11.04.2009, 20:04 Uhr
Seinen Job kann wohl nur die Meisterschaft retten: Bayerns Coach Jürgen Klinsmann (Foto: Reuters)Gegen Eintracht Frankfurt schoss der FC Bayern locker ein 4:0 heraus, aber die Schmach des 0:4 von Barcelona hat tiefe Spuren hinterlassen - bei den Fans und auch bei Günter Netzer. Für den Fußball-Experten ist Jürgen Klinsmann als Trainer bei den Bayern gescheitert.
In der "Bild am Sonntag" rechnet Netzer schonungslos mit dem Münchner Coach ab: "Für mich hat er nichts von dem erfüllt, was ihm als Ruf vorausgeeilt war." Und Netzer geht noch weiter: "Es war für mich interessant zu hören, mit welcher Arroganz und Selbstüberschätzung er für sich beansprucht, dass man seine Ideen erst in zwei oder drei Jahren versteht."
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Auch mit Klinsmanns Elf geht er hart ins Gericht: "Die Mannschaft hat dem Verein gegenüber ein charakterloses Verhalten an den Tag gelegt. Peinlich, eine Schande! Was für eine Berufsauffassung!" Das Votum der treuesten Fans in der Münchner Allianz Arena war eindeutig. Sogar gegen Ende des Spiels gegen die Eintracht forderten sie mit "Klinsmann raus"-Rufen den Kopf des Bayern-Trainers. Dem rettete der Sieg zwar den Job, der Stolz der Bayern aber ist nachhaltig verletzt und die Seele des Meisters hat irreparablen Schaden genommen.
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Klinsmann reagierte auf die Netzer-Aussagen und sprach im DSF davon, es seien Dinge verfälscht worden und "medial in die falsche Richtung gesteuert worden. Wenn man uns beurteilen will, dann lade ich alle ein. Wir zeigen dann, welche Arbeit wir hier leisten." Netzer entgegnete er: "Bevor er solche Dinge schreibt, soll er nach München kommen und mal unser Training anschauen." Der 44-Jährige räumte ein, dass sich er und die Mannschaft in einem "schwierigen Moment" befinden, "aber ich halte den Kopf dafür hin."
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Der Rückstand auf Tabellenführer VfL Wolfsburg beträgt weiterhin drei Punkte. "Wir werden jetzt jedes einzelne Bundesligaspiel wie ein Endspiel angehen, um noch deutscher Meister zu werden. Und dass wir das schaffen, glauben wir", sagte Klinsmann. Dass über seine Nachfolge bereits öffentlich diskutiert wird, nimmt Klinsmann hin. "Das ist in meinem Job normal. Ich bin ein Kämpfer und habe schon extremere Momente erlebt, wie drei Monate vor der WM, als mich viele absägen wollten. Das hat man nicht geschafft und am Ende gab es das Sommermärchen."
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An ein Happy End glaubt in München aber fast niemand. Gegen Frankfurt überzeugten die Bayern immerhin, doch sie glänzten nicht. Franck Ribéry (3.), Luca Toni (17.), Lucio (36.) und Bastian Schweinsteiger (48.) trafen vor 69.000 Zuschauern - doch "Frankfurt ist nicht Barcelona", wie Kapitän Mark van Bommel zu bedenken gab.
Gegen die "derzeit beste Mannschaft der Welt" (Klinsmann) steht am Dienstag das Rückspiel an - und Jörg Butt dann wohl wieder im Tor der Bayern. Gegen Frankfurt durfte er wie im Hinspiel für Michael Rensing ran, weil er laut Klinsmann "zu einem Leader geworden ist". In einer "Phase, in der es in jedem Spiel um alles oder nichts geht", setze er auf die Erfahrung des 34-jährigen Butt, der Rensing in der Hinsicht "einen Schritt voraus" sei, ergänzte Klinsmann.
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Rensing wollte sich zu der Degradierung nicht äußern, van Bommel versicherte ihm immerhin das Vertrauen der Mannschaft. Das Trainer-Thema war für den Spielführer keines, er sorgt sich dagegen um den Tabellenstand. "Wir müssen Meister werden. Noch ein Jahr im UEFA Cup - das will ich nicht", sagte er. Lukas Podolski drückte es etwas deftiger aus: "Wir stehen alle gemeinsam in der Scheiße."
Klinsmann ist bewusst, dass der Sieg gegen Frankfurt nicht alles reparieren kann, was in den vergangenen beiden Spielen gegen Wolfsburg und Barcelona kaputt gegangen ist. Er setzt vielmehr auf den Dienstag. "Wir wollen Barcelona schlagen, auch wenn wir sie nicht mehr ausschalten können. Wir wollen die Fans mit Leidenschaft, Kampf und Power versöhnen." Klinsmanns langfristige Zukunft wird das aber kaum mehr sichern.
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Quelle: t-online.de , sid , dpa
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