04.10.2009, 11:53 Uhr
Toyotas Timo Glock. (Foto: AP)Ein Crash mit 200 Stundenkilometern hat Timo Glocks Start beim Toyota-Heimrennen verhindert, doch seinen Optimismus ließ sich der Bruchpilot nicht zerstören. "Ich weiß ja, dass meine Zukunft sehr positiv aussieht im Moment. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nächstes Jahr weitergeht", sagte der 27-Jährige, den eine sechs Zentimeter tiefe Schnittwunde am Bein in Suzuka an einer weiteren Bewerbungsfahrt für einen neuen Vertrag hinderte.
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In der Qualifikation war Glock in der Zielkurve spektakulär in einen Reifenstapel gerauscht. Wenige Stunden zuvor hatte sein Toyota-Team verkündet, dass es den Hessen und den Suzuka-Zweiten Jarno Trulli künftig am liebsten durch BMW-Sauber-Mann Robert Kubica und den Noch-Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen ersetzen will.
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Glock aber ließ sich auch durch seinen völlig verkorksten Japan-Ausflug nicht beirren. Tapfer posierte der frühere GP2-Champion mit seinem dicken blauen Verband am linken Bein, der die mit 14 Stichen genähte Blessur verdeckte. Ein Teil des Frontflügels hatte sich in seine Wade gebohrt. "'Es war mein Fehler. Ich hatte die Kurve falsch eingeschätzt", redete Glock offen und ehrlich über seinen unfreiwilligen und heftigen Ausritt: "Ich wollte aus der Runde alles rausholen, hatte dann ein bisschen Übersteuern beim Ausgang und wollte noch viel Schwung mitnehmen. Ich hatte die Situation allerdings unterschätzt und war etwa 50 Zentimeter weniger weit rechts als ich dachte. Dann bin ich mit dem linken Vorderrad aufs Gras gekommen."
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Folge: Einschlag bei 220 Kilometern pro Stunde. "Der Aufprall war hart, aber ich konnte meine Beine bewegen und wollte eigentlich aussteigen", sagte Glock. Dann habe er nach unten geschaut und ein Aluminiumteil in seinem Bein gesehen. Ein Teil vom Frontflügel war ins Monocoque eingedrungen. "Ich sah dann, dass mein Overall aufgeschnitten war und auch die Farbe geändert hatte - von weiß auf blutrot. Da habe ich entschieden, lieber erstmal sitzen zu bleiben und auf den Arzt zu warten. Bis der da war, dauerte es satte acht Minuten.
Minutenlang war er an der Unfallstelle behandelt worden, ehe er zunächst im Streckenhospital untersucht und dann per Hubschrauber in ein Krankenhaus im nahegelegenen Yokkaichi geflogen wurde. Nach knapp dreistündigem Check durfte Glock die Klinik verlassen. Zur gleichen Zeit bauten seine Mechaniker den zerstörten Toyota wieder auf, um Glock einen Start zu ermöglichen. "Das Auto war fertig, nur ich leider nicht", sagte der Rennfahrer.
Bis zwei Uhr nachts versuchte sein Physiotherapeut alles, ihn doch noch fit für einen Einsatz zu bekommen - vergebens. "Ich kann das Bein nicht strecken, kann keine wirkliche Kraft ausüben", erklärte Glock. Schon am Freitag hatte er wegen einer fiebrigen Erkältung auf das Training verzichten müssen. "Das war nicht mein Wochenende", meinte Glock mit süßsaurer Miene.
Den Start des Rennens, das am Ende Landsmann Sebastian Vettel von Startplatz eins souverän gewann, schaute er sich noch aus der Teamgarage an. Dann düste Glock zum nächsten Flugzeug in die Heimat. Beim Grand Prix in Brasilien am 18. Oktober will er auf jeden Fall wieder starten. "In zehn Tagen sollte es in Ordnung sein", versicherte er.
Von wachsendem Zugzwang durch seine ungeklärte Zukunft will der gelernte Gerüstbauer nichts wissen. "Ich hatte keinen Druck." Toyota hatte sich schon vor seinem zweiten Platz in Singapur eine Woche zuvor entschieden, die Option für einen neuen Kontrakt nicht zu ziehen. Allerdings will der Rennstall Glock die Tür weiter offen halten.
Das in Köln-Marsdorf beheimatete Team kann sich seiner Zukunft vorerst aber ohnehin nicht sicher sein, weil der Konzernvorstand erst Mitte November über das Budget oder sogar einen Ausstieg entscheidet. Glocks Manager Hans-Bernd Kamps verhandelt längst mit anderen Teams. Mindestens vier Interessenten gebe es bereits, sagte er in Suzuka.
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Quelle: dpa , sid
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