20.02.2009, 15:50 Uhr
Stefan Schumacher will bis zur letzten Instanz kämpfen (Foto: dpa)Der Radsport bleibt ein Fall für die Justiz. Zwei Wochen bevor mit der Rundfahrt Paris-Nizza der erste Saison-Höhepunkt ansteht, hält das Dauerthema Doping den krisengeplagten Sport wieder in Atem. In Spanien und Italien erhitzt die Hängepartie um Alejandro Valverde die Gemüter, in Deutschland hat der BDR wegen mutmaßlicher Doping-Praktiken im Amateurbereich gegen mehrere Sportler Anzeige erstattet.
Zudem beschäftigt erneut Stefan Schumacher die Behörden, der die in Frankreich ausgesprochene Zweijahressperre anfechten will. "Angesichts des immensen Schadens, den der Fall Stefan Schumacher und der Fall Bernhard Kohl verursacht haben, kann ich mir nichts anderes vorstellen, als die Geltung dieser Sperre weltweit", sagte BDR-Chef Rudolf Scharping.
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Unterdessen erstattete der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Strafanzeige gegen mehrere Sportler, nachdem der rheinland-pfälzische Landesmeister Philip Schulz über Doping unter Amateuren ausgesagt und zwei Sportler beschuldigt hatte. Zudem werde die "Eröffnung eines Sportstrafverfahrens" geprüft.
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In einem ähnlichen Fall ist man in Italien schon weiter, doch nach der ersten Anhörung von Valverde vor dem Nationalen Olympischen Komitee (CONI) blieb unklar, ob sich der Spanier auf Sanktionen einstellen muss. Während die Valverde-Seite die vorgebrachten Doping-Vorwürfe als "unbegründet" zurückwies, ist CONI-Ermittler Ettore Torri sicher, dass der 28-Jährige Kunde des mutmaßlichen Doping- Arztes Eufemiano Fuentes war. Zudem droht Valverde Ärger von der italienischen Strafjustiz, die gegen ihn wegen Dopings ermittelt.
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Ähnlich prekär ist die Situation für den gefallenen Tour-"Helden" Schumacher. Nachdem die französische Anti-Doping-Agentur AFLD den 27- Jährigen für alle "in Frankreich organisierten und autorisierten Radrennen gesperrt" hat, geht Scharping davon aus, dass Schumacher "weltweit" für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen wird. Der Weltverband UCI hat die AFLD-Sperre noch nicht bestätigt und will die formelle Entscheidung in aller Ruhe prüfen. Dies kann laut UCI- Sprecher Enrico Carpani bis Ende nächster Woche dauern.
Schumacher will indes mit allen Mitteln gegen seine endgültige Brandmarkung als Dopingsünder vorgehen. Der Schwabe kündigte nach dem "Schock" Berufung und einen langen Rechtsstreit bis zum obersten französischen Verwaltungsgericht an. Trotz der beiden positiven A- Proben nach der Tour de France 2008 auf das EPO-Präparat CERA bekräftigte Schumacher, "nicht gedopt" zu haben. Sein Anwalt Michael Lehner kritisierte die "ganz merkwürdige" Urteilsfindung der AFLD. "Es hat kein sauberes Verfahren stattgefunden. Das war eine standrechtliche Schnellerschießung", sagte er.
Ungeachtet der drohenden Verbannung bis mindestens Sommer 2010 arbeitet Schumacher, der beide Tour-Einzelzeitfahren gewonnen hatte, an seiner baldigen Rückkehr. Nach zwei Trainingslagern auf Zypern und Gran Canaria versucht er derzeit, sich in seiner Heimat fit zu halten.
Für die früheren Gerolsteiner-Profis hatten die Positivbefunde ihrer einstigen Kollegen Schumacher und Kohl, der bereits für zwei Jahre gesperrt worden ist, unangenehme Folgen. Der französische Radsport-Verband kürzte ihnen die bei der Tour eingefahrenen Preisgelder von 192.000 auf 24.000 Euro. "Das habe ich vor zwei Tagen mitbekommen. Das ist Geld, das den Fahrern gehört", sagte der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer.
Der 55-Jährige hat nach Bekanntwerden der Positiv-Befunde Schumacher zur Rückzahlung des Gehalts seit Beginn der vergangenen Tour verklagt. Überdies droht Schumacher weiteres Ungemach. Noch immer ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Betrugs gegen den WM-Dritten von 2007.
Quelle: dpa
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