19.07.2010, 20:08 Uhr | sid, dpa
Die krasse Außenseiterin Sibylle Klemm stürmt im Stil d'Artagnans zu Überraschungs-Bronze mit dem Säbel. Deutschlands Degen-Stars Jörg Fiedler und Sven Schmid dagegen trennen bei der Fecht-EM Meilen von den Medaillen: Titelverteidiger Schmid blieb mit einer schmerzhaften Armverletzung in der Vorrunde ohne Sieg, dem heißen Medaillenkandidaten Fiedler versagten bei seinem Leipziger Heimspiel schon früh die Nerven.
Es war der Tag der extrem gegensätzlichen deutschen Resultate: Fiedler schied in seiner Geburtsstadt mit 7:10 gegen Ungarns Olympia-Vierten Gabor Boczko schon unter den besten 64 aus, saß anschließend wie ein Häufchen Elend neben der Planche. Der 32-jährige Sachse, der endlich seine erste Einzelmedaille bei einem Topereignis holen wollte, konnte es nicht fassen: "Ich weiß auch nicht so ganz genau, was da jetzt war."
Sibylle Klemm sorgte schon bei Halbzeit für das Medaillen-Soll. "Drei plus" lautete die Hochrechnung von Manfred Kaspar, Sportdirektor im Deutschen Fechter-Bund (DFeB). Nach dem 15:11 der kess auftretenden Klemm im Viertelfinale gegen die klar favorisierte Titelverteidigerin und WM-Zweite Olga Charlan (Ukraine) ist in den Team-Disziplinen jedes weitere Edelmetall eine höchst willkommene Zugabe.
"Wahnsinn. Sie hat sich in einen Rausch gefochten", kommentierte Säbel-Bundestrainer Eero Lehmann den Auftritt Klemms. "Ich kann es nicht fassen", ergänzte die Athletin. "Sibylle ist über sich hinausgewachsen", lobte Kaspar die 26-Jährige, die vor fast leeren Zuschauerrängen ein Gefecht nach dem anderen für sich entschied. Im Halbfinale war dann Schluss, Russlands Olympia-Vierte Sophia Welikaja erwies sich im Duell der Weltranglistenvierten gegen die Nummer 74 beim 15:10 nach 5:8-Rückstand als zu hohe Hürde.
Sibylle Klemms Gegenpol war Sven Schmid, den es ganz schlimm erwischte. Der 32-Jährige, der wie Fiedler und Klemm für Tauberbischofsheim startet, blieb in seinem Vorrundenpool in fünf Gefechten sieglos. Am Ende stand Rang 108 unter 114 Startern. 2009 war er im bulgarischen Plowdiw noch mit Gold dekoriert worden.
"Es hat einfach nicht gereicht. Aber Sven hat es wenigstens versucht", schilderte Degen-Bundestrainer Didier Ollagnon die Situation, die sich erst kurz vor dem Auftakt der Einzelgefechte ergeben hatte. Die Ärzte versuchten, noch in Leipzig die Ursache zu erforschen - für Schmid zu spät. Jetzt hofft er auf die Mannschaftswettkämpfe.
"Immer, wenn es für ihn hart auf hart kam, waren auch die Schmerzen wieder da", sagte Ollagnon, der Christoph Kneip und den ehemaligen EM-Zweiten Martin Schmitt immerhin in die Runde der besten 32 brachte. Auch für Sibylle Klemms Mitstreiterinnen Stefanie Kubissa und Davina Hirzmann sowie Anja Musch war spätestens unter den besten 32 Endstation.
Quelle: sid , dpa
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