31.10.2011, 08:33 Uhr
Aus Noida berichtet Elmar Brümmer
Sebastian Vettel fährt, das hat sein elfter Saisonsieg beim Großen Preis von Indien gezeigt, nicht mehr gegen den Rest der Welt. Der Formel-1-Weltmeister aus Heppenheim fährt nur noch gegen sich selbst. Und es macht sogar Spaß, ihm dabei zuzugucken.
Das Titelrennen ist längst entschieden, aber für die Trittbrettfahrer dieser Saison geht es in den letzten beiden WM-Läufen in Abu Dhabi und Sao Paulo noch um die Frage der Ehre - und den Vize-Titel. Ein kleines Rennquartett sozusagen.
Jenson Button (240 Punkte) war als zweiter Mann bei McLaren gedacht, jetzt ist der Vorgänger von Sebastian Vettel als Weltmeister der zweite Mann der Formel 1. Er fährt in der Regel unspektakulär, flüstert den Reifen gut zu, und hat sich unheimlich schnell und leise zu einem Charakterdarsteller gemausert. So lange Michael Schumacher noch nicht direkt zu den Jägern des verlorenen Platzes zu rechnen ist, übernimmt Button die Rolle des Routiniers.
Und seine Freundin Jessica Michibata ist jetzt schon die First Lady die Boxengasse. So sanft wie er manchmal spricht und wie seine Fahrweise wirkt, ist der 31-Jährige sicher nicht. Er fühlt sich in der Form seines Lebens, hat seinen Vertrag bei dem britischen Silberpfeil-Team um mindestens zwei Jahr verlängert, und folgt Vettel wie ein Schatten. Favorit für den zweiten Platz. Wahrscheinlich ist er auch der einzige, der sich darüber freuen würde – so wie er es auch im Rennen vom Sonntag getan hat.
Der Mercedes-GP-Pilot ist trotzdem zufrieden mit der Premiere in Indien. zum Video
Fernando Alonso (227 Punkte) hat neulich behauptet, dass ihm der zweite Platz nichts bedeutet. Das ist ungefähr so wahr wie sich Sebastian Vettel nichts aus Rekorden macht. Einen größeren Ehrgeizling als den Spanier findet man im Verfolgerfeld kaum. Er ist das Ein-Mann-Team von Ferrari, und deshalb strengt er sich doppelt an. Ein Beißer, aber (inzwischen) ein taktierender – in Indien hat er sich mit Rang drei zufrieden gegeben.
Alonso muss jetzt den Antreiber für die ganze Mannschaft spielen. Ferrari wird sein letztes Team in der Formel 1 sein, und er will die Scuderia zum Titel führen. Im Vorjahr fehlten ihm nur vier Punkte auf Sebastian Vettel, jetzt sieht er mit Bitternis, wie ihm der Heppenheimer die Schau stiehlt – und in der Dauer-Wertung nach Führungsrunden schon überholt hat. Zeit, wieder zum Alpha-Tier auf der Rennstrecke zu werden.
Die Worte hören wir wohl... „2012 wird es Sebastian nicht noch einmal so leicht haben gegen mich", behauptet Red-Bull-Beifahrer Mark Webber (221 Punkte). Der Australier hat die meisten Rennen dieser Saison am Start verloren, und darüber ist auch sein Selbstvertrauen geschwächt. Die Form der letzten Saison hat er nicht mehr, und das Team ist nur noch zu Teilen auf seiner Seite.
Geschenke von Vettel auf der Rennstrecke will er nicht annehmen, die Frage wäre auch, ob er sie überhaupt bekommt. Platz zwei wäre ein Trostpflästerchen fürs Ego, einen Versuch bei den roten Bullen hat der 35-Jährige noch. Vielleicht hat er bis dahin den Glauben an sich zurückgefunden, auch wenn seine Darbietung bei Rang vier in Greater Noida noch nicht darauf hingedeutet hat.
"One Love" hat sich Lewis Hamilton (202 Punkte) auf den Helm gepinselt, und es soll wohl eine Botschaft an seine Verflossene, das Pussycat Doll Nicole Scherzinger sein. Oder ein Bekenntnis zu dem einzigen, das er vielleicht wirklich liebt: Dem Rennfahren. Auch wenn sich das manchmal darauf zu beschränken scheint, mit Felipe Massa Karbonschrott zu produzieren.
Wo Hamilton ist, ist Trouble meist nicht weit. Er überholt auch da, wo kein Platz oder keine Chance ist. So war der Mann mit dem gelben Helm immer schon. Über den Kampf zurück zur Form finden, das ist sein Rezept - und dabei immer schön den Urinstinkten eines Formel-1-Piloten folgen. Hamilton ist nach dem siebten Platz von Indien nur noch der Außenseiter im Kampf um Platz zwei. Wetten kann man auf ihn trotzdem.
Quelle: t-online.de
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