11.11.2010, 18:09 Uhr | dpa
Peter Joppich (li.) im Duell mit dem Japaner Yuki Ota. (Foto: imago)
Der Frust sitzt tief, jetzt muss ganz schnell die Trotzreaktion her. Mit hängenden Köpfen schlichen Deutschlands Florettfechter nach dem 38:45 gegen Japan von der Planche. Aus im WM-Viertelfinale von Paris, aus der Traum vom dritten Edelmetall. Für Olympiasieger Benjamin Kleibrink, Einzel-Weltmeister Peter Joppich, André Weßels und Sebastian Bachmann blieb am Ende trotz des überzeugenden 45:34 gegen Frankreich nur der ernüchternde fünfte Platz. Weltmeister wurde China vor Italien und Japan.
Disziplin-Bundestrainer Ulrich Schreck wirkte leicht schockiert nach dem verlorenen Viertelfinale, fasste sich aber rasch und blickte nach vorn: "Wir wollen uns für Olympia qualifizieren. Das ist jetzt der Motivationsfaktor schlechthin."
Ab Mai 2011 wird es ernst, aber deutlich schwerer als bisher: In der Weltrangliste rutscht Deutschland nach hinten und bekommt bei den Weltcups die dicken Brocken immer früher aufgetischt. "Das wird hart", sagte Sportdirektor Manfred Kaspar. Seit 2006 in Turin hatten Joppich, Kleibrink und Co. viermal nacheinander WM-Silber geholt.
Joppich blickte sorgenvoll in die Zukunft, der 27-Jährige erkannte eiligen Handlungsbedarf: "Wir müssen uns zusammensetzen und etwas ändern." Kaspar hatte als Empfehlung ein bewährtes Konzept, das aktuell nicht mehr greift: "Peter oder Benny müssen in solchen Gefechten wieder mal über sich hinauswachsen."
Der Sportchef des deutschen Verbandes reagierte ernüchtert auf die Pleite gegen Japan: "Von diesem Ergebnis sind wir enttäuscht, weil die Medaille geplant war." Für Schreck, der von einer "insgesamt schlechten Mannschaftsleistung" sprach, war mangelndes Selbstvertrauen der Knackpunkt: "Sie wollten es, aber das Zutrauen hat gefehlt."
Zumindest gegen die Japaner, denn danach lief es in der Platzierungsrunde beim 45:24 gegen Südkorea und gegen den Gastgeber im Schlussgefecht um Rang fünf wieder. Schreck rätselte, warum sein Quartett das Potenzial nicht im entscheidenden Moment abrief: "Jeder war mental darauf eingestellt, jeder wollte das Ding." Zumindest gegen Japan blieb es bei der guten Absicht.
Das Finale zwischen dem neuen und erstmaligen Weltmeister China und den entthronten Italienern endete unter chaotischen Umständen. Direkt nach dem entscheidenden Treffer des Chinesen Sheng Lei zum 45:43 gegen Andrea Baldini legte Italien Protest ein, über den minutenlang verhandelt wurde.
Die Italiener verließen das Podium zunächst nicht. Erst nach der erneuten Durchsage, dass das Resultat Gültigkeit behalte, konnte die Siegerehrung stattfinden. Vor dem letzten der neun Teilgefechte hatte Italien 40:36 geführt, ehe Lei im Schlussduell noch die Wende zugunsten Chinas herbeiführte.
Quelle: dpa
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