08.11.2010, 15:54 Uhr | sid, dpa
"Ich bin total enttäuscht", sagt Britta Heidemann nach ihrem Aus bei der Fecht-WM. (Foto: imago)
Dem goldenen Sonntag folgte der "schwarze Montag": Zum Abschluss der Individual-Wettbewerbe bei der Fecht-WM in Paris sind die Medaillenträume der deutschen Degen-Spezialisten wie Seifenblasen geplatzt. Das Aus für Olympiasiegerin Britta Heidemann, Europameisterin Imke Duplitzer und den topgesetzten Jörg Fiedler sorgte für lange Gesichter und bittere Enttäuschung. "Mit dem frühen Ausscheiden von Britta und Imke kann man natürlich nicht zufrieden sein", sagte Fecht-Präsident Gordon Rapp.
Am Sonntag hatte Florettfechter Peter Joppich als erster Deutscher zum vierten Mal den WM-Titel im Einzel gewonnen, einen Tag zuvor hatte Nicolas Limbach Silber mit dem Säbel geholt. Da bei den Herren Martin Schmitt im Viertelfinale denkbar knapp mit 14:15 dem französischen Europameister Jean-Michel Lucenay unterlag, blieben die deutschen Fechter am dritten Entscheidungstag erstmals komplett ohne Edelmetall.
"Das ist der ganz normale Fechtwahnsinn", sagte Heidemann nach ihrer knappen 12:13-Niederlage im Sudden Death gegen die Schweizerin Sophie Lamon in der Runde der letzten 32: "Ich bin total enttäuscht. Das ist ein Gefecht, was ich normalerweise gewinne, wenn ich mental auf der Höhe bin." Damit blieb die Weltranglistenerste zum ersten Mal seit dem Jahr 2006 ohne Titel bei einer internationalen Großveranstaltung.
2007 hatte sie in St. Petersburg den WM-Titel geholt, 2008 mit dem Olympiasieg ihre Karriere gekrönt und im vergangenen Jahr die EM in Plowdiw gewonnen. Bei der Heim-EM in Leipzig im Juli war sie gegen Duplitzer ebenfalls im Sudden Death ausgeschieden. Dennoch blickte Heidemann bereits nach vorne. "Im nächsten Jahr beginnt die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012. Dann wird es wieder wichtig", sagte die 27-Jährige.
War Heidemann nach ihrem Ausscheiden tieftraurig, konnte die von ihrer Schimmelpilzallergie stark gehandicapte Europameisterin Duplitzer kurz nach der 11:15-Niederlage gegen die Polin Malgorzata Bereza zumindest halbwegs wieder Scherze machen. "Mal schauen, was ich mit dem angebrochenen Tag noch anfange. Vielleicht geh ich noch auf die Champs Elysees", sagte die 35-Jährige: "Aber so ist Fechten eben. Gewinne ich Gold, bin ich der Held, sonst der Depp."
Nach ihrem Gefecht war Duplitzer jedoch alles andere als zum Lachen zumute gewesen. Mit rotem Kopf und unter Hustenanfällen hatte sie die Planche verlassen: "Nach dem ersten Drittel des Gefechts habe ich gedacht, mir platzt der Schädel." Da auch Monika Sozanska in der Runde der letzten 32 gegen die Amerikanerin Kelley Hurley 9:15 verlor, blieben die deutschen Damen komplett ohne Medaille. Ricarda Multerer hatte nicht den Sprung ins Hauptfeld geschafft.
Der Weltranglistenerste Jörg Fiedler scheiterte in der Runde der letzten 32 am Esten Nikolai Nowosjolow mit 12:13 im Sudden Death und verfehlte damit erneut seine erste Einzelmedaille bei einem internationalen Großereignis. "Es wartet jeder auf die Scheiß-Medaille, aber ich sollte mir am wenigsten einen Kopf darüber machen", sagte der 32-Jährige, der sich nach seiner Niederlage enttäuscht auf eine Treppe des weitläufigen Grand Palais verzog. Christoph Kneip und der ehemalige Europameister Sven Schmid schieden in der ersten Runde aus.
Quelle: dpa , sid
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