07.11.2009, 10:51 Uhr
Bayerisches Eigengewächs mit Gewicht: Nationalspieler Philipp Lahm. (Foto: dpa)Als Lautsprecher ist Philipp Lahm im Fußballland nicht bekannt. Angesichts der x-ten Krisensituation im Kalenderjahr 2009, in dem ihm und seinen Bayern-Kollegen womöglich der vierte Cheftrainer droht, erhob der Ur-Münchner in der "Süddeutsche Zeitung" jedoch hörbar die Stimme. Im Gegensatz zu Klubs wie Manchester United oder dem FC Barcelona stecke hinter der Einkaufspolitik seines Vereins kein System oder Konzept. Dass ein Spieler gut sei, könne nicht ausschließliches Kriterium sein.
Allerdings schöpft Lahm auch Hoffnung, wenn er den neuen Coach Louis van Gaal und dessen Wirken erlebt. Der erfahrene Niederländer könne "den Bau einer Mannschaft hinbekommen." Diese Struktur habe Lahm im Vorjahr unter Jürgen Klinsmann nicht erkannt.
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Der damals groß angelegt und angekündigte, letztlich aber nicht im Ansatz vollendete Umbau des FC Bayern wirkt sich bis heute schmerzlich aus. Lahm benannte das umfassende Versäumnis, sich kein System zu geben, in das die Spieler gekauft würden. "Man holt gezielt Spieler - und dann steht die Mannschaft." Das, so Lahm, gebe es in Manchester und Barcelona. Nicht aber an der Säbener Straße. "Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten 4- 3-3 spielt."
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Wo dereinst Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller die Achse bildeten, um die sich alle anderen gruppierten und scharten, erkennt Eigengewächs Lahm eine schlimme und gewohnten Erfolg kostende Wahllosigkeit. "In der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich. International brauchst du eben mindestens acht Spieler, die auf ihrer Position ausgebildet sind, Sicherheit haben und damit konkurrenzfähig sind. Ich sehe diese acht Spieler nicht bei uns nicht, und das liegt nicht an den Spielern, sondern an der fehlenden Philosophie über die letzten Jahre."
Der FC Barcelona dagegen habe vor dieser Saison zwar den Schweden Zlatan Ibrahimovic gekauft, aber zugleich den Kameruner Samuel Eto'o abgegeben. "Weil sie gewusst haben: Bei uns spielen vorne (Thierry) Henry und Ibrahimovic, und ein Dritter von diesem Kaliber sorgt nur für Ärger, wenn einer immer auf der Bank sitzt", schilderte Lahm.
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Die wenig abgestimmte Zusammensetzung der Mannschaft letzten Endes zu harmonisieren und in die gewünschten Ergebnisse zu überführen, traut Lahm dem schwer kritisierten van Gaal jedoch absolut zu. "Viele haben noch so eine Mischung aus Respekt und Angst", verriet Lahm: "Aber er ist bestimmt kein Unmensch, er verlangt keine Undinge von uns. Es braucht noch Zeit, aber ich bin der Überzeugung, dass er ein guter Trainer ist. Wir sind auf dem richtigen Weg. Mir gefällt, wieviel Wert er auf Taktik legt. Man sieht eine Handschrift. Trotzdem muss sich natürlich einiges ändern." Zuvorderst natürlich die Bundesliga-Platzierung.
Quelle: dpa , t-online.de
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