30.01.2012, 13:40 Uhr
Schlaf? Keine Chance. Nicht nach diesem Match, nicht in dieser Nacht. Und wenn der Körper nach diesem historischen Tennisklassiker im Finale der Australian Open gegen Rafael Nadal noch so fertig war. In Melbourne graute schon der Morgen, als Novak Djokovic aufgewühlt twitterte: "Ich kann nicht glauben, dass ich immer noch wach bin. Unglaubliches Match, ich liebe Tennis."
5:53 Stunden lang hatten sich der Serbe und der Spanier bis 1:37 Uhr am frühen Montagmorgen in Australien in einem unglaublichen Match die Bälle um die Ohren gedroschen bis der Weltranglisten-Erste aus Belgrad mit 5:7, 6:4, 6:2, 6:7 (5:7), 7:5 seinen Titel verteidigt und insgesamt den fünften Grand-Slam-Titel gewonnen hatte. Aber Djokovic ist unersättlich, der 24-Jährige verfolgt bereits höhere Ziele - der Grand-Slam spukt in seinem Hinterkopf, der Triumph bei den vier Majors in einem Kalenderjahr.
Zwei Stunden nach dem verwandelten Matchball formulierte er in der Pressekonferenz seine Attacke auf die sportliche Domäne von Rafael Nadal: Die French Open in Paris. Das einzige Grand-Slam-Turnier, das er 2011 nicht gewonnen hat: "Ich will erstmals das Finale in Paris erreichen und ich habe das Gefühl, dass ich es in diesem Jahr schaffen kann", sagte Djokovic.
Womöglich wird der neue Rekord für das längste Grand-Slam-Finale also nur bis Anfang Juni stehen: In Paris wird auf Sand gespielt, dem langsamsten Belag im Tennis. Nirgends springen die Bälle höher ab, nirgends hat der unglaubliche Ballspin von Nadal fatalere Wirkung. Sechsmal in den letzten sieben Jahren triumphierte der Mallorquiner in Roland Garros.
Nadal sieht sich für die Attacke von Djokovic gewappnet. Der Weltranglistenzweite ist nach dem Marathonfinale von Melbourne, das die Zeitung "Herald Sun" als "Eines für die Ewigkeit" feierte, mit Djokovic auf Augenhöhe: "Ich konnte ihn 2011 nie in diese Situation bringen. Ich hatte heute keinerlei mentale Probleme gegen ihn, wie ich sie im letzten Jahr immer hatte", sagte Nadal erstaunlich gefasst. Es war immerhin seine siebte Niederlage hintereinander in einem Finale gegen Djokovic, die dritte am Stück bei Grand-Slam-Turnieren.
Um 1.37 Uhr Ortszeit war der ultimative Härtetest im Tennis beendet. John Isner und Nicolas Mahut hatten im Jahr 2010 in Wimbledon zwar 11:05 Stunden gespielt. Aber über drei Tage verteilt, zu Beginn des Turniers und nicht in einem bis zur letzten Minute hochklassigen Finale.
"Das war der größte Sieg meiner Karriere", sagte Djokovic und ordnete diesen Titel noch ein Stück höher ein als den Wimbledonsieg im Vorjahr. "Weil wir fast unglaubliche sechs Stunden gespielt haben", sagte Djokovic stolz. Der aufopferungsvoll kämpfende Nadal bekannte: "Ich bin nur noch müde. Es war das physisch härteste Match, das ich je gespielt habe."
Der Gewinner der Australian Open tritt nach einer kurzen Nacht vor die Kameras.
Quelle: dapd
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