Walter Schmidt und Rasmus Damsgaard nicht berücksichtigt. Professor Schmidt von der Uni Bayreuth komme in seinem Gutachten zu dem Schluss, dass die Zellunterfraktionen nicht zu EPO-Doping oder einer EPO-stimulierenden Substanz passen. "Hätte man die Daten in den beim Radsport-Weltverband UCI gültigen Blutpass eingespeist, hätten die Experten hier wahrscheinlich nicht einmal ein Verfahren eröffnet", sagte Pöttgen.
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"Bluttransfusionen kommen bei diesen Blutbildern ohnehin nicht infrage, da sie die Retikulozyten senken. Ich denke, dass Kritiker wie Fritz Sörgel und Werner Franke bei Einsicht aller Unterlagen auch Zweifel hegen würden", fügte der Experte hinzu. "Ich bin nicht derjenige, der Pechstein verteidigt. Und auch kein Jurist. Aber aus medizinischer Sicht bestehen sehr große Zweifel. Es muss beim indirekten Nachweis klar sein, durch welche Substanz oder Manipulation ein solches Bild entstehen könnte. Hier sind für eine Sanktion Ross und Reiter nicht nennbar", erklärte Pöttgen.
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Im Gegensatz dazu hatte tags zuvor Professor Martin Nolte von von einem "wasserdichten" Urteil des CAS gesprochen. Kein staatliches Gericht "hätte es vermutlich besser gemacht", erklärte der Kieler Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. Ein "wasserdichtes Urteil" sei nur möglich, wenn man "Befunde und Erkenntnisse in der Urteilsbegründung entweder völlig unberücksichtigt lässt, sie halbwahr wiedergibt oder ihnen eine bestenfalls nebensächliche Bedeutung beimisst. Und wenn man als Richter selbst Wissenschaftler spielt", hatte Pechstein dazu erklärt.
Quelle: dpa
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