13.11.2009, 19:38 Uhr
Überrascht auf der 3000-Meter-Strecke: Becker. (Foto: Reuters)Erst schaute sie ungläubig in Richtung Anzeigetafel, dann brach auf der Ehrenrunde doch noch verhaltener Jubel aus ihr raus: Die neue deutsche Olympia-Hoffnung Stephanie Beckert hat beim Eisschnelllauf-Weltcup in Heerenveen mit ihrem ersten Weltcupsieg über 3000 Meter für eine Riesen-Überraschung gesorgt.
In der Saison-Bestzeit von 4:05,23 Minuten bezwang sie Martina Sablikova aus Tschechien und verwies ihre Trainingsgefährtin Daniela Anschütz-Thoms auf den dritten Rang. Dadurch ging der 42. Weltcup-Sieg von Sprinterin Jenny Wolf fast unter.
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Trainer Stephan Gneupel konnte es kaum fassen und klopfte seinem Schützling immer wieder auf die Schulter, während Stephanie Beckert immer nur ungläubig den Kopf schüttelte. "Ich kann das kaum begreifen", sagte die 21-Jährige. Bis zur letzten Runde hatte noch Anschütz-Thoms im direkten Duell der Erfurterinnen das Tempo bestimmt, doch auf der Schlussrunde wendete Beckert das Blatt und verhinderte so den ersten Einzelsieg der Team-Olympiasiegerin. "Beide haben den gesamten Sommer durchgeackert wie die Schweine. Unglaublich, dass sich das so schnell auszahlt", sagte Gneupel im Überschwang der Gefühle.
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Jenny Wolf jubelte hingegen nur verhalten über ihren 42. Weltcupsieg. In 37,92 Sekunden schlug die Weltrekordlerin aus Berlin ihre Erzrivalin Wang Beixing aus China (38,19) im direkten Duell und übernahm mit ihrem zweiten Saisonerfolg und 280 Punkten auch die Führung im Gesamt-Weltcup über 500 Meter vor Wang (260). Doch haderte sie auch mit zwei schweren Fehlern, die sie zwar nicht den Sieg, wohl aber den Bahnrekord (37,60) kosteten. "Ich bin glücklich über den Erfolg, aber natürlich nicht mit dem Lauf. Aber der Sieg zählt, es gibt ja hier keine Kunstlauf-Noten", sagte die Siegerin schmunzelnd. Auf der Gegengeraden hatte sie einen Strauchler, in der Zielkurve rutschte sie leicht weg. "Gut zu wissen, dass ich auch trotz solcher Fehler gewinnen kann. Das gibt Mut und Selbstvertrauen", sagte sie.
Überschattet wurde der Freitag, der 13. durch einen schweren Sturz der Chinesin Ju Ying, die die dreifache Olympiasiegerin Marianne Timmer mitriss und mit ihr bei vollem Tempo in die Bande krachte. Ju zog sich Schnittverletzungen zu, die Niederländerin rutschte mit einem linken Bein unter die Luftpolster-Bande und wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde ein Abriss des Außenbandes im Fuß diagnostiziert, so dass die 35-Jährige eine wochenlange Zwangspause einlegen muss. "Ich habe gleich befürchtet, dass ich jetzt nicht nach Vancouver kann", gab sie im NOS-Fernsehen ihre Ängste preis.
Nach dem folgenschweren Sturz mussten alle nachfolgenden Starterinnen eine 25-minütige Zwangspause einlegen. "Das ging an die Nerven. Ich war aber überzeugt, dass gerade Jenny prima damit fertig wird", sagte Teamchef Helge Jasch nach dem Lauf. Es war der 30. Weltcup-Erfolg von Jenny Wolf über die 500 Meter (dazu 12 Siege über 100 Meter). Damit stieß sie in der Rangliste der besten 500-Meter-Sprinterinnen auf den zweiten Platz hinter der US-Amerikanerin Bonnie Blair (39 Siege) vor.
Monique Angermüller aus Berlin, die am Vortag im Training gestürzt und auf dem Hinterkopf aufgeschlagen war, verzichtete wegen einer leichten Gehirnerschütterung auf die 500 Meter. Gleichfalls nicht dabei war in den geplanten Rennen über 500 und 1500 Meter Jan Friesinger. Der Bruder von Anni Friesinger-Postma laboriert seit dem Berliner Weltcup an einer Nasennebenhöhlen-Entzündung und musste Antibiotika einnehmen, die seinen Start verhinderten. Der Sieg über 500 Meter ging an den Japaner Keiichiro Nagashima in 34,98 Sekunden.
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Quelle: dpa
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