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Das Rassismus-Problem der Premier League

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Das Rassismus-Problem der Premier League

09.02.2012, 21:35 Uhr

John Terry soll einen Gegenspieler rassistisch beleidigt haben. (Quelle: imago)

John Terry soll einen Gegenspieler rassistisch beleidigt haben. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Die Themen zur Wochenmitte im englischen Fußball: Zwei Jugendliche, die Newcastles schwarzen Stürmer Sammy Ameobi rassistisch auf Twitter beleidigten, wurden von der Polizei verwarnt. Manchester Uniteds Patrice Evra muss sich überlegen, ob er vor dem Schlagerspiel am Samstag dem Liverpooler Angreifer Luis Suárez die Hand reichen oder verweigern soll – Suárez soll ihn beim letzten Aufeinandertreffen rassistisch beleidigt haben.

Und, natürlich, die Top-News: Die Ära von Nationaltrainer Fabio Capello ist zu Ende. Er hatte sich bis zuletzt vor seinen Kapitän John Terry gestellt, den der Fußballverband FA jedoch abberief – wegen des Verdacht der rassistischen Beleidigung gegenüber Anton Ferdinand von den Queens Park Rangers.

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"Ich verstehe nicht, wo das wieder herkommt"

Ein Gespenst geht um im englischen Fußball, es kommt aus dunkleren Tagen und es war schon für längst überwunden gehalten. "Im Jahr 2012, das ist unglaublich", sagt Sir Alex Ferguson. Auf einmal vergeht kaum ein Spieltag, nach dem es nicht in irgendeiner Form über Rassismus gesprochen werden muss. Spieler wie Evra und Ferdinand, die Vorfälle öffentlich gemacht haben, bekommen Morddrohungen. Und nicht nur Ferguson wundert sich: "Ich verstehe nicht, wo das wieder herkommt, ich verstehe es einfach nicht." Tatsächlich hat der englische Fußball seit den 1990er Jahren in aller Entschlossenheit und mit großem Erfolg den Rassismus in den Stadien bekämpft. Entgegen der bedauerlichen Praxis in Europas Süden und (auch Deutschlands) Osten wurden fremdenfeindliche Zwischenfälle nicht ignoriert oder verharmlost, sondern hart verfolgt, insbesondere mit Stadionverboten. Die tolerante, multikulturelle britische Gesellschaft besetzte die Tribünen, auf denen einst die Hooligans herrschten.

Und das ist ja auch das Kuriose an der momentanen Lage. Das Comeback des Rassismus kommt ursprünglich nicht von den Tribünen. Es kommt von dort, wo man es am wenigsten vermutet hätte, von dort, wo in zahllosen Kampagnen ein respektvolles Miteinander besonders eingefordert wurde. Es kommt: direkt vom Platz.

Die Renaissance des Rassismus

Wer nach dem genauen Zeitpunkt fahndet, landet in einer Woche im Oktober. Beim Spiel zwischen Liverpool und United gab es eine verbale Konfrontation zwischen dem Uruguayer Suárez und dem Franzosen Evra, die sichtbar nicht in Freundschaft geführt wurde – nach dem Match ging Evra mit seinem Trainer Ferguson zur Spielleitung und meldete, er sei von Suárez wiederholt als "Neger" verunglimpft worden.

Einen Spieltag später gerieten beim Besuch von Chelsea bei den Queens Park Rangers der – weiße – Engländer Terry und der – schwarze – Engländer Ferdinand aneinander. Dabei soll, folgt man der herrschenden Meinung unter Lippenlesern, der Nationalmannschafts-Kapitän den jüngeren Bruder seines Nationalmannschafts-Vizekapitäns Rio Ferdinand als "verf***** schwarze F****" beschimpft haben. Nach Anzeige durch einen Zuschauer nahm die Polizei Ermittlungen auf.

Nur Trash Talk?

Suárez  in Teilen und Terry rundheraus bestreiten die Anschuldigungen bis heute, aber sie waren nun einmal in der Welt – und spalteten die scheinbar einige Front gegen den Rassismus. Ein Teil der Öffentlichkeit zeigte sich entsetzt über die Worte der Spieler, ein anderer tat sie als fußballtypischen Trash Talk ab. Entlang der Vereinslinien setzten Solidarisierungseffekte ein, wobei besonders der FC Liverpool eine umstrittene Rolle spielte. Als Suárez auf Grundlage von Evras Vorwürfen für acht Spiele gesperrt wurde, deutete der Klub seinen Stürmer zum Opfer um. Die folgende "Wir-sind-alle-Suárez"–Rhetorik war als Unterstützung gemeint für einen Spieler, an dessen Unschuld man glaubte. Aber sie kam bei vielen anders an – so als ob Liverpool weniger in Suárez’ Verhalten ein Problem sehe als in Evras Denunziation.

Die für sich genommen nicht ganz unberechtigte Klage über das hohe Strafmaß in einem Verfahren, bei dem Aussage gegen Aussage stand, spielte damit jenen in die Karten, die Sensibilität gegen Rassismus generell als übertriebene Political Correctness abtun. Und plötzlich ist die Pandora-Büchse geöffnet. Nach wie vor eher vereinzelt, nach wie vor nicht vergleichbar mit vielen anderen Ländern, aber doch deutlich vernehmbar waren in den letzten Wochen rassistische Tribünenlaute zu hören, werden in Fanforen und anonymen Schreiben rassistische Tiraden verfasst. Und das erschreckt inzwischen auch diejenigen, die das Theater um Suárez und Terry anfangs für übertrieben hielten.

Null-Toleranz-Politik

Die FA verfolgt ihre Null-Toleranz-Politik vor diesem Hintergrund umso entschlossener. Weil der Gerichtstermin für John Terry erst wenige Tage nach dem Ende der EM in Polen und der Ukraine angesetzt ist, entzog sie dem Verteidiger die Binde. Der Verdacht und die negative Publicity, die der Fall mit sich bringt, erschienen ihr Motiv genug. Als Capello mit dem Prinzip der Unschuldsvermutung dagegen hielt, erfuhr er dafür null Verständnis. Der Verband bestellte ihn zum Rapport, wo Capello, seiner Autorität beraubt, von sich aus den Rücktritt erklärte. Fürs erste übertüncht jetzt die Suche nach einem neuen Nationaltrainer die zwischenmenschlichen Probleme in der Liga.

Dabei folgt am Samstag mit dem Rückspiel zwischen United und Liverpool der nächste Gipfel der Anspannung. Súarez Sperre ist seit einer Woche abgelaufen, und beide Seiten scheinen eher wenig an Deeskalation interessiert. "Wir finden, er hätte nie weg sein sollen", unterstrich Liverpools Trainer Kenny Dalglish noch einmal, während United-Star Wayne Rooney über Twitter eine Rote Karte für Suárez forderte, als dieser am Montag gegen Tottenham sein hohes Bein in einen gegnerischen Magen rammte. Suárez selbst betonte, sich nach wie vor für nichts entschuldigen zu müssen.

Handschlag soll Frieden bringen

Als sich Chelsea und Queens Park vor ein paar Wochen im Pokal begegneten, sagte der Verband die obligatorische Handschlag-Prozedur vor Spielbeginn ab, weil QPR-Akteure angekündigt hatten, John Terry dabei zu übergehen. Am Samstag in Old Trafford allerdings soll das Handshake stattfinden, und wahrscheinlich ist die Empfehlung des alten, weisen Ferguson nicht das Schlechteste. Evra solle Suárez zeigen, dass er über der Polemik stehe, sagte der Trainer. Und ihm die Hand geben.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (17)

zum Forum

Thema: "Das Rassismus-Problem der Premier League"

fcbfan schrieb: am 10. Februar 2012 um 20:01:14
(8) (6) @human
das stimmt teil weise es ist wirklich nicht so das man jede relligion jedes aussehen /hautfarbe ,sexualität oder nationaltität
tollerieren kann dafür stekt zuviel rassismus in jedem MENSCHEN auf diesem planet allerdings kann man das unter drücken und muss es nich öffentlich machen ich gebe zu ich hab auch manchma was gegen andere '' das liegt dann aber nicht an der relligion oder hautfarbe sondern weil die auch so dumm sind
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human schrieb: am 10. Februar 2012 um 19:29:24
(20) (12) Rassismus
Warum in andere Länder schauen und selbstgerecht richten. Deutschland stinkt vor lauter Rassismus. Da braucht man nicht mal
Migrant sein, nein man muss nur im Norden, Süden, Osten oder Westen leben. Das reicht eigentlich schon für Rassismus. Auf gar keinen Fall als Fussballer in den verhassten verfeindeten Verein wechseln.
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Pfälzer schrieb: am 10. Februar 2012 um 17:26:02
(6) (4) Rassismus
zu "Weltbürger": Sie mögen manches haben, aber keine Ahnung von Religion. sonst würden Sie so einen Stuss nicht schreiben.

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