07.04.2009, 07:51 Uhr
Wen und in welchem Umfang die fünf Trainer gedopt haben, verrieten sie nicht (Foto: imago)Historische Wende in der Dauer-Kontroverse um den Umgang mit Trainern mit DDR-Dopingvergangenheit: Fünf Bundestrainer aus der Leichtathletik haben sich zu ihren Verfehlungen im Dopingsystem der DDR bekannt, Reue gezeigt und versichert, nach der Wende 1989 einen Sinneswandel durchlebt zu haben. Ihre Offensive könnte 20 Jahre nach dem Mauerfall Signalwirkung für den gesamten deutschen Sport haben und auch anderen eine zweite Chance eröffnen.
Rainer Pottel (Mehrkampf, Sprung), Gerhard Böttcher (Diskus), Maria Ritschel (Speerwurf), Klaus Schneider (Kugelstoßen) sowie Klaus Baarck (Siebenkampf) versicherten mit ihren Unterschriften zugleich, nun für einen sauberen Sport einzutreten.
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Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüßte die Geständnisse. Sie seien ein "Signal für die Übernahme von Mitverantwortung für das seinerzeitige systembedingte Doping und ein Beitrag zum Dialog mit den Opfern", hieß es in einer Pressemitteilung. "Auf dieser Basis kann den betreffenden Trainern eine neue Chance eingeräumt werden", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach, dessen Präsidium die von den DDR-Dopingopfern heftig kritisierte Erklärung bereits gebilligt hat.
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Das Papier sei kein Ersatz für die grundlegende Aufarbeitung von Doping in Ost und West vor 1990, meinte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): "Aber es ist ein wichtiger und richtiger Schritt, um ein nicht aufgearbeitetes Kapitel der deutschen Sportgeschichte aufzubrechen."
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In der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verbreiteten Erklärung bezeichnen die Trainer den Einsatz von Dopingmitteln trotz des systembedingten Drucks "aus heutiger Sicht als Fehler": "Soweit die Sportler durch den Einsatz von Dopingmitteln gesundheitliche Schäden davon getragen haben sollten, sind wir tief betroffen und bedauern dies sehr. Die daran beteiligten Trainer entschuldigen sich ausdrücklich dafür."
Damit ist für das Quintett der Weg zu einer Weiterbeschäftigung beim DLV frei. Der DOSB hat bereits zugestimmt. Und auch aus dem Bundesinnenministerium, das die jährliche Spitzensportförderung aus Steuergeldern bereitstellt, will sich nicht querstellen. "Ich sehe keine Veranlassung zu einer anderen Entscheidung", sagte Schäuble.
Nicht zu den Unterzeichnern der Erklärung gehört der vom DLV wegen seiner Dopingvergangenheit entlassene Berliner Coach Werner Goldmann, dessen Fall die Offensive ins Rollen gebracht hat. Er klagt vor dem Arbeitsgericht Darmstadt auf Weiterbeschäftigung. Die für Donnerstag angesetzte Verhandlung wurde allerdings auf einen unbestimmten Termin verschoben.
"Ich denke, dass diese Lösung nicht auf die Leichtathletik beschränkt sein muss", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bereits in der vergangenen Woche. Die unabhängige Dopingkommission unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D. Udo Steiner hatte dem DOSB-Präsidium empfohlen, die Erklärung zu akzeptieren
Quelle: sid
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