25.06.2011, 19:50 Uhr
Bastian Schweinsteiger (re.) hat längst die Rolle des Strategen von Michael Ballack übernommen. (Foto: imago)
Deutschland sucht seine neuen Fußball-Helden. Denn die Sehnsucht, dass endlich wieder der Kapitän einer deutscher Nationalmannschaft eine Trophäe in den Nachthimmel reckt, ist gigantisch: Ob EM 2012 oder WM 2014 - nach den zweiten und dritten Plätzen der letzten Jahre zählt nur noch der ganz große Wurf. Für den DFB, für Bundestrainer Joachim Löw und für jeden einzelnen Spieler der Nationalmannschaft. Wer diese Spieler allerdings sein werden, weiß selbst der Bundestrainer noch nicht. Denn Löw und sein Trainerteam machen keine Gefangenen. Sie sortieren aus, besetzen neu, testen, ändern, schieben und erneuern. Weil sie es können. Weil die Anzahl als potentiellen Kandidaten es hergibt. Und weil sich einige andere Spieler schneller als gedacht überflüssig gemacht haben. (Foto-Show: Der Generationswechsel in der deutschen Nationalmannschaft)
Ein Blick in die Kader der WM 2006, EM 2008 und WM 2010 zeigt: Nichts ist vergänglicher als der Ruhm einer Turnier-Nominierung. Michael Ballack ist das jüngste Beispiel, aber auch Torsten Frings, Christoph Metzelder oder David Odonkor können davon ein Liedchen singen. Selbst einige aus dem hochgelobten WM-Kader in Südafrika finden sich bereits ein Jahr später unter den Opfern: Von Serdar Tasci, Piotr Trochowski, Marko Marin oder Cacau spricht schon längst niemand mehr, wenn es um die Frage geht, wer im Trikot der Nationalelf auflaufen soll.
Die Generation der goldenen Mitte ist mittlerweile fast inexistent. Spieler zwischen 26 und 31 Jahren - die Altersspanne, die gemeinhin als das beste Fußballeralter bezeichnet wird - sind im DFB-Team nahezu nicht vertreten. Ausnahmen sind Kapitän Philipp Lahm (27), Per Mertesacker (26), Bastian Schweinsteiger (26) und Lukas Podolski (gerade 26 geworden). Doch selbst der muss sich bereits der Angriffe André Schürrles (20) erwehren. Und auch Mertesacker ist nach seiner allenfalls durchschnittlichen Saison in Bremen nicht mehr unumstritten angesichts der Leistungen von der neuen Innenverteidiger-Generation um Mats Hummels (22), Benedikt Höwedes (23) und Holger Badstuber (22).
Deutschlands "Kindergarten"-Generation hat sich in einem solch immensen Tempo in das internationale Blickfeld gespielt, dass viele Spieler, die sich auf Jahre im Kreise der Nationalelf wähnten, schneller von der Bildfläche verschwunden sind als ihnen lieb sein konnte. Wie schnell es gehen kann, zeigt aber auch das Beispiel Marko Marin (22). An ihm veranschaulicht Löw gerne, was passieren kann, wenn Spieler den Fokus auf das Wesentliche verlieren. Der kleine Dribbler hat sich durch allzu verspielte und ineffiziente Auftritte in Bremen längst aus dem engeren Zirkel der DFB-Elf gespielt. Mario Götze (19) und Marco Reus (21) haben ihm in der vergangenen Saison spielend leicht den Rang abgelaufen und seine Rolle als Herausforderer der Etablierten übernommen.
Löw hat klar gemacht: Er will die nächsten Monate für weitere Tests und Experimente nutzen. Er sei zudem noch weit davon entfernt, eine Stammelf im Kopf zu haben. Freifahrtscheine waren gestern, Konkurrenzkampf auf (fast) allen Positionen ist heute. Ob Podolski gegen Schürrle, Miroslav Klose gegen Mario Gomez oder der Kampf in der Viererkette - auf der Suche nach den neuen Helden des deutschen Fußballs hält sich der Bundestrainer alle Optionen offen. Hauptsache, am Ende gelingt der große Wurf.
So verzwickt ist die Situation zwischen Bundestrainer und Ex-Capitano. zum Video
Quelle: t-online.de
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