12.09.2010, 15:49 Uhr | dpa ,sid
Kunstturner Fabian Hambüchen holt die Goldmedaille am Reck. (Foto: dpa)
Verletzt am Fuß, verspottet von den Kollegen - für Fabian Hambüchen war die Luft bei den deutschen Meisterschaften der Kunstturner in Berlin so dünn wie noch nie. Statt wie gewohnt die nationalen Titelkämpfe fast nach Belieben zu dominieren, reichte es für den Europameister zunächst nur am Reck zu einer Goldmedaille. Beim Mehrkampf hatte Hambüchen wegen einer Blessur an der linken Achillessehne Boden und Sprung auslassen müssen und deshalb seinen Titel nicht verteidigen können: "Ein komisches Gefühl, dass ich diesmal nicht überall dabei war", gestand er.
"Es war mir schon klar, dass es nicht einfach einen Durchmarsch für mich geben würde", sagte der 22-Jährige, der wegen seiner gesundheitlichen Probleme auch noch nicht fest für die Weltmeisterschaften vom 16. bis 24. Oktober nominiert wurde. Kopfschütteln hatte Hambüchen hingegen schon vor den nationalen Titelkämpfen ausgelöst. Die pikanten Vorabdrucke für seine erscheinende Autobiografie sorgten weiterhin für Unverständnis: "Für Literaturkritik ist in Deutschland Marcel Reich-Ranicki zuständig", erklärte Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes.
Bundestrainer Andreas Hirsch garantierte unterdessen Hambüchens Nachfolger Marcel Nguyen die WM-Teilnahme. Der 23-Jährige sammelte bei den Gerätefinals vor 2000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle am Barren einen weiteren Titel ein. "Schade, dass Fabian im Mehrkampf nicht dabei war", sagte Nguyen derweil bedauernd. "Ich hätte gern gegen ihn geturnt und auch gern gegen ihn gewonnen", meinte der Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen nach seiner überzeugenden Titel-Premiere. Tags darauf ließ der 23-Jährige gleich noch die Meisterschaft am Barren folgen und konnte es sich dabei sogar leisten, auf sein "Prunkstück", den komplizierten Tsukahara-Abgang, zu verzichten.
Beim Sprung und am Boden triumphierte erwartungsgemäß Boden-Europameister Matthias Fahrig. Gesundheitlich leicht angeschlagen verzichtete der Turner allerdings auf den kürzlich nach ihm benannten "Fahrig" am Boden. "Das war bestimmt nicht meine beste Übung, aber ich bin ganz ordentlich durchgekommen. Die tolle Stimmung der Fans hat mich getragen", sagte er nach seinem nationalen Premieren-Titel am Boden. Beim Sprung holte er sich nach dreijähriger Abstinenz, als jeweils Hambüchen gewann, seine vierte Meisterschaft knapp vor Nguyen. Für die Autobiografie seines Teamkollegen Hambüchen hatte er indes nicht viel Verständnis übrig: "Ich weiß nicht, ob man mit 22 Jahren anderen sein Leben erzählen muss."
Chefcoach Hirsch ließ keinen Zweifel daran, dass Nguyen für ihn ein sportlich würdiger Titelträger ist. "Marcel war schon beim Japan-Cup im Juli bis auf einen Zehntelpunkt an Fabian dran", sagte der Berliner, der ungeachtet aller aktuellen Schwierigkeiten in Rotterdam eine WM-Riege um Hambüchen herumbauen will: "Er ist und bleibt für uns eine zentrale Figur."
Noch weit unersetzbarer als Hambüchen oder Nguyen bei den Männern ist bei den Frauen derzeit die neue Mehrkampf-Meisterin Elisabeth Seitz. In einer erschreckend schwachen Konkurrenz wies die 16 Jahre alte Mannheimerin als einzige WM-Format nach und holte sich nach ihrem Triumph im Vierkampf auch zu Beginn der Gerätefinals am Schwebebalken einen weiteren nationalen Titel. "Für mich als Cheftrainerin waren es enttäuschende Meisterschaften", musste Ulla Koch unumwunden einräumen.
Da mehrere ihrer Leistungsträgerinnen verletzungsbedingt bei der WM fehlen werden, kann Koch nach wie vor auch in Rotterdam nicht auf die Dienste von Oksana Chusovitina aus Köln verzichten. Die Olympia-Zweite von Peking beim Sprung, inzwischen 35 Jahre alt, beschränkt sich mittlerweile aber auf Sprung und Schwebebalken und ist als Mehrkämpferin nicht mehr einzuplanen. National ist die gebürtige Usbekin aber immer noch eine feste Größe, was sie mit Gold beim Sprung und Silber am Balken gegen zum Teil fast 20 Jahre jüngere Konkurrenten unter Beweis stellte.
Quelle: sid , dpa
turnte auch einmal schrieb:
am 12. September 2010 um 22:32:18
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deutsche meisterschaft
Wir haben eine Jugend, wo Masters in einem World of Kraft, oder jedenfalls so ähnlich ist. Hier wird ein
Ausnahmeathlet kritisiert, der 99,9999 Prozent der Jugend voraus ist. Wie wuerde es ausschauen wenn man 1000 Gleichaltrige wie er in eine Ausbildung senden würde, oder nur in einen Wald bei 20 Grad Minus das einer nachts einer Feuer machen könnte.
Er hätte wenigstens die Kraft einen Baum zu sägen, nicht umspielen. Armes Deutschland, ich beneide euch nicht. Ich lebe seit janauar in zürich und
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hambüchen schrieb:
am 12. September 2010 um 20:58:52
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machs beste draus
Ich selber habe zwei Leistungssportler in der Familie. Wenn man einen sportler im fernsehen sieht, bei einer WM,
Europameisterschaft oder auf einer Deeutschen. Kein Mensch kann sich vorstellen, der nicht im Sport, im Kadersektor involviert ist, was diese Menschen durchmachen. Sie hatten keine, gar keine Jugend, nur Leistungslimit. Und wenn der Hambüchen letzter wird, hut ab.
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