30.10.2009, 16:24 Uhr
Der deutsche Eisschnelllaufstar Claudia Pechstein. (Foto: imago)Der Nachweis, sich des EPO-Missbrauchs strafbar gemacht zu haben, fehlt weiterhin gegen Claudia Pechstein. Insofern gibt es für den Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, "keine Veranlassung, die Sperre aufrechtzuerhalten." Im gesamten Team ist die Stimmung zu Gunsten der fünfmaligen Olympiasiegerin gekippt. Nur Aushängeschild Anni Friesinger wollte sich vor den nationalen Meisterschaftsrennen in Berlin zur Causa Pechstein nicht äußern.
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Der Trend der Diskussionen im deutschen Lager geht eindeutig dahin, der 37-Jährigen nicht mehr mit Distanz, sondern eher aufmunternden Worten gegenüberzutreten. Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms ging offensiv mit dem Fall um: "Wir haben die Chance, in Vancouver Team-Gold zu gewinnen. Aber das geht nur mit Anni und Claudia. Ich hoffe auf ein gutes Ende, aber ich bin kein Richter", meinte die Erfurterin. Und Sprint-Weltmeisterin Jenny Wolf fügte hinzu: "Jeder, der an der Spitze steht, wird beargwöhnt. Mich wird das aber nicht belasten."
Ihre Zurückhaltung und kritischen Worte abgelegt haben auch die deutschen Männer, mit denen Pechstein trainiert. Der Berliner Tobias Schneider sandte Pechstein eine SMS zur Verhandlung des Internationalen Sportgerichtshofes CASmit aufmunternden Worten. Der Chemnitzer Marco Weber versucht, sich in ihre Gefühlswelt zu versetzen: "Der Fall Pechstein ist allgegenwärtig. Ich bin sogar doppelt betroffen, denn mit der Bundespolizei haben wir beide den gleichen Arbeitgeber", sagte der Langstreckler.
Einig sind sich alle Athleten, dass die Affäre nun ein möglichst schnelles Ende finden sollte. "Der Verband war zuletzt vollkommen auf den Fall fokussiert, das hat vom Ziel Olympia abgelenkt", äußerte Weber verhaltene Kritik. Heinze gibt ihm Recht: "Die Causa Pechstein hat Kraft gekostet in einem Ausmaß, wie es keiner abschätzen konnte. Ich bedaure auch die anderen Sportler, die das mit ausbaden mussten."
Heinze meinte jedoch, die Aktiven aller Sportarten könnten der Berlinerin auch dankbar sein. "Was da durch den Fall Claudia Pechstein mit Blick auf die Wissenschaft und das Prozedere von indirekten Beweisen angeschoben wurde, hat der Wahrheitsfindung für einen sauberen Sport gedient", erklärte der DESG-Präsident. Er hofft auf ein schnelles Urteil, damit Pechstein schon kommende Woche beim Weltcup in Berlin starten kann. Dabei wäre sie aufgrund ihrer Vorjahresergebnisse für die A-Gruppe über 1500 und 3000 Meter gesetzt.
Er fürchtet aber, dass das Image des Verbandes Kratzer bekommen hat. "Wir machen uns keine Hoffnungen, ein Makel bleibt in jedem Falle an Claudia Pechstein, dem Verband und dem Eisschnelllauf-Sport insgesamt hängen", fügte er hinzu. Auch an Schadensersatz im Fall eines Freispruchs glaubt Heinze trotz extrem hoher Kosten für die DESG nicht. "Das könnte nur gelingen, wenn durch den Weltverband ISU nachweislich ein Vorsatz vorliegt. Und das ist offensichtlich nicht der Fall."
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Die neuen Ausführungsbestimmungen zum Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA haben laut Heinze die Haltung des Verbandes gestärkt. "Hätte es diese früher gegeben, hätten wir uns den Gang nach Canossa sparen können", meinte er. Damit werde eine Anleitung gegeben, wie künftig mit dem indirekten Beweis - der Sperre auf Grundlage von Indizien - verfahren werden muss. "Wir sind für den indirekten Beweis, aber jeder Prozess bedarf einer Nachbesserung. Das Urteil wird einen gewaltigen Schritt nach vorn im Sinne der Objektivierung beinhalten", sagte DESG-Sportdirektor Günter Schumacher.
Quelle: sid
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