16.02.2011, 16:03 Uhr | sid
Kein Ende der Schlammschlacht in Sicht: Der frühere Schiedsrichterbetreuer Manfred Amerell will im Prozess mit dem ehemaligen FIFA-Referee Michael Kempter und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis zum Äußersten gehen. "Es wird keinen Vergleich mit Michael Kempter geben. Das ist vom Richter vielleicht lieb gemeint, kommt aber nicht infrage. Das würde die Vorwürfe ja legalisieren", sagte Amerell.
Zudem beabsichtigt der 63-Jährige weiter, auch den DFB auf Schadensersatz zu verklagen.
Amerell hat Kempter wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts auf 150.000 Euro Schadensersatz verklagt. Von Kempter wird Amerell der sexuellen Belästigung bezichtigt. Amerell geht es nach eigener Aussage nicht ums Geld. Die "kaputt gemachte Seele" sei nie mehr zu reparieren, hatte er der "Sport-Bild" gesagt.
Amerell hatte stets betont, dass es sich zwischen ihm und Kempter um eine "einvernehmliche Beziehung" gehandelt habe und bezichtigt seinen einstigen Schützling der Lüge. Kempters Anwalt Christoph Schickhardt will zunächst den gerichtlichen Vergleichsvorschlag abwarten. "Wir können ja nicht etwas ablehnen, was wir gar nicht kennen. So ein gerichtlicher Vergleichsvorschlag ist zumeist gut durchdacht", sagte Schickhardt.
Den Vergleichsvorschlag erwartet er in den nächsten Tagen. Das Landgericht Hechingen hatte in der vergangenen Woche eine Entscheidung auf den 18. April vertagt. Möglich ist eine Urteilsverkündung, aber auch die Fortsetzung des Verfahrens. Bis zum 14. März haben beide Parteien noch Zeit, weitere Schriftsätze einzureichen.
Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Augsburg die Ermittlungsverfahren gegen Amerell und Kempter, der seine bisher letzte Partie am 10. April 2010 in der 3. Liga leitete, wegen fehlenden Tatverdachts eingestellt. Mit großer Sicherheit wird Amerell noch gegen den DFB vorgehen und den Verband auf Schadensersatz verklagen. Auch beim Prozess in Hechingen hatte er bekräftigt, dass er "Amt und Privates stets getrennt" habe.
Im Vorjahr war er nach den Vorwürfen gegen seine Person von seinem Amt beim DFB zurückgetreten. Zuletzt hatte Amerell allerdings einen Rechtsstreit gegen den DFB verloren. Amerell war in letzter Instanz beim Oberlandesgericht München mit dem Versuch gescheitert, DFB-Präsident Theo Zwanziger gerichtlich zu untersagen, öffentlich von einer Amtspflichtverletzung zu sprechen. Die Äußerung ist laut Gericht sachlich gerechtfertigt und rechtmäßig.
Für den DFB ist damit auch die von Amerell angekündigte Schadenersatzklage gegen den Verband haltlos. Der DFB hatte eigentlich gehofft, einer "Verlängerung" im Fall Amerell zu entgehen. Im Vorjahr war Zwanziger in die Kritik geraten, weil er sich zu schnell und zu einseitig auf die Seite Kempters geschlagen haben soll.
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Quelle: sid
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