02.07.2010, 14:38 Uhr | sid, dpa
Treffen die Kassel Huskies auch in der Saison 2010/11 in der DEL auf die Frankfurt Lions? (Foto: imago)
Neue Hoffnung für die Kassel Huskies und die Frankfurt Lions. Die Gesellschafterversammlung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hat die Entscheidung über den Ausschluss der beiden Klubs als Gesellschafter vertagt. Die Lizenzverweigerung für die Huskies und die Lions wurden hingegen bestätigt. Allen anderen Antragstellern, darunter auch Zweitligameister EHC München, wurde die Lizenz erteilt.
"Ob Kassel oder Frankfurt in der kommenden Saison spielen dürfen oder nicht, ist noch nicht klar", sagte der stellvertretende DEL-Aufsichtsratsvorsitzende Wilfried Fabel. Der Lizenzstreit dürfte nun entweder vor einem Schiedsgericht oder einem ordentlichen Gericht fortgesetzt werden. Doch Fabel warnte vor weitreichenden Folgen bei einer Niederlage für die DEL: "Die Folgen wären für alle Sportarten deutlich spürbar und hätten Ausmaße wie damals das Bosman-Urteil."
Zuvor hatten die Kasseler den Klubchefs eine Einstweilige Verfügung durch eine Gerichtsvollzieherin zukommen lassen, die ihnen unter Androhung einer Geldstrafe in Höhe von 250.000 Euro einen Ausschluss der Huskies als Gesellschafter untersagt. Eine ähnliche Verfügung durch das Landgericht Köln hatten die Huskies bereits bei der Gesellschafterversammlung am 27. Mai vorgebracht. Dennoch wurde ihnen am Mittwochabend per Fax von der DEL mitgeteilt, dass sie die Lizenz für die kommende Saison nicht erhalten werden.
Gespräche über einen Kompromiss waren im Vorfeld gescheitert. Im Kern des Streits geht es um die Frage, ob ein Klub, der wie die Huskies ein Insolvenzverfahren eröffnet hat, die Lizenz erhalten darf oder nicht. Die DEL schließt dies aus und stützt sich dabei auf ihre Statuten. Kassel argumentiert, man habe sich im Zuge des Insolvenzverfahrens saniert und sei lizenzwürdig. Man habe den Huskies angeboten, das Thema vor dem DEL-Schiedsgericht zeitnah und verbindlich zu klären. "Dies wurde von den Kassel Huskies abgelehnt", heißt es in einer Stellungnahme der Liga. Huskies-Boss Fritz Westhelle dagegen betonte, man unterwerfe sich nur dem Urteil eines Schiedsgerichts, das ausgewogener besetzt ist - oder man ziehe vor ein ordentliches Gericht.
Ob ein Kompromiss noch zustande kommen kann, scheint fraglich. Westhelle hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Seiner Meinung nach hätten DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und Fabel vertrauliche Geschäftsunterlagen an andere Klubs weitergegeben. "Damit ist eine neue Qualität erreicht. Das ist strafbar. Da muss es bei der DEL Rücktritte geben", sagte Westhelle. DEL-Aufsichtsratsmitglied Fabel reagierte ungehalten: "Da ist wohl jemandem die Hitze ins Gehirn gestiegen."
Zwei Monate vor Saisonbeginn ist der Spielplan damit genauso unsicher wie die Frage, ob mit dem angestrebten Schrumpfen von 15 auf 14 Klubs auch eine Verkürzung der quälend langen Vorrunde von bisher 56 Spielen einher geht. "Für strukturelle Debatten hatten wir keine Zeit", erklärte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Dem Funktionär ist durchaus klar, dass das positive Bild konterkariert wird, das die Nationalmannschaft mit dem vierten Platz bei der Heim-WM und dem größten Erfolg seit 57 Jahren gezeichnet hatte. "Ein möglicher Imageschaden war heute kein Thema. Klar ist aber auch, dass diese Lizenzentzüge keine schönen Nachrichten sind", sagte Tripcke.
Auch der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) ist besorgt um die Außenwirkung ihrer Sportart. "Man kann nur hoffen, dass die DEL ihre Probleme schnellstmöglich in den Griff bekommt und der Sport wieder in den Vordergrund rückt", sagte Sportdirektor Franz Reindl. Auch DEB-Präsident Uwe Harnos ist unglücklich über die Entwicklungen: "Die Dinge, die da ablaufen, sind nicht schön. Aber es ist nicht die Zeit, mit dem Finger auf andere zu zeigen."
Zufriedenheit gab es in München über die Lizenzerteilung. "Ich bin sehr glücklich, dass dieser Schritt nun vollendet wurde. Wir werden alles daran setzen, uns in der DEL zu etablieren", sagte Manager Christian Winkler zu der Aufnahme, die wegen verpasster formaler Fristen lange unsicher war. Ebenfalls dabei sind der deutsche Meister Hannover Scorpions, die Kölner Haie, die Krefeld Pinguine, die Hamburg Freezers und die Eisbären Berlin, die allesamt ihre Auflagen erfüllen konnten.
Quelle: sid , dpa
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