04.07.2009, 19:07 Uhr
Aus Hamburg berichtet Jens Bistritschan
Das hat gesessen: Chambers (re.) bringt seinen rechten Haken ins Ziel (Foto: Reuters)So hatten sich Alexander Dimitrenko und sein Universum-Boxstall das Hineinfeiern in den 27. Geburtstag des Ukrainers sicher nicht vorgestellt. Anstatt mit Sekt auf das neue Lebensjahr und den Titel des offiziellen WBO-Herausforderers von Weltmeister Wladimir Klitschko anzustoßen, gab es einen dicken Eisbeutel, den Dimitrenko sich bei der Pressekonferenz abwechselnd unter beide Augen hielt.
Zwölf Runden lang war er von seinem Gegner Eddie Chambers zumeist klar dominiert worden. Im 29. Profikampf verließ er erstmals als Verlierer die Arena.
Dass Ringrichter Paul Thomas aus Großbritannien den Kampf 113:113 wertete, quittierte das Hamburger Publikum mit einem gellenden Pfeifkonzert. Die 6000 Zuschauer, die am Anfang Dimitrenko lautstark unterstützt hatten, waren da eher mit den Wertungen 117:109 und 116:111 von Glenn Feldmann aus den USA und Fernando Laguna aus Spanien einverstanden. Sportlich fair würdigten die Box-Fans die Leistung des beherzt kämpfenden Gastes aus den USA, der im 36. Kampf seinen 35. Sieg feierte. Nur gegen Alexander Powetkin, offizieller IBF-Herausforderer von Wladimir Klitschko, hatte Chambers nach Punkten verloren.
Der 27-Jährige hatte in den zwölf Runden gezeigt, warum er Fast Eddie Chambers genannt wird. Sowohl die Schnelligkeit seiner Schläge als auch seines Körpers verblüffte das Dimitrenko-Lager. Coach Fritz Sdunek musste zugeben, "dass wir nicht damit gerechnet haben, dass er dies durchhält". Doch Chambers, der im Vergleich zu seinem letzten Sieg gegen Samuel Peter noch einmal sieben auf 94,5 Kilogramm abgespeckt hatte, war am Schluss einem K.-o.-Sieg deutlich näher als sein Kontrahent einem Erfolg durch einen Glückstreffer, dem berühmt berüchtigten Lucky Punch.
Überhaupt hatte es Dimitrenko nach Aussage Sduneks "nicht verstanden, seine Vorteile zu nutzen". Sein Schützling habe zu lange gewartet und "Eddie den Kampf machen lassen". So überließ der 16 Zentimeter größere Ukrainer seinem Kontrahenten zumeist die Ringmitte und stand mit dem Rücken zum Seil. "So einen 94-Kilo-Mann muss man sich vom Leib halten und nicht in den Rückwärtsgang gehen", kritisierte dann auch Promoter Klaus-Peter Kohl seinen Schützling.
"Ich muss noch viel lernen", erklärte Dimitrenko kleinlaut. Sdunek zischte schnell noch hinzu: "Und die Zähne zusammenbeißen." Der Hinweis des Trainers galt einer Szene in de siebten Runde, als Dimitrenko meinte, er sei von Chambers in illegaler Weise auf den Rücken geschlagen worden. Das war zwar richtig, doch Ringrichter Genaro Rodriguez zählte den Ukrainer an, der sich beschwerte und nicht sofort weiterboxen wollte. Auch in Runde zehn stand der Unparteiische vor Dimitrenko und kontrollierte, ob dieser weitermachen könne, nachdem ihm Chambers mit einem wuchtigen linken Haken den Mundschutz rausgeschlagen hatte.
Für Dimitrenko heißt es nun, sich wieder hinten anzustellen in der Liste der möglichen Herausforderer eines der bedien Klitschko-Brüder. Promoter Kohl wurde aber nicht müde zu versichern, dass er, was die Zukunft anbelangt, "das volle Vertrauen" in seinen Mann habe. Schwergewichtsboxer, das zeige sich auch bei den Klitschkos, kämen erst mit 30 Jahren in die Blüte ihrer Karrieren. Auch Sdunek ist sich sicher, dass sein Schützling wieder kommen wird: "Das Talent dazu hat er."
Chambers dürfte mit dem Erfolg von Hamburg klar die Schwergewichtshoffnung Nummer eins in den USA geworden sein. Ein Kampf gegen Wladimir Klitschko wird sicherlich vom amerikanischen Fernsehen schon bald anvisiert werden. Der 27-Jährige hat da nichts dagegen. "Dieser Kampf war die perfekte Vorbereitung auf einen Kampf gegen Klitschko", erklärte Chambers. Wenn sein Promoter Dan Goossen den Kampf zustande bringen sollte, "wäre ich sofort bereit".
Etwas früher am Abend hatte Susianna Kentikian ihren Titel als Weltmeisterin im Fliegengewicht verteidigt. Die Hamburgerin besiegte Herausforderin Carolina Gutierrez Gaite aus Argentinien über zehn Runden einstimmig nach Punkten. Die gebürtige Armenierin blieb damit auch in ihrem 25. Profikampf ungeschlagen. Auch Alesia Graf hatte zuvor im Junior-Bantamgewicht ihren WM-Titel erfolgreich verteidigt, profitierte beim knappen 2:1-Punktsieg gegen Terri Lynn Cruz aus den USA aber von einem krassen Fehlurteil der Juroren. Die Stuttgarterin musste in der sechsten Runde angezählt werden und präsentierte sich weit unter ihren Möglichkeiten.
Quelle: t-online.de , dpa
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