05.01.2009, 16:59 Uhr
Von Jörg Runde
Auch Fußballer dopen. (Foto: imago)Für Simon Rolfes war die Saison 2007/2008 sehr hart. Mehr als 60 Spiele absolvierte der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen in der Liga, in den verschiedenen Pokalwettbewerben und in der Nationalmannschaft. Bis zu zwölf Kilometer legt ein Fußball-Profi der Bundesliga während eines Spiels zurück. Fast doppelt soviel wie noch vor zehn Jahren.
Und schneller geworden ist das Spiel auch noch, weswegen sich die Anzahl der Sprints von rund 110 auf 160 pro Partie erhöht hat. Insgesamt ist die Belastung eines Spitzenfußballers also enorm gestiegen. Das Thema Doping wird trotzdem weitestgehend ausgeklammert.
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Auf die Bedeutung von Doping im Fußball angesprochen, bekommt man von vielen Managern, Trainern und Spielern der Fußball-Bundesliga noch heute Sätze zu hören wie: "Fußball ist ein zu komplexes Spiel. Da bringt Doping nichts“ oder "mit Doping-Mitteln trifft man das Tor auch nicht besser.“ Aussagen, die von Experten in schöner Regelmäßigkeit widerlegt werden. Mit einer ganz einfachen Regel: Im Fußball geht es um sehr viel Geld. Und wo es um viel Geld geht, sind auch illegale Tricks im Spiel.
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"Natürlich bringt Doping im Fußball etwas“, sagt Doping-Jäger Werner Franke und ergänzt: „Sicherlich ist Fußball keine Extremleistungssportart, weil der Geschicklichkeitsaspekt eine große Rolle spielt. Aber dennoch hilft auch hier jede Leistungssteigerung weiter.“ Hans Geyer vom Doping-Kontroll-Labor an der Deutschen Sporthochschule Köln sieht das genauso und erklärt, wo und warum die Mittel den Sportlern weiterhelfen: "Doping-Substanzen machen natürlich auch im Fußball Sinn. EPO zum Beispiel verbessert die Ausdauer. Spieler sind so auch in den Schlussminuten in der Lage einen gezielten Schuss aufs Tor abzugehen. Anabolika und Wachstumshormone können bei der Regeneration vor allem in englischen Wochen eine unterstützende Wirkung entwickeln. Und in der Reha nach Verletzungen helfen solche Präparate auch weiter.“
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Es gibt also genug Bereiche, in denen Doping-Mittel den Sportler leistungsfördernd unterstützen. Doch wie sieht es mit den Kontrollen aus? Zumindest der DFB hat reagiert und sein Kontrollsystem erweitert. Armin Baumert, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, erzählt von einem „fruchtbaren Gespräch“ mit DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Er zeigte sich aufgeschlossen für intensivere Kontrollen.“ Seitdem gibt es in den deutschen Spitzenligen eine deutlich erhöhte Zahl von Trainingskontrollen im Fußball. Für 2008 sind insgesamt rund 500 unangemeldete Trainingskontrollen geplant. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es gerade einmal 87. Ulrike Spitz, stellvertretende Nada-Geschäftsführerin sagt: „Wir machen vor allem Zielkontrollen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Kadersportlern, also auf den Nationalspielern.“
Holger Broich, Konditionstrainer von Bayer Leverkusen, bestätigt die Zunahme der Kontrollen. „Zuletzt wurden Simon Rolfes und Patrick Helmes am Tag nach einem Länderspiel kontrolliert. Sie mussten sogar das Training abrechen, um rechtzeitig die Doping-Probe abgeben zu können“, erzählt Broich. Alle Proben, so heißt es von Seiten des DFB, werden auch auf EPO untersucht. Das gilt übrigens auch für die Kontrollen der UEFA. Das Thema EPO ist von größter Bedeutung, weiß Franke zu berichten.
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"Der Prozess gegen einige Spieler von Juventus Turin hat klar festgestellt, dass EPO genommen wurde. Hier wurde aber die italienische Lösung gewählt. Aus formalistischen Gründen kam es zu keinen Strafen. Das Faktum, dass italienische Fußballer mit EPO gedopt haben, steht felsenfest.“ Nach vier Jahren Ermittlungen und drei Jahren Prozessdauer war klar. Die unwiderstehliche Juventus-Squadra der neunziger Jahre war gedopt. Stars wie Zidane, Del Piero, Roberto Baggio und ihr damaliger Trainer Marcello Lippi nahmen das Blutdoping-Mittel. Sie blieben aber straffrei.
Ähnlich wird es auch in Spanien laufen. Die großen Fische zappeln niemals im Netz. Denn, darauf weißt vieles hin, auch beim Doping-Arzt Fuentes waren Fußballer. „Das traut sich Fuentes nur nicht zu sagen“, berichtet Franke. „Das gilt in Spanien als Staatsgeheimnis.“ Und auf den allgemeinen Anti-Doping-Kampf angesprochen sagt Franke: „Spanien macht diesbezüglich wirklich nichts.“
Und in Deutschland? Reichen die durchgeführten Kontrollen tatsächlich aus? „Ich habe den Eindruck, dass die bisherigen Kontrollen im deutschen Fußball eine hohe Abschreckung darstellen und damit zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend sind“, sagt Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln.
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Quelle: t-online.de
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