01.11.2011, 18:19 Uhr
Auf Ballhöhe: Mario Gomez hofft im zweiten Vergleich mit Neapel (links Paolo Cannavaro) auf ein Erfolgserlebnis. (Quelle: imago)
Aus München berichtet Thomas Tamberg
Im Falle einer Niederlage gegen den SSC Neapel könnte der FC Bayern München in der Gruppe A sogar bis auf Platz drei zurückfallen. Doch die Frage eines Journalisten auf der offiziellen Pressekonferenz, ob man sich dessen bewusst sei, schienen Philipp Lahm und Toni Kroos irgendwie nicht richtig verstanden zu haben. Während Letzterer gar nicht darauf einging, antwortete der Bayern-Kapitän leicht irritiert: "Wir wollen gewinnen. Der Rest interessiert uns nicht." Vor dem Duell in der Gruppenphase der Champions League gegen den Fünften der Serie A (ab 20.30 Uhr im Live-Ticker von t-online.de) strotzt der FC Bayern vor Selbstvertrauen.
Und das hat seinen Grund. Die letzten acht Partien in der heimischen Allianz Arena konnten die Münchner allesamt gewinnen und weisen ein sagenhaftes Torverhältnis von 33:0 aus. Präsident Uli Hoeneß rief jüngst die Auftritte seiner Bayern gar zur Kunst aus. Und Trainer Jupp Heynckes ("Ich fühle mich zurückversetzt in meine Zeit als Spieler") zog bereits einen Vergleich zu längst vergangenen Zeiten der Gladbacher Fohlen-Elf um Günther Netzer. "Der FC Bayern hat diese Saison eine Mannschaft, die ungewöhnlich guten Fußball spielt", schwärmte der 66-Jährige unverhohlen von seinen Spielern.
Angesichts der beeindruckenden Heimbilanz der Bayern geben sich die Gäste kleinlaut, die mit der Unterstützung von rund 5000 Landsleuten in der Allianz Arena rechnen dürfen. "Bayern ist eine sehr starke Mannschaft, während wir nicht gerade in Top-Form sind", sagte Napoli-Präsident Aurelio de Laurentiis nach der Ankunft in München. Zu allem Überfluss müssen die Gäste noch auf ihren gesperrten Abwehrchef Paolo Cannavaro verzichten. "Wir werden Probleme bekommen", sagte Trainer Walter Mazzarri, der den Bayern höchsten Respekt zollte: "Uns erwartet das beste Team Europas neben Barcelona."
Der FC Bayern München will in seiner Heimfestung gegen den SSC Neapel "alles klarmachen". zum Video
Die Gastgeber dagegen können bis auf den langzeitverletzten Arjen Robben aus dem Vollen schöpfen. Auch die angeschlagenen Daniel van Buyten und Bastian Schweinsteiger werden wohl mitwirken können. "Ich gehe davon aus, dass beide anfangen können", gab Heynckes sogar zwischen den Zeilen preis, dass der zuletzt so formstarke Belgier auch gegen Neapel in der Anfangsformation stehen wird.
Der Trainer hofft, dass seinem Team wie zuletzt gegen Nürnberg ein frühes Tor gelingt. Wichtig sei, dass "wir mit Vollspeed ins Spiel gegen", so der Trainer-Routinier. "Wenn wir in Führung gehen, wird es schwer gegen uns", ergänzte Lahm. "Wir wollen gleich zeigen, wer Herr im Haus ist." Doch selbst wenn kein frühes Tor gelingen sollte, ist Heynckes nicht bange. "Wir haben eine Mannschaft, die Geduld hat und das Tempo variieren kann. Das können nur große Mannschaften."
Einzig das unkonventionelle Spielsystem der Neapolitaner, die mit einer Dreier-Abwehrkette verteidigen, bereitet den Münchnern ein wenig Kopfschmerzen. Sie spielen quasi ohne Außenverteidiger, aber mit drei Innenverteidigern und haben so im Mittelfeld stets Überzahl. "Ihre Außenspieler sind weder Abwehrspieler noch Stürmer. Daher ist es schwer zu bestimmen, wer sie decken soll", erklärte Kroos die Tücken für den Gegner. "Neapel ist ein unbequemer Gegner. Mir imponiert, wie leidenschaftlich sie Fußball spielen", sagte Heynckes.
Trotz der eigenwilligen Formation des Gegners will Heynckes an seiner Marschroute nichts ändern. "Der FC Bayern ist so dominant, dass der Gegner sich nach uns richten muss", sagte er. Für ihn besitzt das Spiel "große Bedeutung". Schließlich könne man mit einem Sieg einen Riesenschritt Richtung Achtelfinale machen. Sollte im Parallelspiel Manchester City beim FC Villarreal nicht gewinnen, wären die Bayern mit einem Sieg gegen Neapel bereits zwei Spieltage vor Ende der Gruppenphase für das Achtelfinale qualifiziert.
Nach den Italienern gastiert Villarreal in der Allianz Arena, bevor es zum abschießenden Spiel nach Manchester geht. Bis dahin soll die Achtelfinale-Teilnahme aber längst unter Dach und Fach sein. "Unser großes Ziel ist es, mit zwei Heimsiegen, Platz eins in der Gruppe perfekt zu machen", sagte Kroos und richtete gleich eine Kampfansage an den SSC Neapel: "Wir haben einen guten Lauf, aber noch nichts gewonnen. Wir sind weiter hungrig."
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