17.05.2008, 12:24 Uhr
Tim Montgomery blickt in eine düstere Zukunft. (Foto: imago)Das Bild ging um die Welt. Tim Montgomery kniet neben einer Anzeigetafel, auf der die Zahl "9.78" aufleuchtet. An diesem 14. September 2002 war Montgomery auf dem Höhepunkt seiner Karriere, er hatte in Paris einen neuen Weltrekord über 100 Meter aufgestellt. Vom einstigen Ruhm ist nichts mehr übrig, Montgomery ist ganz unten angekommen. Ein Gericht in New York verurteilte den ehemaligen Sprinter wegen Geldwäsche und Scheckbetrugs zu 46 Monaten Haft.
VerhaftungMontgomery des Heroin-Handels verdächtigt
Montgomery hatte bereits im April 2007 zugegeben, an der Straftat aus dem Jahr 2006 beteiligt gewesen zu sein. Nun verfolgte er die Urteilsverkündung mit hängendem Kopf und sagte: "Ich hatte in meinem Leben alles, was ich haben wollte. Ich stand an der Spitze. Jetzt hingegen sitze ich mit Mördern und Pädophilen in einer Zelle." Der 33-Jährige sitzt seit dem 30. April in Portsmouth/Virgina in Haft. Ihm wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr mit mehr als 100 Gramm Heroin gehandelt zu haben. Wegen dieses Vorwurfs muss er sich im Juli vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihm laut Gesetz mindestens weitere fünf Jahre Gefängnis.
Im Geldwäsche- und Scheckbetrugs-Prozess hatte Montgomery laut Staatsanwaltschaft gefälschte Papiere im Wert von 1,1 Millionen Euro bei verschiedenen Banken deponiert. Einer der Mittäter war sein früherer Trainer Steve Riddick, der bereits eine fünfjährige Haftstrafe absitzt. Montgomerys frühere Lebensgefährtin Marion Jones war ebenfalls in den Fall verwickelt. Unter anderem wegen eines Meineides verbüßt sie derzeit in Texas eine sechsmonatige Haftstrafe.
HaftMarion Jones muss ins Gefängnis
StrafeMarion Jones verliert die Medaillen
Montgomery gewann 1996 Olympiasilber und 2000 Gold mit der 4 x 100-Meter-Staffel der USA. Doch der Abstieg begann 2003 im Zuge der Doping-Affäre um die Firma BALCO. Montgomery durfte nicht an den Olympischen Spielen in Athen teilnehmen. Im Dezember 2005 wurde er für zwei Jahre gesperrt und verlor alle Rekorde. Einen Tag später beendete er seine Karriere.
Als Athlet sei er es schlichtweg gewohnt gewesen, den Anweisungen seines Trainers zu folgen, sagte Montgomery. Milde vor Gericht brachte ihm das jedoch nicht ein: "Sich zu einer Geldwäsche überreden zu lassen, ist nicht dasselbe, wie 'du solltest Müsli essen'", entgegnete Richter Kenneth Karas. Es gäbe nicht einen noch so kleinen Beweis dafür, dass jemand anderes für das Verbrechen verantwortlich sei, so der Richter. Montgomerys Anwalt Timothy Heaphy hatte behauptet, dass sein Mandant unter anderem von Marion Jones auf Abwege gebracht worden sei.
Quelle: dpa
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