10.10.2008, 16:40 Uhr
Leere Stadien: Die Finanzkrise wirft ihren Schatten auf den Profi-Fußball voraus. (Foto: imago)
Die weltweite Finanzkrise macht auch vor der Fußball-Bundesliga nicht Halt. Die simple Kausalität: Der über Nacht um seine Ersparnisse gekommene Fan kann für Stadionbesuch, Merchandising-Artikel und Pay-TV nicht mehr das nötige "Kleingeld" aufbringen. Und am Ende dieser traurigen Nahrungskette stehen die Klubs. Denen brechen mittelbar noch bedeutendere Einnahmequellen weg.
Prof. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen betrachtet die Vereine als Wirtschaftsunternehmen, die insofern von den gleichen Erschütterungen des globalen Finanzmarktes getroffen würden wie andere Branchen auch.
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Zu unterscheiden sind direkte und indirekte Auswirkungen der Finanzkrise. Kollmann, der seit April 2005 an der Uni Duisburg-Essen einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik besetzt, erklärt: "Direkte sind dann möglich, wenn der Verein sich am Kapitalmarkt z.B. für Infrastrukturmaßnahmen wie Stadionbau oder -umbau Geld leihen möchte. Dies könnte nun schwieriger werden oder mit einer höheren Zinslast verbunden sein."
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Außerdem verweist Kollmann auf die sinkenden Einnahmen aus der TV-Vermarktung. Ein sattsam bekanntes Problem, dass sich den Vereinen bereits anno 2002 stellte, als die KirchMedia-Gruppe des Unternehmers Leo Kirch insolvent wurde. "Gerade mögliche Probleme bei der Refinanzierung von TV-Rechten durch die Rechtevermittler bzw. dann -inhaber sehe ich als die größte Gefahr an, denn hier würde die wichtigste Einnahmequelle angegriffen werden", kann sich Kollmann vorstellen.
Die sinkende Kaufkraft der Fußballinteressierten, also eine Konsumkrise, zählt Kollmann zu den indirekten Folgen, die die Klubs zu befürchten hätten. "Jeder wird vorsichtiger, Sparpotenziale werden gesucht, und der Freizeitbereich könnte als erstes leiden. Dadurch könnte es für Fußballvereine zu einem Rückgang beim Ticketabsatz oder Merchandising kommen. Und auch die Abonnentenzahl der Bezahlsender könnte rückläufig sein, wodurch wiederum die Bereitschaft für hohe TV-Rechte in den Keller gehen dürfte. Die Karteileichen bei Premiere können zusätzlich zur allgemeinen Finanzkrise einen Sinkflug für TV-Einnahmen bedeuten."
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Kollmann, der als "Vater" der 2006 ins Leben gerufenen "Virtual Kicker League" das Ohr am Puls der mitwirkenden Fans hat, sieht in der Finanzkrise, die Englands Premier League bereits erfasst, auch eine ganz reelle Gefahr für Menschen wie Hoffenheims Dietmar Hopp: "Die Mäzene könnten unter Druck geraten, denn das Geld für den Fußballverein kommt aus dem laufenden Vermögen der privaten Gönner. Wenn es hier Probleme gibt, dann wird der Fußball möglicherweise das erste Opfer sein." Umso wichtiger ist, dass Hopp schnellstmöglich das schafft, was zur Zeit noch utopisch erscheint: Die TSG 1899 von seinen persönlichen Zuwendungen unabhängig zu machen. Dazu aber muss der Verein genügend Geld aus anderen Quellen generieren. Und die hängen ebenso ab vom globalen und derzeit kollabierenden Finanzmarkt.
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Quelle: t-online.de
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