27.04.2009, 10:58 Uhr
Jürgen Klinsmann nach der Heim-Pleite gegen Schalke 04. (Foto: ddp)Die 0:1-Heimpleite gegen Schalke 04 war des Schlechten zu viel: Bayern München hat die Reißleine gezogen und sich nach nur zehn Monaten von Trainer Jürgen Klinsmann getrennt. Mit Ex-Coach Jupp Heynckes als Nothelfer bis zum Saisonende will der deutsche Meister an den letzten fünf Bundesliga-Spieltagen doch noch die Titelverteidigung anstreben oder zumindest die erneute Qualifikation für die Champions League sichern.
Der 63-jährige Heynckes, der am Dienstag offiziell vorgestellt wird, feiert sein Bundesliga-Comeback ausgerechnet am Samstag im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Mit den abstiegsbedrohten Gladbachern war er als Spieler mehrfach deutscher Meister geworden und arbeitete dort später auch zweimal als Trainer.
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Wer in der kommenden Saison Cheftrainer beim Rekordmeister sein wird, teilte der Verein zunächst nicht mit. Zahlreiche Kandidaten werden in München gehandelt, neben ausländischen Trainern auch der derzeitige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der 2002 Borussia Dortmund als Chefcoach zum Gewinn der deutschen Meisterschaft führte. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge will aber noch mit keinem Trainer gesprochen haben. "Schon allein aus Respekt vor Jürgen Klinsmann haben wir das nicht gemacht. Aber ab heute beginnt die Suche."
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"Wir haben uns die Entscheidung, Jürgen Klinsmann zu entlassen, sehr schwer gemacht", ergänzte Rummenigge. "Aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise wie diese zustande kamen und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende zwangen uns, aus Verantwortung dem Klub gegenüber zu handeln. "Jürgen war von unserer Entscheidung überrascht und auch geschockt", sagte Manager Uli Hoeneß, der betonte, jetzt mit Heynckes und "neuem Schwung das Unglaubliche zu schaffen": "Wir sind so alte Fantasten." Hoeneß weiß aber auch, dass das gescheiterte Projekt mit Klinsmann nicht nur für den Trainer, sondern auch für die Bayern-Bosse ein Image-Schaden bedeutet.
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Klinsmann zeigte sich in einer ersten Stellungnahme "sehr enttäuscht" über seinen Rauswurf. "Trotzdem möchte ich mich von Herzen beim FC Bayern München, seinen Fans, den Trainern, den Spielern und den Mitarbeitern für eine ereignisreiche Zeit bedanken", erklärte er und sieht sich nicht gescheitert: "Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft. Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison deutscher Meister werden kann."
Übernimmt bis Saisonende: Jupp Heynckes (Foto: imago)Der zuletzt pausierende Frührentner Heynckes übernimmt am Dienstag die Trainingsarbeit mit den Bayern-Profis. Ihm steht Hermann Gerland, der Trainer der Drittliga-Mannschaft des FC Bayern, zur Seite. "Mit Jupp Heynckes und Hermann Gerland haben wir zwei erfahrene Trainer, denen wir die Leitung der Mannschaft bis zum Saisonende übertragen", äußerte Rummenigge. Heynckes wurde in seiner ersten Münchner Amtszeit von 1987 bis zu seiner Entlassung am 8. Oktober 1991 zweimal Meister (1989, 1990). "Jupp damals zu entlassen, war mein größter Fehler", sagte Hoeneß einst. Mit Real Madrid feierte Heynckes 1998 mit dem Gewinn der Champions League seinen letzten großen Erfolg - nach dem gewonnenen Finale musste er die "Königlichen" allerdings auch verlassen.
Servus: Jürgen Klinsmann verlässt das Bayern-Trainingsgelände (Foto: dpa)Klinsmann war am Morgen des für die Profis trainingsfreien Tages um 9.23 Uhr auf das Vereinsgelände gekommen. Im Gespräch mit dem Vorstand wurde er dann von dem vorzeitigen Ende der Zusammenarbeit unterrichtet. "Der FC Bayern München dankt Jürgen Klinsmann und seinem Team für ihre Tätigkeit", hieß es kurz und knapp in der Mitteilung des Rekordmeisters. Auch Klinsmanns Assistenten Martin Vasquez und Nick Theslof wurden entlassen. Klinsmann verließ die Tiefgarage auf dem Vereinsgelände um 11.30 Uhr beinahe fluchtartig mit seinem Dienstwagen.
Klinsmanns Entlassung ist der insgesamt vierte Trainerwechsel in der laufenden Bundesliga-Saison. Der ehemalige Bundestrainer hatte als "absoluter Wunschtrainer" des Münchner Vorstandes um Rummenigge und Manager Uli Hoeneß sein Amt im vergangenen Juli als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld angetreten. Klinsmanns Vertrag wäre am 30. Juni 2010 ausgelaufen. Der 44-Jährige soll - so wird spekuliert - eine zweistellige Millionen-Abfindung kassieren.
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Klinsmann hatte sich noch am Samstag nach der 0:1-Heimniederlage gegen Schalke überzeugt gezeigt, dass er weiterhin das Vertrauen der Vereinsführung genieße. "Wir ziehen das durch. Die Chemie stimmt intern", hatte der ehemalige Bundestrainer erklärt, der nun bei seiner ersten Station als Vereinscoach vorzeitig gescheitert ist.
Am Sonntag hatte er letztmals das Training des Tabellendritten geleitet. Mit den Bayern war Klinsmann in der Champions League und im DFB-Pokal jeweils im Viertelfinale ausgeschieden. Bei drei Punkten Rückstand auf den VfL Wolfsburg haben die Bayern als Tabellendritter an den letzten fünf Spieltagen noch die Chance auf den 22. Meistertitel.
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SpielberichtSchalkes erster Sieg in der Arena
RestprogrammDie Spiele der Top-Teams
KonstellationWer wie in die Europa League kommt
Quelle: t-online.de , dpa
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