03.11.2010, 13:33 Uhr | dpa
Hey, Geld her: Raymond Domenech fordert vom französischen Verband Schadenersatz. (Foto: imago)
Der Skandal-Coach schlägt zurück: Frankreichs ehemaliger Nationaltrainer Raymond Domenech hat seinen früheren Arbeitgeber, den nationalen Verband FFF vor einem Arbeitsgericht auf Zahlung von 2,9 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Nach dem skandalösen Auftritt der Bleus bei der WM 2010 in Südafrika war Domenech - von Medien und Fans "verrückter Professor" genannt - zunächst nach Vertragsende von Laurent Blanc als Nationalcoach abgelöst worden. Anfang September verlor der 58-Jährige dann auch noch seinen Posten als Trainerausbilder des Verbandes. Der "Direction Technique Nationale" (DTN) des FFF gehörte er seit 1993 an.
Zur fristlosen Kündigung führte nach Angaben des FFF "grobes Fehlverhalten" in drei Hauptpunkten: Domenech wurde vorgeworfen, er habe die Funktionäre nicht informiert, nachdem er bei der WM von Stürmer Nicolas Anelka beschimpft worden sei. Kritisiert wurde auch das Verhalten das Trainers beim Trainingsstreik, mit dem das Team um FC-Bayern-Star Franck Ribéry gegen den darauffolgenden Ausschluss Anelkas protestierte. Außerdem stieß die Weigerung Domenechs übel auf, seinem Gegenüber Carlos Alberto Parreira nach der 1:2-Niederlage gegen Südafrika im letzten Gruppenspiel die Hand zu schütteln.
Domenechs Anwalt Jean-Yves Connesson erklärte unterdessen in der "L'Équipe", man müsse arbeitsrechtlich zwischen dem Job als Nationaltrainer und der Arbeit als Trainerausbilder unterscheiden. "Die vom Verband kritisierten Punkte betreffen nur die Funktion als Nationaltrainer", sagte er. Die fristlose Kündigung Domenechs sei "schikanös, brutal und verspätet" und verletze das Arbeitsrecht, so Connesson. Domenech bezog als Trainerausbilder 12.000 Euro monatlich. Als Nationaltrainer hatte er 45.000 Euro verdient. Als DTN-Mitglied hatte er zudem Einfluss auf die Weiterentwicklung des französischen Fußballs.
FFF-Präsident Fernand Duchaussoy erklärte, er sei nicht überrascht von Domenechs Klage. Dies sei ein normaler Vorgang. "Aber die Höhe, die Herr Domenech als Entschädigung fordert, ist extravagant und stellt eine weitere Provokation dar", hieß es in einer Mitteilung.
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Der Weltmeister von 1998 war in Südafrika nach der Vorrunde sieglos ausgeschieden - aber die Équipe Tricolore blamierte sich vor allem abseits des Platzes. Domenech war von Anelka in der Halbzeit des Vorrundenspiels gegen Mexiko (0:2) wüst beschimpft worden. Als der Verband den Chelsea-Profi deshalb vorzeitig nach Hause schickte und die Spieler am 20. Juni mit einem Trainingsboykott gegen die Entscheidung des Verbandes protestierten, ließ sich Domenech im WM-Lager in Knysna sogar dazu überreden, den Protestbrief der Profis den Journalisten vorzulesen.
Quelle: dpa
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