04.11.2011, 15:17 Uhr
Angesichts der eskalierenden Fan-Gewalt auch vor und nach Fußballspielen haben die Sportminister der Bundesländer ein striktes Alkoholverbot im Nahverkehr gefordert. Auch mit lebenslangen Stadionsperren könne man gewaltbereiten Hooligans wirksam begegnen. "Ich persönlich bin auch für ein Alkoholverbot in Stadien", sagte Thüringens Ressortministerin Heike Taubert zum Abschluss der Sportministerkonferenz (SMK) in Weimar. Thüringen hat 2011 und 2012 turnusmäßig den Vorsitz der SMK inne.
Ein Alkoholverbot in Nahverkehrszügen, wo die Gewalt ebenfalls eskaliert, sei mehr als eine Bitte. "Das ist eine Forderung der Sportministerkonferenz an die Bahn. Das ist der erste Schritt, darüber müssen wir am Runden Tisch am 14. November sprechen", kündigte die SMK-Vorsitzende an. "Ein Alkoholverbot in Nahverkehrszügen zumindest anlässlich von Bundesliga-Spielen ist anzustreben", heißt es in dem SMK-Beschluss.
Taubert schloss auch lebenslange Stadionsperren für Hooligans nicht aus. "Aber das muss dann von den Vereinen auch umgesetzt werden. Da müssen wir - Bund, Länder, Gemeinden, der Sport, die Vereine und die Bahn - eine gemeinsame Linie finden", forderte die SPD-Politikerin vor dem Krisengipfel zur Fan-Gewalt in Berlin. "Wenn wir das am Runden Tisch besprechen, dann kann man auch zu einer Abmachung kommen", meinte die Ministerin. "Wir wollen dort zeigen, dass wir uns von Gewalt nicht einschüchtern lassen."
Eine Zusatzabgabe von 50 Cent oder einem Euro, die von Vereinen über die Eintrittskarten erhoben wird und zur Teilfinanzierung von Polizeieinsätzen dienen könnte, ist dagegen vom Tisch. Der Vorschlag kam von zwei ihrer Ressortkollegen aus anderen Bundesländern. "Dafür gab es keine Mehrheit der 16 Sportminister. Wir haben ja das 16:0-Prinzip", erklärte Taubert und stellte klar: "Die Absicherung durch die Polizei sollte nach wie vor unentgeltlich sein."
Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wollte sich erst nach dem Runden Tisch äußern, betonte aber auch: "Das darf man nicht nur als finanzielles Problem sehen, sondern als gesamtgesellschaftliche Frage." Das Problem der Gewalt im Fußball habe "heute noch einmal eine neue Dimension angenommen". Von einer Verschärfung des Strafrechts hält Ministerin Taubert dennoch nichts. "Wir haben Gesetze, die eigentlich alles abdecken. Die Wirksamkeit von Strafverschärfung ist immer sehr zweifelhaft", sagte sie.
Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) bringt eine andere Variante zur Gewaltprävention ins Spiel. Rhein schlägt vor, gewaltbereite Fußball-Fans beim Arbeitgeber oder an Schulen zu melden. Doch große Aussicht auf eine Anwendung in der Praxis hat Rheins Maßnahme nicht. "Das ist eindeutig rechtswidrig", sagte der Düsseldorfer Strafverteidiger Udo Vetter in der "Frankfurter Rundschau". Sogar im Fall einer Verurteilung sei es nicht rechtens, den Arbeitgeber zu informieren.
Quelle: dpa , t-online.de
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