10.02.2012, 22:03 Uhr
Weißrusslands Konstantin Kolzow (li.) möchte druckvoll am deutschen Verteidiger Benedikt Kohl vorbeiziehen. (Quelle: Reuters)
Schmerzhaft musste die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft knappe drei Monate vor Beginn der WM erfahren, wo sie international steht. Zum Auftakt des Belarus-Cups in Minsk setzte es gegen Gastgeber Weißrussland mit 0:4 (0:1, 0:3, 0:0) die höchste Niederlage seit dem 2:8 gegen Kanada bei Olympia 2010 in Vancouver. Die Auswahl des DEB wirkte in allen Belangen überfordert und spielt jetzt gegen die Schweiz um Rang drei.
Die Eidgenossen, gegen die das deutsche Team beim Deutschland-Cup im November mit 4:2 erfolgreich war, unterlagen der Slowakei mit 1:3.
Für den Schweizer Trainer der deutschen Mannschaft, Jakob Kölliker, war die Pleite gegen die Weißrussen erst die zweite Niederlage im sechsten Spiel. Kölliker hatte im vergangenen Sommer Uwe Krupp als Bundestrainer abgelöst. "Das 0:1 kam für uns zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Weißrussland hat im zweiten Drittel sehr stark gespielt. Wir haben heute einfach zu viele individuelle Fehler gemacht, durch unnötige Strafen unseren Rhythmus und unser Tempo verloren", sagte Kölliker.
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Deutschlands Cracks kassierten im Sportpalast von Minsk die erste Zu-Null-Niederlage seit 15 Spielen. Zuletzt war im April 2011 in Schweden kein eigener Treffer gelungen.
Die DEB-Auswahl setzte gegen den WM-14. von 2011 das offensivere System von Kölliker nicht um und offenbarte im eigenen Drittel enorme Schwächen. "Man darf nicht vergessen", sagte Kölliker über den Sieger, "dass diese Mannschaft physisch sehr gut spielt und sicher an der Scheibe ist. Sie haben eine durchgängig gute Mannschaft ohne Schwachpunkt, das muss man respektieren."
Insgesamt waren die Weißrussen cleverer und im Abschluss vor dem Tor kaltschnäuziger. Dem Torhüter der Gastgeber - dem früheren DEL-Profi der Nürnberg Ice Tigers und Berlin Capitals, Andrej Mesin - gelang vor 8150 Zuschauern dank einer starken Abwehr ein Shutout.
Die beste Chance zu einem deutschen Tor hatte Neuling Evan Kaufmann. Der Deutsch-Amerikaner von der Düsseldorfer EG schlenzte nach einem Solo den Puck knapp über die Latte (25.). 84 Tage vor dem WM-Auftakt in Stockholm gegen Italien testete Kölliker vor allem die Spieler, die beim Deutschland-Cup im vergangenen November noch nicht zum Einsatz gekommen waren.
Bei den Gegentoren durch Andrei Stepanow (12. und 27.), Anatoli Protasenja (25.) und Alexei Kaljudschnij (29.) war die Abwehr unsortiert. Keinen guten Eindruck hinterließen die Kölner Verteidiger Moritz Müller und Thorsten Ankert, die bei den beiden ersten Gegentoren patzten. Vor dem 0:3 verlor der Wolfsburger Benedikt Kohl an der Bande den entscheidenden Zweikampf. Auch Torhüter Dimitrij Kotschnew vom russischen KHL-Klub Atlant Mytischtschi sah beim 0:2 schlecht aus.
Kölliker hatte seine Amtszeit mit Platz zwei beim Deutschland-Cup begonnen. Im Dezember folgten zwei Siege mit einem Perspektivteam gegen Russland. Insgesamt hat der Krupp-Nachfolger bereits mehr als 50 Spieler eingesetzt, um vor der WM in Finnland und Schweden (4. bis 20. Mai) eine möglichst große Auswahl zu haben.
Quelle: sid , dpa
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