23.01.2010, 13:48 Uhr
Als Gesine Walther stretcht sich Gesine Tettenborn im Jahr, als sie zur Weltrekordstaffel der DDR gehörte: 1984. (Foto: imago)Als Gesine Walther kennen echte Leichtathletik-Fans Gesine Tettenborn noch aus den 80er Jahren. Damals gehörte die heute 47-Jährige zur Weltelite im Sprint. Über 400 Meter erzielte Tettenborn unter ihrem Mädchennamen Walther vor 26 Jahren einen Weltrekord, der nach dem 3. Oktober 1990 natürlich auch Eingang in die Listen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes fand. Für Tettenborn untragbar. Denn sie war damals gedopt.
"Mir ist bewusst geworden, dass ich für immer dort stehen bleibe, wenn ich nicht aktiv werde", sagte Tettenborn dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", "irgendwie wäre ich also mitverantwortlich dafür, wenn junge Athletinnen dopen, weil sie motiviert sind, diesen Rekord zu brechen."
Am 3. Juni 1984 hatte sie mit der 4x400-Meter-Staffel der DDR einen Weltrekord erzielt. Beim DLV wird diese Zeit von 3:15,92 Minuten noch immer als deutscher Rekord geführt. "Mir ist klar, dass ich nun für manche ein Nestbeschmutzer bin, der ihnen die Erinnerung kaputt macht. Aber ich musste es tun. Für mich", sagte Tettenborn dem "Spiegel" weiter.
Der Verband kam inzwischen ihrer Bitte nach. Der DLV hatte Anfang Mai 2006 beschlossen, die deutschen Rekordlisten beizubehalten. Die Rekordhalter wurden aber vom DLV-Präsidium aufgefordert, sich in den Kampf gegen Doping einzureihen und die Streichung ihrer Rekorde zu beantragen, wenn diese auf der Anwendung von Doping beruhen. Dies wurde damals im Fall der Sprinter Ines Geipel auch sofort umgesetzt.
Gesine Tettenborn kritisiert die Haltung vieler Athletinnen und Trainer der ehemaligen DDR, die Doping bis heute abstreiten oder verharmlosen: "Sie leben in der Vergangenheit und zementieren sie damit." Mit Tettenborn in einer Staffel standen damals auch die Erfurterin Sabine Busch, die bis heute den deutschen Rekord über 400 Meter Hürden hält, und die Rostockerin Marita Koch, die Weltrekordlerin über 400 Meter.
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Tettenborn berichtet, dass sie von ihrem Trainer als 17-Jährige in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1980 in Moskau erstmals anabole Steroide bekommen habe. Die 100-Meter-Staffel-Europameisterin von 1982 habe sich stets unwohl bei der Einnahme gefühlt, aber sie habe mit niemandem über die Dopingmittel sprechen können, weil sie sich schriftlich verpflichtet habe. Zudem "wäre mein Trainer total ausgeflippt, wenn ich ihm erzählt hätte, dass ich die Pillen nicht will", sagte sie.
Quelle: sid
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