25.05.2011, 19:39 Uhr
Nach einer Rauferei auf dem Rad ist dem italienischen Straßenmeister Giovanni Visconti der Tagessieg auf der 17. Etappe des Giro d'Italia aberkannt worden. Nach einem heftigen Arm-Rempler gegen Diego Ulissi wurde der vermeintliche Sieger von der Jury zurückgestuft - sein Landsmann landete dadurch stattdessen auf Rang eins.
Visconti zeigte sich in Tirano empört über die Entscheidung. "Wenn ich die Arme nicht zur Hilfe genommen hätte, hätte er mich in die Bande gedrängt", verteidigte er seine Attacke. "Ulissi ist noch sehr jung, aber schon öfter durch schlechte Manieren aufgefallen", fügte Visconti mit einem Seitenhieb auf seinen Landsmann hinzu, nachdem er hinter Ulissi und dem Spanier Pablo Lastras sogar noch auf Rang drei zurückgesetzt wurde.
Die beiden Azzurri hatten sich auf den letzten Metern des über 230 Kilometer langen Tagesabschnitts von Feltre nach Tirano nichts geschenkt und den Spurt einer Ausreißergruppe unter sich ausgemacht. In der Gesamtwertung führt weiter nahezu unbedrängt der Spanier Alberto Contador, der mit dem Hauptfeld etwa drei Minuten nach der Spitze über den Zielstrich rollte und seine 4:58 Minuten Vorsprung auf den Italiener Michele Scarponi verteidigte.
Geprägt war der Tagesabschnitt von Kilometer 50 an durch eine anfangs 16 Profis starke Spitzengruppe um den Weißrussen Konstantin Siwzow, die streckenweise über sechs Minuten Vorsprung herausgefahren hatte und einen Teil davon bis ins Ziel rettete. Siwzow machte daher im Klassement einen Sprung von Platz zwölf auf Rang fünf.
Während einige Zuschauer immer noch zornig auf Contador sind, stimmte die Hauszeitung des Giro d'Italia nach dem Sieg des Spaniers im Bergzeitfahren bereits einen Lobgesang auf den umstrittenen Radfahrer an. "Er tritt in die Galerie der Giganten ein", titelte die "Gazzetta dello Sport" und verglich Contadors Vorstellung unkritisch mit Michael Phelps' acht Goldmedaillen bei Olympia 2008 oder Diego Maradonas legendärem Auftritt bei der Fußball-WM 1986.
Contadors Ritt durch die Berge haftet jedoch weiter ein Makel an, weil gegen ihn ein Dopingverfahren vor dem Sportgerichtshof CAS anhängig ist - und er im Gegensatz zu anderen Profis unter ähnlichen Umständen nicht vorsorglich vom Giro ausgeschlossen wurde.
Quelle: dpa
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