25.04.2009, 18:39 Uhr
Bayerns Ex-Trainer Jürgen Klinsmann (Foto: AP)Gemütlich war es für Jürgen Klinsmann in München noch nie, seitdem sie ihn dort zum Cheftrainer des FC Bayern beförderten. Allmählich aber stellt die vorzeitige Entlassung für den nach außen immerfröhlichen Schwaben eine reelle Gefahr dar. Vereinspräsident Franz Beckenbauer forderte bei Premiere nach dem 0:1 gegen den FC Schalke 04 den Sieg im nächsten Spiel gegen Gladbach ein: "Es muss gewonnen werden. Sonst wird es auch für Jürgen Klinsmann eng."
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Das für alle Verantwortlichen und Fans der Münchner Schlimme ist, dass sie in der auslaufenden Saison nur noch Meister werden können. Aus Champions League und DFB-Pokal wurde der Branchenprimus von Barcelona und Leverkusen sehenswert verabschiedet. "Vorbei ist es nie", hielt van Bommel Premiere-Reporter Dieter Nickles entgegen, warum nicht die verbleibenden fünf Spiele gewonnen werden sollten.
Das klang arg nach Zweckoptimismus, wie auch bei Wackelkandidat Klinsmann: "Wir lassen nicht locker, haben noch fünf Spiele." Motto: Abgerechnet werde nach 34 Spieltagen. Aber regelmäßig auch nach 90 Minuten. Und sollten jene gegen die um den Klassenerhalt kämpfenden Gladbacher auch in die Hose gehen... "In diesem Fall ist auch die Mannschaft gefragt", erklärte Beckenbauer. "Natürlich steht in erster Linie der Trainer in der Kritik, das ist schon seit 100 Jahren so. Aber die Mannschaft muss sich langsam mal selbst in die Pflicht nehmen."
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Das muss sie so oder so schaffen, auch und erst recht nach einem Wolfsburger Erfolg in Cottbus. Wenn nicht für Klinsmann, dann für die Qualifikation zur Champions League. Denn die ist keinesfalls sicher. "Bis jetzt haben wir noch gar nichts", erinnerte Beckenbauer alle Beteiligten an ihre Titelpflicht im Trikot der Roten. "Es wäre schmerzlich, nicht Meister zu werden." Aber: "Er muss schauen, dass er den zweiten Tabellenplatz holt, damit wir wieder in der Champions League sind." Keinesfalls - bei allem Respekt vor den Portugiesen - wolle der Kaiser im kommenden Jahr erneut nach Braga reisen müssen.
Dort waren auch die Wolfsburger im zu Ende gehenden UEFA Cup zu Gast, und wenn sie die Auswärtshürde Cottbus erfolgreich nehmen, kommen Blumen aus München: "Dann sind es sechs Punkte plus dem Torverhältnis", rechnete Beckenbauer vor, "dann kann man den Wolfsburgern zur Meisterschaft gratulieren." Dann sei "nichts mehr zu machen."
Für Klinsmann sieht es dann "schlecht aus für die Meisterschaft." Und für ihn persönlich? Für die seit Wochen anhaltenden Pfiffe der Fans habe er "Verständnis. Es schmerzt, aber ich muss es schlucken." Wie das 0:1 gegen Schalke. Van Bommel sprach von einem Rückschritt. Der reihte sich ein hinter jenen gegen Bremen, in Hamburg und Berlin, gegen Köln, in Barcelona und Wolfsburg. Wenn Manager Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge unter die ganze Saison einen Strich ziehen, gehen sie womöglich auch einen Schritt zurück - vor die Verpflichtung Klinsmanns.
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Der Kaiser, der den 44-Jährigen anno 1987 zum Nationalspieler machte und mit ihm drei Jahre später in Rom Weltmeister wurde, gehört zu denjenigen, die den verfrühten Abschied des Blondschopfs bedauerten: "Ich fände es schade, wenn es nicht funktionieren würde." Immerhin, fuhr Beckenbauer fort, habe nach ihm kein Bayern-Trainer mehr derartigen Fleiß an den Tag gelegt wie Klinsmann. "Er hat soviel investiert, ist morgens der Erste, der kommt und abends der Letzte, der geht."
Nutzt aber nichts, wenn die Ergebnisse nicht stimmen und der FC Bayern tatsächlich an 29 Spieltagen kein einziges Mal Tabellenführer gewesen ist. "Die Leistung war gar nicht so schlecht", plädierte Mannschaftskapitän Mark van Bommel bei Premiere dafür, das Positive herauszuarbeiten. Doch der vom Schalker Jermaine Jones bis zu dessen Gelb-Roter Karte traktierte Niederländer musste auch klar erkennen: "Das Ergebnis ist sch..."
2003/04, als Bremen in München Meister wurde und gar das Double an die Weser holte, gab es zuletzt eine Saison ohne jede Tabellenführung für den FC Bayern. "Wenn man nicht Meister wird", befand der sichtlich zerknirschte van Bommel, "hat man es nicht gut gemacht." Dieser Druck laste an der Isar auf allen: Verein, Mannschaft und Trainer. Aber nicht auf Klinsmann alleine. "Wenn wir nicht Meister werden, hat es an uns allen gelegen."
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Quelle: t-online.de
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