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DFB-Pokal: Der Pokal ist meist besser als sein Ruf

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Französischer Pokal mit den meisten Überraschungen

06.02.2012, 11:01 Uhr

Schalkes 04 ist amtierender Pokalsieger in Deutschland. Die Cupwettbewerbe in Europa unterscheidet vieles. (Quelle: imago)

Schalkes 04 ist amtierender Pokalsieger in Deutschland. Die Cupwettbewerbe in Europa unterscheidet vieles. (Quelle: imago)

Kolumne von Jonny Giovanni

Armer Pokal. Er ist der Prügelknabe des zeitgenössischen Fußballs. Ständig wird an ihm herumgemäkelt: zu wenig Geld, zu wenig Prestige, zu wenig Glamour. Trainer bezeichnen ihn als unwichtigsten aller Titel und probieren in den ersten Runden gern ihre Ersatzspieler aus. Gespielt wird er inzwischen meist nicht mehr am Wochenende, sondern Dienstags oder Mittwoch abends, bevorzugt im tiefsten Winter. Und natürlich wurde der gute, alte Europapokal der Pokalsieger längst abgeschafft.  

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Nur in England, seinem Mutterland, wo er 1871 als erster Fußball-Wettbewerb der Welt das Licht der Welt erblickte, wird der Pokal tatsächlich noch Wochenends ausgespielt. Dafür musste er nach der letzten Runde im respektablen „Guardian“ über sich lesen, dass er doch der ideale Anlass sei, sich endlich einmal um andere Dinge als Fußball zu kümmern. Denn: Die jüngsten Spiele seien „so magisch wie ein Spielautomat in einer ollen Spelunke“ gewesen, „so romantisch wie ein Bummel durch den Amsterdamer Rotlicht-Bezirk“. Und das Besorgniserregendste, so der Autor: „Die nächste Runde verspricht angesichts der Auslosung noch schlimmer zu werden.“

Im Pokal-Wettbewerb ist alles möglich

Die Auslosung, die Spielzeit, der Modus: in fast allen Ländern Europas doktern selbsterklärte Pokalretter immer wieder an ihm herum, um ihn vermeintlich attraktiver zu machen. Dabei war das ja genau der Witz und der Charme:  Anders als in der Champions League sollte es beim Pokal ursprünglich eben nicht darum gehen, den Wettbewerb mit Setzlisten dahin gehend zu manipulieren, dass man mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit bestimmte Glamour-Spiele zu sehen bekommt. Im Gegenteil: Der Pokal war der Pokal, weil immer alles passieren konnte.

DFB-Pokal: Amateurteams treffen zunächst auf Profis

In Deutschland wird das inzwischen dadurch verhindert, dass in den ersten beiden Runden aus unterschiedlichen Töpfen gelost wird, einer für Profiklubs, einer für den Rest. Amateure treffen so automatisch auf einen Erst- oder Zweitligisten, die Spitzenvereine gehen sich zumindest am Anfang aus dem Weg. Details nur, aber sie drohen dem Pokal zu nehmen, was ihn so einzigartig machte: Dass für ein Mal alle gleich sind. Dass ausnahmsweise nicht zählt, ob ein Klub mit Millionären antritt und der andere mit Tellerwäschern.

Coppa Italia lässt wenig Raum für Überraschungen

Gleichwohl steht Deutschland mit seiner maßvollen Hierarchiesierung noch vergleichsweise gut da. Immerhin darf sich diese Woche noch der Viertligist Holstein Kiel mit den Profiklubs messen. Kein Vergleich zu Italien mit seiner ultra-langweiligen Coppa Italia. In den Halbfinals treffen dort Milan und Juventus aufeinander sowie Siena und Neapel. Vier Erstligisten. Natürlich vier Erstligisten. Die acht besten Klubs müssen schließlich erst ab dem Achtelfinale mitmachen, wobei sie dann noch gesetzt werden. Die Sieger des letzten Jahrzehnts? Inter, Roma, Lazio, Milan. Welch Überraschung.

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Copa del Rey: Hin- und Rückspiele nehmen die Spannung

Dagegen war die spanische Copa del Rey in den letzten Jahren oft der Wettbewerb für die Vereine, die in der Meisterschaft immer hinter Barcelona und Real Madrid landen. Seitdem die beiden Großklubs ihr Duell auf alle Ebenen hochgerüstet haben, interessieren sie sich auch für die Copa. Wenigstens gibt es in Spanien in den letzten Runden keine Setzlisten, weshalb Barcelona und Madrid zuletzt schon im Viertelfinale aufeinander trafen. Da die Copa jedoch in Hin- und Rückspielen ausgetragen wird, haben unterklassige Vereine in der Regel trotzdem keine Chance.

Drittligist verzauberte ganz Spanien

Ausgerechnet unter diesen besonders unwirtlichen Voraussetzungen hat der Pokal jetzt aber zurückgeschlagen. Der Drittligist Mirandes verzauberte in den letzten Wochen das ganze Land, indem er nacheinander Villarreal, Santander und Espanyol eliminierte. Drei Erstligisten, in Hin- und Rückspielen! Die gesammelte Fußball-Prominenz fieberte mit den Semi-Amateuren, nach dem vorerst letzten Coup twitterte Weltmeister Piqué vom FC Barcelona: „Wie großartig ist der Fußball!“ Diese Woche muss Mirandés beim Halbfinal-Rückspiel in Bilbao ein 1:2 aus dem Hinspiel umbiegen, aber auch wenn das wahrscheinlich nicht gelingt: Die Bankangestellten und Lehrer aus einem Städtchen am Ebro haben dazu beigetragen, dass der Pokal die Spanier zuletzt mehr faszinierte als ihre doch ziemlich langweilige, weil sehr einseitige Liga.

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Frankreich: Serie nimmt kein Ende

Man nähert sich damit gewissermaßen französischen Zuständen an. Denn nördlich der Pyrenäen ist der Pokal noch wirklich Wer – der Lieblingswettbewerb vieler neutraler Fans, ein turbulentes Durcheinander mit zahllosen Sensationen. Während zum Beispiel Olympique Lyon zwischen 2002 und 2008 sieben Mal am Stück die Meisterschaft gewann, erreichte es im selben Zeitraum nur einmal das Pokalfinale. Dafür gab es im laufenden Millennium schon den Viertligisten Calais, der im Finale erst durch ein Tor in letzter Minute unterlag, den Drittligisten Amiens, der im Endspiel erst im Elfmeterschießen bezwungen werden konnte, einen Viertelfinalteilnehmer aus der fünften Liga mit dem schönen Namen US Jeanne D’Arc Carquefou und den Triumph des Zweitliga-Dorfklubs Guingamp im Jahre 2009. Die Serie nimmt kein Ende: 2010 stand ein Viertligist im Halbfinale, 2011 ein Fünftligist im Viertelfinale.

Pokal ist besser als sein Ruf

Cupfußball in Reinkultur. Im Pokal kommt es auf andere Dinge an als in der Liga, darauf, in einem momentanen Rausch über sich hinaus zu wachsen oder, wie früher in England, auch noch im fünften Wiederholungsspiel die Nerven zu bewahren (mittlerweile gibt es auch dort nur noch maximal ein „Replay“). Schräg, romantisch und auf jeden Fall speziell: Darf der Pokal so sein, wie er sich gehört, dann ist er nach wie vor ein spektakulärer Wettbewerb. Und sowieso viel besser als sein Ruf.


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Quelle: t-online.de

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