29.01.2012, 11:16 Uhr
Starker Aufritt: Jenny Wolf bei ihrem 500-Meter-Sieg in Calgary (Quelle: dpa)
Mit einem Streckensieg und einem persönlichen Rekord hat sich Jenny Wolf im Kräftemessen der weltbesten Eissprinter eindrucksvoll zurückgemeldet. Nach zuletzt eher enttäuschenden Leistungen trumpfte die Berlinerin bei der Sprint-WM in Calgary groß auf und liegt nach dem ersten Tag im Gesamtklassement auf Platz zwei hinter Titelverteidigerin Christine Nesbitt.
Der Kanadierin gelang das Highlight des Tages, sie lief über die 1000 Meter in 1:12,68 Minuten Weltrekord. Auf ihrer Paradestrecke 500 m hatte Wolf für den ersten Paukenschlag gesorgt. Die Weltrekordlerin lief in 37,35 Sekunden die deutlich schnellste Zeit. Über die ungeliebten 1000 m verbesserte die fast 33-Jährige ihre persönliche Bestzeit um 0,8 Sekunden auf 1:14,95 Minuten (Platz neun).
"Ich kann's selbst nicht erklären, ich habe gar keine Müdigkeit verspürt", sagte Wolf, die zuletzt über eine gewisse Erschöpfung geklagt hatte. "Es hat wieder richtig Spaß gemacht." Auslöser dürfte der Sieg über die 500 m gewesen sein. "Das war wie eine Befreiung", analysierte Bundestrainer Markus Eicher: "Sie ist unglaublich stark gelaufen. Das war der beste Lauf des Jahres." Der beste der Saison wohl eher, denn zum ersten Mal in diesem Winter ließ Wolf ihre Konkurrenz deutlich hinter sich.
Im direkten Duell fügte die Altmeisterin der bisher so starken Yu Jing aus China eine empfindliche Niederlage zu. "Nicht nur Jennys Startzeit war besser, sondern auch ihre Rundenzeit", stellte Eicher nicht ohne Stolz heraus. Yu hatte die ersten vier Weltcup-Rennen in überragender Manier gewonnen. Über die 1000 m schlug Wolf überraschend deutlich ihre langjährige Konkurrentin Beixing Wang (China), die über die 500 m vor ihrer Landsfrau Hong Zhang noch Zweite geworden war.
Am Ende aber applaudierte Wolf wie auch das ganze Olympic Oval Christine Nesbitt: Die 26-Jährige knackte über die 1000 m den fast sechs Jahre alten Weltrekord ihrer Landsfrau Cindy Klassen. Die WM-Favoritin schraubte die Bestmarke von 1:13,11 auf 1:12,68 Minuten. Eine Zeit, über die auch mancher Mann glücklich wäre. "Sie ist die Beste, sie ist unantastbar', sagte Eicher beinahe ehrfürchtig.
Einen völlig enttäuschenden WM-Auftakt erlebte Monique Angermüller. Einen Tag nach ihrem 28. Geburtstag stürzte die deutsche Meisterin in der zweiten Kurve der 500 m und spielt im Gesamtklassement keine Rolle mehr. "Das ist sehr ärgerlich", sagte Eicher, "wir hatten gehofft, dass Monique unter die Top 10 kommt." Immerhin lief sie über die 1000 m eine akzeptable Zeit (1:15,37 Minuten). Schon 2010 war die WM für Angermüller nach der ersten Strecke gelaufen gewesen. In Obihiro (Japan) war sie disqualifiziert worden, auf der zweiten und dritten Strecke aber noch angetreten.
Judith Hesse lief in 38,05 Sekunden (9.) die besten 500 m ihrer Karriere, über die 1000 m fehlten der 29-Jährigen in 1:15,83 Minuten ein paar Hundertstel (1:15,66). Insgesamt liegt Hesse auf Platz 13. Beim Auftakt der Männer feierte Denny Ihle ein persönlich starkes WM-Debüt mit zwei persönlichen Rekorden (500 m: 35,23/1000 m: 1:10,78).
Die deutschen Herren waren zum Auftakt nur Mittelmaß. Der deutsche Meister Samuel Schwarz enttäuschte über die 500 m als 28. in 35,65 Sekunden. Denny Ihle landete bei seinem WM-Debüt in 35,23 Sekunden immerhin auf Rang 19.
Quelle: dpa , sid
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