08.09.2010, 13:53 Uhr | dpa
Obenauf: Wayne Rooney ist das überlagernde Thema derzeit in England. (Foto: imago)
Wenn der zweite Spieltag der Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 etwas lieferte, dann waren es reichlich Schlagzeilen. So feierte England seine "Gassen-Katze" Wayne Rooney, in den Niederlanden trübte Rafael van der Vaart die Stimmung bei den Huntelaar-Festspielen, und in Frankreich wuchs der Glaube an die Wiederauferstehung der "Blauen". Immerhin gaben die französischen WM-Versager mit dem 2:0-Sieg in Bosnien-Herzegowina ein erstes Lebenszeichen ab und rehabilitierten sich für die 0:1-Heimblamage zum Qualifikationsauftakt gegen Weißrussland.
"Die Blauen wurden wiederbelebt. Am Freitag waren sie ängstlich, weich und irgendwie tot. In Sarajevo haben sie Zähne gezeigt", schrieb die Zeitung "Le Figaro". Während die französischen Medien die Leistung der Mannschaft noch betont vorsichtig bewerteten, wurde der neue Trainer Laurent Blanc wegen seiner Personalentscheidungen und der Umstellung auf ein 4-3-3-System mit Lob überschüttet. "Ich sage nicht, dass jetzt alles fantastisch ist, nur weil wir ein Spiel gewonnen haben", sagte Blanc und ergänzte: "Aber es könnte ein Neustart gewesen sein."
Unter erheblichem Druck stand auch der englische Stürmerstar Rooney. Beim 3:1-Auswärtssieg der "Three Lions" gegen die von Otmar Hitzfeld trainierten Schweizer waren alle Augen auf den Profi von Manchester United gerichtet, der zuvor mit einer neuerlichen Sex-Affäre die Seiten der Klatschpresse gefüllt hatte. Rooney zeigte sich von dem Wirbel unbeeindruckt und bot nicht nur wegen seines Führungstreffers in der 10. Minute eine starke Leistung.
"Rooney beendet die Woche im Himmel statt in der Hölle", schrieb der "Daily Mirror" und fasste zusammen, was wohl viele Engländer über den im Liverpooler Problemvorort Croxteth aufgewachsenen Rooney denken: "Er hat vielleicht die Moral einer Gassen-Katze, aber die Fähigkeiten eines Genies." Das Blatt "Daily Mail" titelte überschwänglich: "Ein wahrer Profi!"
Zuletzt hatte es Differenzen zwischen ihm und dem Verband wegen der Absetzung von John Terry als Kapitän der Nationalmannschaft gegeben. zum Video
Auch Englands Teammanager Fabio Capello ließ auf seinen Angreifer nichts kommen. "Der Druck, der auf ihn lastete, war groß, aber er hat gut gespielt", sagte der Italiener. Für Rooney war sein Treffer jedoch nicht nur wegen der pikanten Enthüllungen über einen erneuten Seitensprung eine Befreiung. Es war auch das Ende einer einjährigen Durststrecke im Nationalteam.
Vizeweltmeister Niederlande knüpfte derweil nahtlos an seine starke WM an und hat dank des 2:1 gegen Finnland die Maximalausbeute von sechs Punkten auf dem Konto. Matchwinner war wie schon beim 5:0-Auftaktsieg gegen San Marino der Neu-Schalker Klaas-Jan Huntelaar mit einem Doppelpack (7. und 16./Elfmeter). Doch Mittelfeldspieler van der Vaart trübte die Stimmung. Bei seiner Auswechslung in der 64. Minute für den Hamburger Bundesligaprofi Eljero Elia verließ er gestikulierend den Platz und sagte mit der Hand vor dem Mund etwas in Richtung Trainer Bert van Marwijk.
Seine Vorgänger loben ihn über den Klee, doch Manuel Neuer bleibt bodenständig. zum Video
"Ich war verärgert", gab van der Vaart zu. Der Neuzugang bei Tottenham Hotspur fühlt sich im Vergleich mit anderen Spielern wie Wesley Sneijder ungerecht behandelt: "Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal 90 Minuten gespielt habe. Ich habe das Gefühl, dass ich mal auf den Tisch hauen muss."
Quelle: dpa
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