03.04.2009, 09:02 Uhr
Der Dopingskandal in Österreich weitet sich aus. (Foto: imago)Der österreichische Sport kommt nicht zur Ruhe. Festnahmen und neue positive A-Proben bei zehn Radsportlern erschüttern die Alpenrepublik erneut. Nach Sportmanager Stefan Matschiner, der unter anderen Radprofi Bernhard Kohl betreut hat, und dem Trainer der Österreichischen Skiverbandes Werner Mayer, sollen sich drei weitere Personen in Untersuchungshaft befinden.
Die Staatsanwaltschaft Wien wollte sich aus ermittlungstaktischen Gründen dazu nicht äußern.
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Allerdings sollen die Festnahmen zum Teil schon einige Tage zurück liegen. Der Wiener Apotheker, der Dopingmittel weitergegeben haben soll, ist wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Unterdessen soll sich Matschiner bei seiner Vernehmung kooperativ gezeigt haben. "Nun muss man verifizieren, ob seine Angaben auch richtig und vollständig sind", sagte Gerald Tatzgern, der Sprecher des Bundeskriminalamtes.
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Ein nächster Dopingskandal steht dem österreichischen Sport offenbar unmittelbar bevor. Wie die Tageszeitung "Österreich" berichtet, sollen bei Tests von zwei heimischen Radteams bei einem Rennen in Kroatien zehn von 13 Fahrern einer Mannschaft in der A-Probe positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden sein. Die Tests wurden von den Doping-Fahndern der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA nach einer erfolgreichen Handy-Spionage durchgeführt.
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Die Kontrolleure waren nach einer ersten Überprüfung schon wieder auf dem Heimweg. Als sie jedoch von der SOKO Doping des österreichischen Bundeskriminalamtes aufgrund abgehörter Handyanrufe den Hinweis erhielten, dass die Radprofis nach der Abreise der NADA-Crew zu Dopingmitteln gegriffen hätten, kehrten sie sofort um. Die Fahnder holten sich erneut Blutproben, die zur Analyse ins IOC-Labor nach Lausanne geschickt wurden. Dies berichtete das Blatt unter Berufung auf einen anonymen Zeugen.
Matschiner soll unterdessen bei seiner stundenlangen Vernehmung den Angaben von Bernhard Kohl zum Teil widersprochen haben. Demnach habe der Sportmanager nur von Kohl Geld für den Erwerb einer Blutzentrifuge erhalten. Kohl hatte bei seiner Befragung ausgesagt, dass zwei weitere prominente Sportler am Erwerb des Geräts beteiligt gewesen seien. Dagegen soll sich Matschiner geständig gezeigt haben, an Bluttransfers bei Kohl beteiligt gewesen zu sein. Dies deckt sich mit den Aussagen des Tour-Dritten. Die Staatsanwaltschaft will am Freitag über den Stand der Ermittlungen informieren.
Am Dienstagabend hatte Kohl mit seinem zweiten Dopinggeständnis Österreich geschockt. "Ich habe von ihm Epo, Wachstumshormone, Insulin und Testosteron bekommen. Außerdem hat er mir bei Blut-Transfusionen geholfen", hatte Kohl seinen Ex-Manager schwer belastet. Zusätzlich gab der ehemalige Gerolsteiner-Profi, der bei der Tour de France 2008 Platz drei belegt hatte, an, Kunde der Wiener Blutbank Humanplasma gewesen zu sein. Er sei mit Matschiner dreimal dort gewesen und habe dort Blutdoping durchgeführt.
Unter dem Eindruck der täglich neuen Schreckensmeldungen droht der Österreich-Rundfahrt vom 5. bis 12. Juli das Aus. Rudolf Massak, der Generalsekretär des österreichischen Radsportverbandes, erklärte: "Wenn das alles so weitergeht, kann sich jeder ausrechnen, dass die Veranstaltung kippt." Der österreichische Fernsehsender ORF gab bekannt, dass es zumindest keine Live-Übertragungen geben werde. Auch geplante Aufzeichnungen und Zusammenfassungen könnten gestrichen werden. Sollte der ORF auf eine Übertragung ganz verzichten, wird die Rundfahrt wohl abgesagt.
An den Kragen gehen soll es den Dopingärzten. Die Disziplinarkommission der Wiener Ärztekammer ermittelt gegen einen Wiener Kinderarzt, auch dem Labor Humanplasma droht Ungemach. "Es ist ganz einfach ein Sumpf, der wirklich trockengelegt gehört", erklärte Ärztekammerpräsident Walter Dorner. Der betreffende Arzt war zuletzt erneut von Triathletin Lisa Hütthaler schwer belastet worden. "Wir haben aufgrund der Medienberichte Disziplinaranzeige erstattet", sagte der Leiter der Rechtsabteilung der Ärztekammer, Thomas Holzgruber.
Auch Ärzten aus dem Blutlabor Humanplasma in Wien-Alsergrund droht ein Disziplinarverfahren, auch wenn das Strafverfahren gerade eingestellt worden ist. Die Dopingbeichte von Kohl ist vermutlich strafrechtlich nicht relevant. Seine Aussagen beziehen sich auf eine Zeit, bevor das Doping-Gesetz in Kraft war. Die Ärzte könnten aber zumindest die Berufsethik verletzt haben. Das wird geprüft. Dorner: "Das Netz ist sehr sehr eng gewoben, so dass uns da niemand durchrutschen kann."
Humanplasma konnte Kohls Aussage, sich dreimal in den Räumlichkeiten der Humanplasma aufgehalten zu haben, weder bestätigen noch dementieren. Kohl sei aber kein Kunde von Humanplasma gewesen, so Unternehmenssprecherin Michaele Eisler. Eisler bestätigte aber, dass einer jener beiden Ärzte von Humanplasma, gegen die ermittelt worden war, von sich aus das Unternehmen gebeten habe, sein Vertragsverhältnis bis zur Klärung der nun erhobenen Vorwürfe ruhen zu lassen.
Quelle: sid
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