22.07.2010, 17:08 Uhr | dpa, sid
Jörg Fiedler (rechts) trägt durch seinen Sieg über den Schweizer Max Heinzer zur deutschen Degen-Bronzemedaille bei der Heim-EM in Leipzig bei. (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Die deutschen Fecht-Erfolge von Leipzig machen auf dem Weg nach London 2012 Lust auf mehr: Gold für Imke Duplitzer, zwei Mal Silber, drei Mal Bronze. In einem furiosen Schlussakt holten die Degenherren Jörg Fiedler, Martin Schmitt, Christoph Kneip und Steffen Launer mit 35:34 im "Sudden Death" gegen die Schweiz im Beisein von IOC-Vizepräsident Thomas Bach Bronze. "Durchgekämpft. Wir haben als Team funktioniert", kommentierte Fiedler nach seinem entscheidenden Treffer den großen Erfolg nach Rang neun 2009.
Das Quartett vergab eine große Chance. "Eigentlich hätten wir noch weiter vorn stehen können", sagte Fiedler, der zusammen mit seinen Kollegen das Halbfinale gegen die Ukraine (39:45 im Finale gegen Ungarn) 39:45 verlor. Die Säbelfechterinnen wiederholten beim erneuten Titelgewinn der Ukraine Rang sieben (45:44 gegen Spanien). Italien war mit fünf der zwölf Goldmedaillen, zwei Mal Silber und drei Mal Bronze am erfolgreichsten. Russland (2/4/4) und Deutschland (1/2/3) landeten dahinter.
Während die Olympiasieger Britta Heidemann und Benajmin Kleibrink ebenso wie der dreimalige Weltmeister Peter Joppich leer ausgingen, schafften ihre Teamkollegen einige Überraschungen und bescherten dem Deutschen Fechter-Bund (DFeB) mit sechsmal Edelmetall den dritten Platz im Medaillenspiegel. Sonst vor allem im Mannschafts-Wettbewerb eine sichere Medaillenbank, schieden Kleibrink und Joppich mit dem Team früh aus, nachdem sie bereits im Einzel hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren. "Natürlich ist das enttäuschend, aber nach so vielen Jahren in der Weltspitze muss man ihnen auch mal ein kleines Tief verzeihen", sagte Bundestrainer Ulrich Schreck: "Das sind keine Vollprofis, sondern Studenten. Da nehme ich sie in Schutz."
Knapp vier Monate vor dem Weltchampionat in Paris (4. bis 13. November) hält sich das Sorgenpotenzial im Deutschen Fechter-Bund (DFeB) in Grenzen. Negativ: Heidemann (Degen) und Kleibrink (Florett) scheiterten früh, den erfolgsverwöhnten Florettherren verlieh DFeB-Präsident Gordon Rapp nach vier Mal WM-Silber in Serie verbal die "goldene Zitrone" für den siebten Platz: Sie blieben erstmals seit langem ohne Medaille.
"Im Fechten gibt es keine Dauersieger", sagte Sportdirektor Manfred Kaspar, der "sehr zufrieden" auf das Championat zurückblickte. Es gab tolle Resultate: Die fast 35-jährige Duplitzer landete den Gold-Coup, Säbel-Weltmeister Nicolas Limbach und die Florettdamen holten Silber, das männliche Säbelteam und Sibylle Klemm (Säbel) wurden Dritte. Nur mit einer Goldmedaille für die Degen-Herren hätte das deutsche Team noch an das gute Ergebnis der Vorjahres-EM in Plowdiw (2-1-3) heranreichen können.
Tränen statt Triumph hieß es speziell am vorletzten Tag, als Heidemann und Co. im Degenwettbewerb um einen Treffer am Finale vorbeischrammten und sich am Ende wie 2009 mit Rang vier begnügen mussten. "Zu meiner großen Enttäuschung", wie Imke Duplitzer am Tag danach einräumte.
Die Olympia-Fünfte hat wieder richtig Lust auf das Fechten bekommen. "Ich habe mich hier gegen Leute durchgesetzt, die mir 2009 noch die Hose vollgehauen haben", bilanzierte sie. Bis Olympia 2012 will sie weitermachen, ohne Medaillen programmieren zu wollen: "Mit Ansagen - das wird kompliziert. Und Topfavoritin bei der WM in Paris bin ich nicht, das ist Quatsch."
Die EM-Bilanz von 2009 mit Degen-Gold für Heidemann und den in Leipzig verletzten Sven Schmid, ein Mal Silber und drei Mal Bronze wurde zumindest bei der Titelzahl nicht ganz wieder erreicht, Kaspar war's dennoch zufrieden: "Sportlich war das doch sehr erfolgreich, die gesamte Mannschaft hat sich in allen Disziplinen hervorragend präsentiert. "Es ist wichtig, dass auch mal die in die Bresche springen können, die normalerweise nicht ganz oben stehen." Rapp fügte an: "Man muss eben mit vielen Chancen ins Rennen gehen, eine kommt dann durch." Der DFeB-Boss sah die Verbandsstrategie, alle Waffen zu fördern, bestätigt: "Es ist wichtig, dass wir die finanzielle Stärke erhalten, alle sechs Disziplinen zu fördern. Nur darin liegt der Schlüssel zu dauerhaftem Erfolg."
Das bekam der Verband in Leipzig am eigenen Leibe zu spüren. Mit großformatigen Plakaten hatte der DFeB für die Heim-EM geworben. Darauf zu sehen: Heidemann und Kleibrink, Joppich und Limbach. Doch ausgerechnet diese "Aushängeschilder" sollten fast komplett ohne Medaille aus Leipzig abreisen. Lediglich Säbel-Spezialist Limbach erfüllte die Erwartungen. Andere standen statt dessen im Rampenlicht.
Sibylle Klemm gehörte ebenfalls zu den positiven Erscheinungen. Sie erwischte den wohl besten Tag ihrer Karriere und gewann überraschend Bronze im Säbel. Schnurstracks nach dem Wettkampf setzte sie sich dann ins Auto und fuhr nach Würzburg, wo sie am nächsten Tag eine BWL-Klausur schreiben musste.
Quelle: dpa , sid
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